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Workshop in Amed diskutiert Alternativen zur marktorientierten Wirtschaft


In Amed beraten Vertreter:innen kurdischer Kommunen über kooperative Wirtschaftsmodelle, kommunale Produktion und lokale Selbstorganisierung. Im Mittelpunkt stehen Alternativen zu Marktlogik, Verarmung und sozialer Ungleichheit.

GABB wirbt für kommunale Produktion und solidarische Ökonomie
 
ANF / AMED, 20. Mai 2026.

Unter dem Titel „Wirtschaft, Kommune und Kooperative in der lokalen Selbstverwaltung“ hat in der nordkurdischen Metropole Amed (tr. Diyarbakır) am Mittwoch ein zweitägiger Workshop begonnen. Vertreter:innen zahlreicher Kommunen diskutieren dort über kommunale Wirtschaftsmodelle, Kooperativen und solidarische Produktionsformen. Die Veranstaltung findet im Konferenzsaal der Bezirksverwaltung Bajarê Nû (Yenişehir) statt und wird von der Union der Kommunalverwaltungen in Südostanatolien (GABB) organisiert.

Zum Auftakt erklärte der Ko-Vorsitzende der GABB, Sıraç Çelik, wirtschaftliche Fragen könnten nicht allein auf Produktion, Haushalt oder Beschäftigung reduziert werden. Die gegenwärtige Krise habe zugleich soziale, ökologische und politische Dimensionen. Çelik kritisierte ein Wirtschaftssystem, das Arbeit entwerte, Natur zerstöre und gesellschaftliche Solidarität schwäche. Besonders betroffen seien Frauen, Saisonarbeiter:innen in der Landwirtschaft sowie Menschen, die durch Armut und Migration aus ihren Lebensräumen verdrängt würden. Zugleich verwies er auf Assimilationspolitik, die über Arbeitsverhältnisse, Armut und soziale Abhängigkeit organisiert werde.

Andere Modelle sind möglich

Nach Angaben Çeliks zeigen kommunale Produktionsprojekte, Kooperativen und lokale Solidaritätsnetzwerke, dass Alternativen zur marktorientierten Wirtschaft möglich seien. „Im Mittelpunkt stehen dabei Modelle, die sich an gesellschaftlichen Bedürfnissen orientieren und nicht allein an Profitinteressen“, sagte er. Diskutiert wurden unter anderem gemeinschaftliche Produktionsformen, Landwirtschafts- und Lebensmittelpolitik sowie lokale Versorgungsstrukturen.

Çelik warnte zugleich vor kurzfristigen und schlecht vorbereiteten Wirtschaftsprojekten. Notwendig seien langfristige, organisierte und nachhaltige Modelle, die sich an den konkreten Bedürfnissen der jeweiligen Regionen orientieren.

Rojava-Erfahrungen und lokale Selbstverwaltung

Ein weiterer Schwerpunkt des Workshops sind Erfahrungen aus Rojava sowie Fragen kommunaler Selbstverwaltung und Kooperativenpolitik. Nach Angaben der Organisator:innen soll der Austausch zwischen den Kommunen gestärkt und gemeinsame Produktionsnetzwerke weiterentwickelt werden. Im Fokus stehen dabei Wirtschaftsmodelle, die lokale Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen, die Abhängigkeit vom Markt verringern und gemeinschaftliche Lebensformen stärken sollen.

Der Workshop wurde nach der Eröffnungsrede unter Ausschluss der Öffentlichkeit fortgesetzt. Eine Abschlusserklärung soll zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht werden.

 

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