Bagdad: Şengal ist eine innerirakische Angelegenheit
Die irakische Regierung hat gegenüber der Türkei bekräftigt, dass Şengals Zukunft allein von irakischer Seite geregelt werde. Zugleich schreitet die Integration der ezidischen Widerstandseinheiten YBŞ voran. Rund 1.500 Mitglieder wurden bereits übernommen

Die irakische Regierung hat gegenüber der Türkei bekräftigt, dass die Zukunft der ezidischen Region Şengal (Sindschar) ausschließlich von irakischer Seite geregelt werden müsse. Das erklärte Sabah al-Numan, Sprecher des irakischen Ministerpräsidenten Ali al-Zaidi, gegenüber dem Nachrichtenportal The New Region. Im Mittelpunkt steht dabei die Integration der ezidischen Widerstandseinheiten Şengals (YBŞ) in die irakischen Streitkräfte. Die YBŞ haben nach dem Genozid des IS von 2014 eine zentrale Rolle bei der Selbstverteidigung der Region übernommen. Ankara betrachtet sie wegen ihrer Verbindungen zur kurdischen Befreiungsbewegung als Sicherheitsbedrohung.
„Wir führen Gespräche mit unseren Nachbarn, insbesondere mit der Türkei, und machen deutlich, dass Şengal eine irakische Angelegenheit ist und wir niemandem außer den Irakern erlauben werden, dieses Problem zu lösen“, sagte al-Numan. Die Situation in Şengal sei nicht allein eine Sicherheitsfrage, sondern betreffe ebenso die Neuordnung der Verwaltung und die künftige Entwicklung der Region. Vorrangiges Ziel sei es, Stabilität zu schaffen und das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen. Dazu gehöre auch die Neubesetzung der Bezirksverwaltungsspitze mit einer Person aus der örtlichen Bevölkerung.
Bei einem Treffen mit einer ezidischen Delegation aus Şengal hatte Ministerpräsident al-Zaidi am 11. September die Integration der YBŞ in die irakische Armee angekündigt. Inzwischen wurden nach Angaben des irakischen nationalen Sicherheitsberaters Qasim al-Aboudi rund 1.500 Angehörige der Widerstandseinheiten in staatliche Strukturen übernommen. Weitere 1.500 sollen folgen. Zudem läuft die Aufnahme von 500 ezidischen Frauen in die Gemeindepolizei. Die Zahlen gab al-Aboudi kürzlich auf dem Jahresforum des Middle East Research Institute (MERI) in Hewlêr (Erbil) bekannt.
Parallel dazu verhandelt Bagdad mit Ankara über die Übergabe türkischer Militärstützpunkte. Bei einem Treffen am Rande der UN-Generalversammlung in New York hatten al-Zaidi und der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan am 23. September vereinbart, dass die türkische Armee ihren Stützpunkt Zilkan bei Başîqa in der Provinz Ninive schrittweise an die irakischen Behörden übergeben soll.
Die Neuordnung der Sicherheits- und Verwaltungsstrukturen soll zugleich Voraussetzungen für die Rückkehr der vertriebenen Bevölkerung schaffen. Mehr als zwölf Jahre nach dem Genozid des IS leben weiterhin Zehntausende Ezid:innen in Flüchtlingslagern der Kurdistan-Region. Fehlende Sicherheit, zerstörte Infrastruktur und wirtschaftliche Perspektivlosigkeit erschweren ihre Rückkehr. Al-Numan zeigte sich zuversichtlich, dass die Ernennung einer neuen Leitung für Şengal und die Übertragung der Sicherheitsverantwortung an Bagdad zur Lösung der anhaltenden Probleme beitragen könnten. Ministerpräsident al-Zaidi habe für die Nominierung eine Frist von wenigen Wochen gesetzt.
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