Mauerbau und Brandstiftung in Efrîn

Die Besatzer von Efrîn haben Felder in Şêrawa niedergebrannt. Das Rojava-Zentrum für strategische Studien hat unterdessen ein Video veröffentlicht, das den Bau einer Mauer in Efrîn dokumentiert.

ANF / EFRÎN, 25 Mai 2019.

Wie die Nachrichtenagentur ANHA meldet, haben die türkisch-dschihadistische Besatzungstruppen in Efrîn bestellte Felder und Anbauflächen im Bezirk Şêrawa niedergebrannt. Laut lokalen Quellen handelt es sich um Gebiete der Dörfer Kîmar, Kebaşîn, Kefer Nabo, Burc Heyder und Berad.

Das Rojava Center for Strategic Studies (Navenda Rojava ya Lêkolînên Stratejîk, NRLS) hat unterdessen ein Video in mehreren Sprachen veröffentlicht, mit dem der Mauerbau in Efrîn dokumentiert wird. Durch den Bau der Mauer treibt der türkische Staat die Annexion des nordsyrischen Kantons voran.

Aufbauarbeit des Zivilrats von Deir ez-Zor

Der Zivilrat von Deir ez-Zor arbeitet unter stark eingeschränkten Bedingungen seit der Befreiung der Region am Wiederaufbau des zivilen Lebens.

ANF / DEIR EZ-ZOR, 25. Mai 2019.

Am 24. September 2017 wurde der Zivilrat von Deir ez-Zor gegründet. In der Zwischenzeit hat er auf dem 13.000 Quadratkilometer großen Gebiet 24 Stadtverwaltungen aufgebaut. Der Rat reaktivierte außerdem 34 Wasserwerke und Kanäle. Weiterhin wurden viele öffentliche Bäckereien für die Versorgung der Bevölkerung neu eröffnet, wobei der Rat deren Mehlversorgung sicherstellt.

Die Nachrichtenagentur ANHA sprach mit dem Ko-Vorsitzenden des Zivilrates von Deir ez-Zor, Hassan al-Yusif, über die ökonomischen, bildungspolitischen, infrastrukturellen und sicherheitspolitischen Entwicklungen in der Region. Yusif berichtet von der Eröffnung von drei Krankenhäusern und 21 Gesundheitszentren. Der Rat plane darüber hinaus ein weiteres Krankenhaus zur Versorgung der Dörfer im Westen der Region zu eröffnen.

Zur Bildungssituation erklärt er, viele Schulen seien bei den Kämpfen beschädigt worden: „Wir haben bis jetzt 475 Schulen in einen Zustand versetzt, so dass dort wieder Unterricht möglich ist. Wir haben 5.500 Lehrer*innen auf den Unterricht vorbereitet.“ Im Moment werden in der Region 186.000 Schüler*innen unterrichtet.

Auch die Situation der Landwirtschaft habe sich verbessert, nachdem die Reparaturarbeiten am Habur-Kanal abgeschlossen werden konnten und nun ein 45 Quadratkilometer großes Gebiet bewässert werden kann. Weitere große landwirtschaftliche Flächen konnten ebenfalls wieder an die Bewässerung angeschlossen werden.

Die Reparatur des Stromnetzes sei erst teilweise abgeschlossen und die Arbeiten am Ausbau dauerten an. Außerdem habe man dafür gesorgt, dass sechs Tankwagen und günstiger Treibstoff in der Region verteilt wurden. So werde versucht, den Anstieg der Treibstoffpreise zu verhindern.

Die Sicherheit in der Region sei immer noch problematisch, erklärte Yusif am Ende des Gesprächs, es werden weitere Operationen gegen einzelne IS-Zellen durchgeführt.

 

327 Waisen im Hol-Camp in Nordostsyrien

Im Camp Hol in Nordsyrien befinden sich 327 Waisenkinder aus den IS-Gebieten. Ihr Alter liegt zwischen sechs und zwölf Jahren und ihr Schicksal bleibt ungewiss. Viele sind bei den Frauen des „Islamischen Staat“, die sie im Sinne des IS indoktrinieren.

ANF / HESEKÊ, 25. Mai 2019.

Das Camp Hol liegt östlich der nordsyrischen Stadt Hesekê. Dort leben 72.742 Menschen, Schutzsuchende aus Syrien und dem Irak, aber auch die Familien der IS-Dschihadisten, die sich den Demokratischen Kräften Syriens (QSD) ergeben haben. Unter ihnen befinden sich auch 327 Waisenkinder. Das Alter der Kinder liegt zwischen sechs und zwölf Jahren. Nur 113 von ihnen werden von internationalen Hilfsorganisationen versorgt. 214 Kinder leben bei IS-Frauen im Camp und werden von ihnen aufgezogen. Der Selbstverwaltung selbst fehlen die Ressourcen, um dies zu verhindern.

Peter Maurer vom Komitee des Roten Kreuz hatte in einem Interview auf einem Kongress am 4. April dazu aufgerufen, dass die Hunderten von Kindern von den Herkunftsländern ihrer Eltern aufgenommen werden müssen. Die Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien hat ebenfalls Dutzende Male dazu aufgerufen, dass die als IS-Dschihadisten festgenommenen Staatsbürger zurückgeführt werden. Bisher gibt es keine Initiativen der Länder in Bezug auf diese Kinder und auch keine Projekte zur Bildung und Unterbringung von ihnen.

Efrîn: Das Symbol freier Frauen soll zerstört werden

Die Frauen in Efrîn waren weit entwickelt und offen. Sie sind von einer Philosophie der Freiheit geprägt worden. Als der türkische Staat Efrîn besetzt hat, sind auch die Frauen besetzt worden, erklärt Hediye Yusif vom Frauendachverband Kongreya Star.

HIVDA HEBÛN / ŞEHBA, 25. Mai 2019.

Mit den Angriffen auf Frauen in Efrîn sollen Symbolwerte vernichtet werden. Seit der türkischen Besatzung sind die Menschen in dem nordsyrischen Kanton und insbesondere die Frauen einem sehr vielschichtigen schmutzigen Vorgehen ausgesetzt. Es wird von Hunderten Frauen gesprochen, die vergewaltigt, verschleppt, ermordet, als Spitzel benutzt oder zur Prostitution gezwungen werden. Hediye Yusif vom Frauendachverband Kongreya Star hat sich im ANF-Interview zum Vorgehen der türkischen Besatzungsmacht gegen Frauen geäußert.

Frauen sind in allen Kriegen besonders betroffen. In dem Krieg der letzten acht Jahre waren Frauen, vor allem kurdische Frauen, ein spezielles Angriffsziel der Besatzer. Warum?

Als 2013 der Terror einsetzte, wurden Frauen vor allem bei den Angriffen auf Mosul, Şengal und Kobanê zu einem strategischen Angriffsziel. Die Rolle des Frauenkampfes innerhalb der Befreiungsbewegung in allen vier Teilen Kurdistans zog weltweit Aufmerksamkeit auf sich. In der Zeit des ‚3. Weltkriegs‘ wurde für die ganze Welt offensichtlich, welche Mission die Frauenbewegung beim Aufbau einer demokratischen Gesellschaft und im Kampf für die Frauenbefreiung hat. Die YPJ-Fahne und die Aufnahmen der Kämpferinnen gingen um die Welt, sogar ihre Kleidung wurde als Modell genutzt. Frauen, die für ihre Freiheit kämpfen, sind für den Kapitalismus ein Grund zur Panik. Wenn Frauen auf diese Weise eine Rolle innerhalb der Gesellschaft spielen, finden zwangsläufig große Veränderungen statt. Die Gesellschaft demokratisiert sich und zeigt, was sie will. Aus diesem Grund wurden Frauen zum vorrangigen Angriffsziel in diesem terroristischen Krieg.

Rache an der Frauenbefreiungsbewegung

Mit den Angriffen auf Frauen sollte Rache an der Frauenbewegung genommen werden. Die Frauenbewegung hat für die Entwicklung einer Philosophie der freien Frau gesorgt. Sie hat Frauen eine Rolle und eine Mission gegeben. Zuerst wurden die ezidischen Frauen in Şengal angegriffen. Heute finden weltweit viele Veränderungen statt. Frauenbewegungen treten in den Vordergrund und zeigen ihren Willen. Um diese Entwicklung aufzuhalten, haben barbarische Angriffe stattgefunden. In Şengal sind 4000 Frauen verschleppt und auf Märkten verkauft worden. Es werden immer noch Tausende Frauen vermisst, sie werden weiterhin verkauft. Das ganze findet im 21. Jahrhundert statt. Frauen werden an Dutzende Männer weiterverkauft, mit den Körpern von Frauen herrscht ein sehr schmutziger Umgang. Die Gesellschaft und der Willen der Menschen wurden mit einem schwarzen Vorhang verhüllt. Nicht nur kurdische Frauen, auch arabische, armenische und andere Frauen mussten sich in diesem terroristischen Krieg unter schwarzen Umhängen verbergen. Ich bewerte das als Symbol für eine Zeit der Dunkelheit. Frauen, die für Freiheit kämpfen und eine Vorreitermission übernehmen, sollten verborgen werden, indem sie vergewaltigt, verkauft und ermordet wurden.

Heute findet das gleiche Vorgehen in Efrîn statt. Der IS in Şengal, der türkische Staat in Efrîn?

Der türkische Staat hat dieses Vorgehen unterstützt und dazu angestachelt. Es war die AKP. Tagtäglich ist vor den Augen der Weltöffentlichkeit in Moscheen und Schulen dafür Propaganda gemacht worden. Damit ist die Grundlage gelegt worden. Der größte Beweis dafür ist Efrîn. Der Leichnam der YPJ-Kämpferin Barin ist geschändet worden, die Aufnahmen wurden frei zugänglich veröffentlicht. Allein diese Szene beweist, wie der türkische Staat seinen Rückschlag gegen Frauen entwickelt und organisiert hat.

Bei der Invasion in Efrîn sind die Besatzer sofort auf sehr schmutzige Weise gegen Frauen vorgegangen. Frauen sind ganz offen vergewaltigt, ermordet und verkauft worden. Mit der sexuellen Besatzung von Frauen wollte der türkische Staat Frauen für seine eigene schmutzige Politik benutzen. Er richtet sich nicht nur gegen kurdische Frauen, sondern gegen alle Frauen in Efrîn. Auf diese Weise sind viele Frauen im heutigen Efrîn zu Agentinnen gemacht worden. Was Frauen in Şengal und an anderen Orten angetan worden ist, findet auch in Efrîn statt. Die Frauen in Efrîn waren weit entwickelt und offen. Sie sind von einer Philosophie der Freiheit geprägt worden. Als der türkische Staat Efrîn besetzt hat, sind auch die Frauen besetzt worden. Das Vorgehen der türkisch-dschihadistischen Besatzungstruppen gegen Frauen geht so weit, dass es sich nicht mehr verheimlichen lässt. Der türkische Staat fördert die Prostitution in Efrîn. Damit will er vor allem Frauen gefügig machen. Frauen werden zu Agentinnen und Selbstmordattentäterinnen ausgebildet. Die so ausgebildeten Frauen werden nach Minbic (Manbidsch), Cizîrê, Şehba und Aleppo geschickt.

Mit Arin Mirkan in Kobanê und Avesta in Efrîn sind die Frauen von Efrîn zum Symbol des Befreiungskampfes in Rojava geworden. Und heute werden die Frauen von Efrîn auf schmutzigste Weise für die eigene Politik benutzt. Für das Vorgehen des türkischen Staates liegen viele Beweise vor. Es gibt Erklärungen von Menschen, die Efrîn verlassen haben. Es gibt Menschen, die dieser Politik zum Opfer gefallen sind. Es gibt einen großen Angriff auf das, was die Existenz der Frau ausmacht. Die Werte der Frauenbefreiungsbewegung sollen ausgelöscht werden.

Aufstand gegen den türkischen Staat

Gegen diese Politik müssen die Frauen von Efrîn aufbegehren. Frauen in allen vier Teilen Kurdistans, in Europa und überall müssen sich dagegen wehren. Die Politik des türkischen Staates muss durch den gemeinsamen Kampf von Frauen unterlaufen werden. Dieser Kampf muss militärisch, politisch, kulturell und gesellschaftlich geführt werden. Der Angriff auf die erschaffenen Werte muss abgewehrt werden. Ich glaube daran, dass der Faschismus des 21. Jahrhunderts zerschlagen werden kann, wenn Frauen ihre Kräfte vereinen.

„Fridays for Future“ in Qamişlo

„Für die Verteidigung der Natur müssen wir uns organisieren“

Im Rahmen des globalen Aktionstags der Klimabewegung #FridaysForFuture hat heute auch im nordostsyrischen Qamişlo eine Aktion stattgefunden.

ANF / QAMIŞLO, 24. Mai 2019.

Am zweiten globalen Klimastreik der Schüler*innen- und Studierendenbewegung „FridaysForFuture“ hat heute auch in der nordostsyrischen Stadt Qamişlo eine Aktion stattgefunden. Mit Transparenten und lauten Sprechchören zogen über 50 Studierende der Universität Rojava durch die Stadt und machten auf die ökologischen Schwierigkeiten – vom Abfall in Qamişlo bis zum globalen Klimawandel – aufmerksam.

Mit dieser Demonstration und einer gleichzeitigen Säuberungsaktion in den Straßen von Qamişlo beteiligten sich die Studierenden gemeinsam mit der Stadtverwaltung an der globalen Klimabewegung #FridaysForFuture, die für den heutigen Freitag zu einem weltweiten Aktionstag aufgerufen hatte. Neben den Studierenden und Aktivist*innen der Stadtverwaltung nahm auch die Kampagne „Make Rojava Green Again“ der Internationalistischen Kommune von Rojava teil. Auf den mitgebrachten Transparenten stand: „Für die Verteidigung der Natur müssen wir uns organisieren – Systemwandel statt Klimawandel“, unterschrieben mit FridaysForFuture-Rojava.

Mahir Pir studiert Geschichte an der Universität von Rojava und betont, dass sich im Umgang mit der Natur und der Sauberkeit der Städte auch die Mentalität einer Gesellschaft widerspiegelt. „Sauberkeit im Leben, der Städte und der Erhalt und die Verteidigung der Natur ist eines der essentiellen Dinge im Leben”, so Pir.

Die Studierenden unterstrichen die Wichtigkeit, als Jugend diese Aktion anzuführen, da in der Jugend die Kraft der Gesellschaft liege. Mit einem gemeinsamen Foto und Video schickten sie ihre Grüße an alle Aktivist*innen, die sich weltweit für die Verteidigung der Natur und des Lebens einsetzen und wünschten ihnen viel Erfolg zum zweiten globalen Klimastreik.

Universität Kobanê: Neue Generation in der Stadt des Widerstands

In Kobanê haben Menschen aus allen Teilen Kurdistans gegen den IS gekämpft. An der Universität der Stadt unterrichten jetzt Lehrkräfte aus allen Teilen Kurdistans die neue Generation. Im kommenden Jahr wird eine medizinische Fakultät eingerichtet.

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EHMED KERKÛKÎ / KOBANÊ, 23. Mai 2019.

In der 2017 gegründeten Universität Kobanê gibt es Fakultäten für Physik, Chemie, Biologie, Literatur und Kurdologie. Im kommenden Jahr wird eine medizinische Fakultät eingerichtet. An der Universität werden 200 Studierende von 46 Lehrkräften unterrichtet.

Seit der erfolgreichen Verteidigung Kobanês gegen den IS in den Jahren 2014/2015 ist die Stadt weltweit als Widerstandshochburg bekannt. Aus allen Teilen Kurdistans kamen damals Menschen, um am Kampf um Kobanê teilzunehmen. Heute unterrichten Lehrkräfte aus allen Teilen Kurdistans an der Universität der Stadt.

Wie Delîl Hesen als Lehrbeauftragter für Kurdologie gegenüber ANF erklärt, sollen an der Universität junge Menschen für das in Nord- und Ostsyrien aufgebaute Modell ausgebildet werden. „In Kobanê hat ein großer Kampf stattgefunden und eines der Ergebnisse dieses Widerstandes ist die Universität. Um den Gefallenen gerecht zu werden, müssen wir eine Gesellschaft aufbauen, die ihren Werten entspricht. Den Universitäten fällt dabei eine wichtige Rolle zu.“

Kurdisch als wissenschaftliche Sprache

Ein vorrangiges Ziel ist die Nutzung der kurdischen Sprache in der Wissenschaft, sagt Hesen: „Dem messen wir große Bedeutung bei. Die Besatzer haben immer gesagt, dass Kurdisch keine Sprache der Wissenschaft ist. Sie wollten uns unserer eigenen Sprache entfremden, und das tun sie heute immer noch. Wir sagen dagegen, dass Kurdisch ebenso wie in der Kunst und Literatur auch in der Wissenschaft genutzt werden kann.“

Medizinische Fakultät wird eingerichtet

Hesen berichtet, dass es bereits naturwissenschaftliche Fakultäten an der Universität Kobanê gibt und im kommenden Jahr die Einrichtung einer medizinischen Fakultät geplant ist. „Im Gesundheitsbereich bestehen große Mängel. Viele Ärztinnen und Ärzte sind vor allem seit dem Ausbruch des Krieges ins Ausland gegangen. Deshalb haben wir ernste Probleme. Weil der gesellschaftliche Bedarf dafür besteht, haben wir beschlossen, so schnell wie möglich eine Fakultät für Medizin aufzubauen.“

Ort des Widerstands

Yasmîn Mislim ist Ko-Vorsitzende des Studierendenrats der Universität Kobanê. „Ich schätze mich sehr glücklich, dass ich ausgerechnet hier studieren kann. Kobanê ist ein Ort des Widerstands. Überall ist das Blut der Gefallenen geflossen. Dank des hohen Preises, den sie gezahlt haben, konnte diese Universität gegründet werden. Die Anzahl der Studierenden und Lehrkräfte steigt jedes Jahr weiter an. Es gibt auch immer mehr Fakultäten. Für uns ist das ein großer Erfolg.“

Türkei, Idlib und Tell Rifat

Die Idlib-Operation Russlands und des syrischen Regimes dauert an. Die Türkei fordert einen Waffenstillstand, um zwei Beobachtungspunkte zu räumen. Für die Besatzung von Tell Rifat will die Türkei Russland erpressen.

ERSİN ÇAKSU / ALEPPO, 21. Mai 2019.

Während die Operation der syrischen Armee mit russischer Luft- und Bodenunterstützung aus dem Norden von Hama Richtung Idlib weitergeht, ist mit einer Erklärung Russlands verkündet worden, dass die syrische Armee am 18. Mai um 0.00 Uhr einen Waffenstillstand ausgerufen hat. In der Region herrscht jedoch rege Bewegung, Syrien, Russland, die Türkei, der Iran und die Milizen sind weiterhin aktiv.

Türkei will Waffenstillstand

Nach vorliegenden Informationen steht hinter der Waffenstillstandserklärung, die Russland im Namen des syrischen Regimes abgegeben hat, die Türkei. Laut dem syrischen Regime nahestehenden Medien hat die Türkei einen Waffenstillstand von Russland gefordert, um zwei Kontrollpunkte zu räumen. Zuvor hatten russische und syrische Kräfte bei ihrem Vormarsch nördlich von Hama 17 Ortschaften eingenommen. Gemeint sind der neunte und der zehnte Beobachtungspunkt der Türkei in dem umkämpften Gebiet.

In den vergangenen Tagen sind von diesen Beobachtungspunkten, die von al-Nusra (Hayat Tahrir al-Sham, HTS) als sicheres Gebiet genutzt werden, Raketen auf syrische und russische Kräfte abgeschossen worden. Das syrische Regime hat mit Angriffen auf die Beobachtungspunkte reagiert.

Im Rahmen der Astana-Gespräche zwischen Russland, Iran und der Türkei haben alle drei Länder in der Umgebung von Idlib Kontrollpunkte eingerichtet. Die Türkei verfügt über zwölf Beobachtungspunkte in Idlib, Hama und Latakia.

Rückschlag für syrisches Regime nach Waffenstillstand

Bei der Sitzung des UN-Sicherheitsrats zu Idlib ist eine militärische Großoffensive auf Idlib als die größte Tragödie des 21. Jahrhunderts bezeichnet worden. Auch diese Erklärung hat Einfluss auf die Ausrufung eines Waffenstillstands gehabt. Beide Seiten beschuldigen sich jedoch gegenseitig, den Waffenstillstand nicht einzuhalten. Das syrische Regime und die russischen Kräfte, die zuvor 17 Ortschaften von al-Nusra und ihren Unterstützern eingenommen haben, haben nach der Erklärung des Waffenstillstands schwere Schläge einstecken und Verluste verzeichnen müssen.

Nachschub aus Efrîn nach Idlib

Nach Beginn der Idlib-Operation sind mehrere von der Türkei unterstützte Gruppen aus Efrîn, al-Bab und Dscharablus zur Unterstützung von al-Nusra in die Region verlagert worden. Seitdem sind viele Punkte des syrischen Regimes mit schweren Waffen angegriffen worden.

Auffällig ist, dass unter den in die Region geschickten Gruppen solche wie Ahrar al-Sham, Jabhat al-Sharqiya und Shuheda al-Sharqiya sind, die der Türkei zuvor in Efrîn, al-Bab und Dscharablus Probleme bereitet haben. Diese Entwicklung wird als Maßnahme der Türkei interpretiert, diese häufig in Konflikte mit anderen Milizen verwickelten Gruppen loszuwerden.

Al-Dschaulani beschwert sich über Türkei

In einer kürzlich veröffentlichten Erklärung des Al-Nusra-Anführers Abu Muhammad al-Dschaulani ist die Türkei ohne Nennung ihres Namens kritisiert worden, die anderen Milizen wurden aufgerufen, in Idlib zu kämpfen und neue Fronten gegen das syrische Regime aufzumachen.

Al-Dschaulani bezeichnete die Gespräche von Astana und Sotschi als politischen Betrug und beschwerte sich bei der Türkei. Der Angriff habe gezeigt, dass alle zuvor geschlossenen Abkommen und Gespräche gestorben seien.

Der türkische Faktor

Dass Russland bei der Idlib-Operation besonnen vorgeht, ist nicht nur dem Faktor geschuldet, dass ein Eingreifen Israels und der westlichen Mächte verhindert werden soll. Auch eine Intervention der Türkei soll verhindert werden. Nach vorliegenden Informationen drängt die Türkei darauf, die Kontrolle über Tell Rifat und Şehba im Gegenzug dafür zu bekommen, dass sie die Unterstützung der Milizen einstellt und grünes Licht für eine Idlib-Operation gibt.

IS-Kriegsverbrecher in Nordsyrien gefasst

In der nordsyrischen Stadt Suluk ist den Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) bei einem gemeinsamen Einsatz mit den Koalitionskräften ein hochrangiger IS-Terrorist ins Netz gegangen.

ANF / REDAKTION, 14. Mai 2019.

Wie die Pressestelle der Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) mitteilt, ist in der nordsyrischen Stadt Suluk im Kanton Girê Spî (Tall Abyad) ein hochrangiges Mitglied der Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) gefangengenommen worden. Der Einsatz soll am gestrigen Montag gemeinsam mit Kräften der internationalen Anti-IS-Koalition durchgeführt worden sein. Bei dem Festgenommenen handelt es sich demnach um den Dschihadisten Talal Shaneir, der auch unter dem Namen Abu Hammam bekannt ist. Wie es in der QSD-Stellungnahme heißt, sei Talal Shaneir eine wichtige Kontaktperson der Führungsriege des IS und habe sich Kriegsverbrechen wie Massakern und Erpressungen schuldig gemacht.

„Dieser Einsatz und weitere Operationen werden terroristische Handlungen des IS in anderen Gebieten der Euphrat-Region einschränken. Wir, die Demokratischen Kräfte Syriens, werden in Zusammenarbeit mit allen Teilen der Gesellschaft und den Würdenträgern der Stämme die Sicherheit und Stabilität in unseren Regionen und im Rest Syriens aufrechterhalten“, heißt es in der Erklärung.

YPJ-Kommandantin: Kampf gegen die IS-Zellen

Die YPJ-Kommandantin Ronahi Halep erklärt, dass der Kampf gegen die verdeckten Zellen des IS mit aller Entschiedenheit fortgesetzt wird.

% bANF / DEIR EZ-ZOR, 19. Mai 2019.

Die Operationen der YPG, YPJ und QSD gegen geheim agierende Zellen des sogenannten Islamischen Staates in Nordsyrien dauern an. Die Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) haben in den letzten zwei Tagen bei Operationen mehrere Zellen des IS ausgehoben und dabei auch zahlreiche Waffendepots und Tunnelsysteme der Organisation aufgedeckt. Wir sprachen mit der YPJ-Kommandantin Ronahi Halep über die andauernden Operationen gegen den IS.

„In Baghouz haben wir das Ende IS in Rojava besiegelt“

Die YPJ-Kommandantin äußert sich zu dem militärischen Sieg über den IS in Baghouz und die seitdem andauernden Operationen gegen Schläferzellen der Organisation wie folgt:

„Die Befreiungsoperation von Deir ez-Zor gegen den IS war für uns sehr schwierig, aber auch von großer Wichtigkeit. In der Region haben sich viele IS-Mitglieder aufgehalten, die in Rojava gegen unsere Bevölkerung gekämpft haben. Der IS hat einen sehr schmutzigen Krieg gegen uns geführt. Zudem hat er in der Region von Baghouz ein weites Gelände kontrolliert und zahlreiche Waffen deponiert. Sie haben sozusagen in den letzten Jahren hier eine gute Infrastruktur für sich geschaffen. Sie hatten ihre Existenz in Syrien in Baghouz begründet. Wir haben an diesem Ort das Ende des IS in Rojava besiegelt.

Doch wir können nicht davon sprechen, dass die Befreiungsoperation am Ende angelangt ist. Die Mentalität der Organisation herrscht hier weiter in versteckter Form vor. Wir bekommen mit, wie sich die Mitglieder der Organisation verdeckt halten und unter die Zivilbevölkerung mischen. Einige von ihnen rasieren ihre Bärte ab, schneiden sich die Haare und arbeiten weiter daran, dass die Organisation unter der Bevölkerung erneut Fuß fassen kann. Sie wollen sich gegen die YPG, YPJ und QSD von Neuem organisieren. Doch das wird ihnen nicht gelingen. Ihr Rückgrat ist in Baghouz gebrochen worden. Unsere Kräfte haben dort ihr Ziel erreicht und der Großteil der Bevölkerung hat diesen Sieg und ihre Befreiung vom IS mit großer Freude aufgenommen.

„Bis ein vollständiger Erfolg verkündet werden kann“

Es stimmt aber auch, dass rund ein Drittel der Bevölkerung hier mit dem IS zusammengearbeitet hat. Das war meistens keine freiwillige Zusammenarbeit. Denn der IS wollte mit Gräueltaten und Gewalt die Bevölkerung dazu drängen, so zu werden wie sie. Als dann die Kräfte der QSD, YPG, YPJ Baghouz erreichten, haben die Menschen aufgeatmet.

Doch unser Kampf gegen die Zellen des IS dauert an. Egal, in welcher Weise sie sich zu verstecken versuchen, unser Kampf gegen diese Organisation wird fortgesetzt, bis wir einen vollständigen Erfolg verkünden können. Wir haben am 15. Mai ab 4.30 Uhr Ortszeit eine neue Operation gegen diese Zellen aufgenommen. In Häusern und auf Feldern haben große Waffendepots ausheben können. Unsere Kräfte werden diese Operationen weiterhin fortsetzen.

Gewalttätige Vertreibung aus Dorf in Efrîn

Die türkische Armee vertreibt die kurdischen Bewohner aus dem Dorf Derwîş in Efrîn.

ANF / EFRÎN, 19. Mai 2019.

Aus Derwîş im Bezirk Raco in Efrîn werden die Anwohner gewaltsam von der türkischen Armee vertrieben. Nach vorliegenden Informationen will die Armee einen Militärstützpunkt in dem Dorf errichten.

Die türkische Besatzungsmacht vertreibt seit vergangenem Jahr systematisch die Kurdinnen und Kurden, die trotz der Militärinvasion in dem nordsyrischen Kanton verblieben sind. Ihre zwangsgeräumten Häuser werden Dschihadistenfamilien aus Ghouta, Hama, Latakia und Idlib überlassen.