Botschaft nach Kobanê von Ken Loach: Ihr seid inspirierend

In Kobanê hat am Dienstag das 1. Internationale Filmfestival begonnen. Auf der Eröffnung wurde eine Grußbotschaft des britischen Regisseurs und bekennenden Sozialisten Ken Loach verlesen.

ANF / KOBANÊ, 14. Nov. 2018.

In der nordsyrischen Stadt Kobanê hat am Dienstag das 1. Internationale Filmfestival Kobanê (KIFF) begonnen. An der Eröffnung im Kunst- und Kulturzentrum Baqî Xido nahmen zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der demokratisch-autonomen Selbstverwaltung, Regisseur*innen, Schauspieler*innen und Musikschaffende aus verschiedenen Ländern teil. Das von der Filmkommune Rojava (Komîna Fîlm a Rojava) ausgerichtete Festival wurde mit einer Grußbotschaft des linken britischen Regisseurs Ken Loach eröffnet.

In seiner Grußbotschaft erklärte der Macher von weltberühmten sozialkritischen und revolutionären Filmen wie „Land and Freedom“ über den spanischen Bürgerkrieg oder „The Wind That Shakes the Barley“ über den irischen Freiheitskampf: „Ich schicke Euch meine wärmsten Grüße und gratuliere Euch herzlich zu Eurem neuen Festival. Euer Werk, mit der Kraft des Kinos Menschen zusammenzubringen, im Angesicht der unaussprechlichen Grausamkeiten, die Ihr erlitten habt, ist wahrhaft inspirierend. Eure politischen Errungenschaften werden überall auf der Welt respektiert und es gibt viele, die Euch in ihren Herzen unterstützen, obwohl Ihr vielleicht niemals von ihnen erfahren werdet. Ich wünsche Euch viel Glück für das Festival dieses Jahr und ich bin sicher, dass es von Jahr zu Jahr stärker werden wird. In Freundschaft und Solidarität.“

80 Filme werden gezeigt

Mehr als 400 Einsendungen wurden für das 1. Internationale Filmfestival Kobanê eingereicht. Auf dem Festival in Gedenken an die Opfer des Kinobrandes von Amûdê werden 80 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme aus dem internationalen und kurdischen Kino gezeigt, die auch in Serêkaniyê, Amûdê, Qamişlo und Dêrik vorgeführt werden.

Frauenbildungsakademie in Aleppo eröffnet

Im Viertel Şêx Meqsûd in Aleppo wurde die Star-Akademie für Wissen und freies Denken eröffnet. Es handelt sich um die erste solche Akademie in Aleppo.

ANF / ALEPPO, 11. Nov. 2018.

Im Stadtviertel Şêx Meqsûd von Aleppo wurde vom Dachverband der Frauenorganisationen in Rojava, Kongreya Star, die erste Frauenbildungsakademie eröffnet. Zur Eröffnung der im Westen des Viertels gelegenen Akademie kamen Dutzende Frauen zusammen.

Nach einer Schweigeminute hielten zwei Aktivistinnen aus der Leitung von Kongreya Star, Heyfa Hesen und Delal Keno, Reden. Sie wiesen in ihren Ansprachen auf die Bedeutung der Frauenorganisierung und -bildung hin und riefen die Frauen auf, die Bildungsprogramme der Akademie zu nutzen.

Die Akademie wurde anschließen von Familien der Gefallenen eröffnet.

Aufbau der Frauenökonomie in Şêx Meqsûd

Der Dachverband der kurdischen Frauenbewegung Kongreya Star in Aleppo trägt mit der Entwicklung kleiner Frauenprojekte zum Aufbau einer autonomen Frauenökonomie bei. Im Moment bereitet die Bewegung eine Reihe neuer Projekte vor.

ANF / ALEPPO, 9. Nov. 2018.

Der Dachverband der kurdischen Frauenbewegung Kongreya Star in Aleppo hat bereits einige Projekte der im Rahmen der zweiten Gesamtkonferenz vom Juni getroffenen Entscheidungen zur Entwicklung der Frauenökonomie im Stadtviertel Şêx Meqsûd in Aleppo umgesetzt. Zunächst geht es um Grundfragen wie Rohmaterialien, Qualifikation der Arbeiterinnen und Handel.

In diesem Zusammenhang wurde eine Produktionsstätte für Reinigungsmittel mit dem Namen Kulîlka Çiya (Bergblume) gegründet, in der drei Frauen Reinigungsmittel produzieren und auf dem Markt des Viertels verkaufen.

Eine der Arbeiterinnen, Nêmîn Zênel, berichtet gegenüber der Nachrichtenagentur ANHA, wie sie vor wenigen Tagen den Laden eröffnet haben und für das Stadtviertel Reinigungsmittel produzieren. Außerdem verkaufen sie ihre Produkte an ein Depot für getrocknete Lebensmittel im Viertel und viele Lokale in der Stadt.

Ein weiteres Projekt ist eine Bäckerei, die von acht Frauen betrieben wird und in der die berühmten Süßigkeiten Syriens produziert werden. Die Mitarbeiterin Orîvan Mihemed sagt, dass sie aufgrund ihrer Tätigkeit nun zur Ökonomie zu Hause beitragen können und betont: „Wir wollen, dass sich solche Projekte entwickeln und verbreiten. Das wäre ein großer Gewinn für das gesamte Stadtviertel.“

Das Ökonomiekomitee von Kongreya Star arbeitet ebenfalls daran, diese kooperativen Projekte auszuweiten. ANHA sprach dazu mit Nehla Mistefa aus der Leitung von Kongreya Star. Sie wies darauf hin, dass auf der Konferenz insbesondere zur Frauenökonomie eine Serie von Entscheidungen getroffen worden ist.

„Die Frauen von Şêx Meqsûd haben aufgrund des Kriegs große Schwierigkeiten erlebt. Sie haben insbesondere im ökonomischen Bereich viele Probleme. Aber durch die heute entwickelten Projekte versuchen sie, ihre eigene Ökonomie zu entwickeln“, erklärt Nehla Mistefa. Sie kündigte die Eröffnung weiterer Projekte in den nächsten Tagen auch im Viertel Eşrefiyê an.

Şengal: „Wille der Eziden soll respektiert werden“

Organisationen in Şengal haben ein weiteres Mal gegen den früher von der PDK kontrollierten Şengal-Rat und den ehemaligen Landrat protestiert und Forderungen gegenüber dem Irak erhoben.

ANF / ŞENGAL, 9. Nov. 2018.

An der vom Demokratisch-Autonomen Rat von Şengal organisierten Demonstration gegen die Einsetzung der alten PDK-Verwaltung haben heute viele Mitglieder der ezidischen Organisationen in der Şengal-Region teilgenommen. Angeführt wurde die Demonstration von einer Delegation der Şengal-Allianz und begann vor dem Gebäude des Volksrats von Sinune. Die Teilnehmer*innen, viele von ihnen Überlebende des Genozids an der ezidischen Bevölkerung vor vier Jahren, der erst durch den fluchtartigen Rückzug der PDK-Peschmerga möglich geworden war, riefen: „Es lebe Êzîdxan, Tod dem Verrat.“ Die Demonstration zog durch die Hauptstraßen von Sinune, wo sie in einer Kundgebung endete.


Dort wurde auch eine Erklärung vorgetragen, in der es unter anderem hieß: „Alle wissen es; die Völker in Şengal haben weder administrative, noch politische Rechte bezüglich ihrer eigenen Versorgung. Und alle wissen ebenso, dass das ezidische Volk 73 Massenmorde überlebt hat. Wir schützen die Menschenrechte und kämpfen für eben diese. Wir kämpfen dafür, dass diejenigen, die für die Entführung und Ermordung von vielen Ezid*innen verantwortlich sind, vor Gericht gestellt werden.“

Forderungen

In der Erklärung wurden folgende Forderungen an die irakische Regierung und die verantwortlichen Personen gerichtet:

„Wir sagen nein zur Rückkehr der alten Şengal-Verwaltung, die durch Barzanîs Şengal-Politik den 73. Massenmord verursachte.

Als Menschen von Şengal wollen wir uns selbst verwalten. Wir akzeptieren nicht, dass andere unser Volk vertreten.

Wir richten uns an die föderale Regierung und an die Menschenrechtsinstitutionen: Die Menschen von Şengal sollen am Şengal-Rat teilnehmen können.

Wir appellieren an die Menschenrechtsorganisationen und die verantwortlichen Stellen. Die politischen Pläne für Şengal müssen sofort fallengelassen und dem Willen der ezidischen Bevölkerung Respekt gezollt werden.“

25. November: Frauen gehen in Raqqa erstmalig auf die Straße

Nach der Befreiung von der Terrorherrschaft des IS gehen Frauen erstmalig am internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen auf die Straße.

ANF / RAQQA, 8. Nov. 2018.

Der 25. November wird weltweit als Kampftag gegen Gewalt an Frauen begangen. In der syrischen Stadt Raqqa, die vor gut einem Jahr von der Terrorherrschaft des sogenannten Islamischen Staat (IS) befreit wurde, finden erstmalig Veranstaltungen zum Thema Gewalt gegen Frauen statt. Die Frauen aus Raqqa, für die während der IS-Zeit eine schwarze Ganzkörperbedeckung Vorschrift war, haben sich nach der Befreiung durch die Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) organisiert und die ihnen auferlegten Grenzen eingerissen.

Zeliha Abdi ist Mitglied der neu entstandenen Frauenbewegung in Raqqa. Sie kündigt für den bevorstehenden 25. November zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen an. Neben Podiumsdiskussionen und Seminaren ist auch das geballte Verteilen von Flugblättern in der Stadt geplant. Hauptprogrammpunkt zum Tag gegen Gewalt an Frauen ist eine zentrale Demonstration. „Frauen haben unter den Dschihadisten sehr gelitten. Wir setzen jetzt auf den Aufbau einer demokratischen Gesellschaft, deren zentraler Bestandteil die Freiheit von Frauen ist“, sagt Zeliha Abdi.

Ezidischer Verein in Şehba neueröffnet

Der Ezidische Verein ist nach der Vertreibung aus Efrîn im nordsyrischen Kanton Şehba wiedereröffnet worden.

ANF / ŞEHBA, 8. Nov. 2018.

In Efrîn lebten vor der Besatzung durch den türkischen Staat Tausende Ezidinnen und Eziden. Hauptsiedlungsorte waren neben der Kreisstadt Cindirês die Dörfer Qestel Cindo, Baflîn, Qetmê, Sînka, Kefercenê, Qîbar, Tirindê, Burcebdalo, Burcheyder, Basûfan, Beîya und Aska. In ganz Efrîn befanden sich ezidische heilige Stätten.

Für die Eziden in Efrîn war auch unter dem Baath-Regime keine freie Religionsausübung möglich. Erst mit dem Beginn der Revolution von Rojava konnten sie ihre Religion und Kultur frei ausleben.

Bei der türkisch-dschihadistischen Militärinvasion in Efrîn wurden die ezidischen Siedlungsgebiete brutal angegriffen. Heiligtümer wurden zerstört und geplündert. Hunderte ezidische Menschen wurden durch die Besatzungstruppen verschleppt, viele gelten weiterhin als vermisst. Nach der Besatzung wurde eine Zwangsislamisierung eingeführt und ezidische Kinder zum Koran-Unterricht gezwungen.

Viele Menschen aus Efrîn haben sich nach der Besatzung im benachbarten Kanton Şehba niedergelassen. In der Kreisstadt Til Rifat (Arfêd) ist jetzt der Ezidische Verein neu gegründet wurden. Der Verein fördert mit seinen Aktivitäten die ezidische Kultur. Gleichzeitig wird durch den Verein Unterstützung für die aus Efrîn vertriebenen ezidischen Familien geleistet. Zentrales Ziel ist die Rückkehr nach Efrîn, daher werden im Ezidischen Verein auch Vorschläge für die Befreiung Efrîns von der Besatzung diskutiert.

Gegenüber der Nachrichtenagentur ANHA erklärte Fula Şakiro als Mitglied des neugegründeten Vereins: „Der Aufbau eines neuen Zentrums soll dazu dienen, die Pläne der türkischen Besatzer ins Leere laufen zu lassen. Das ezidische Volk soll ausgelöscht werden, deshalb sind wir aus unserer Heimat vertrieben und unsere Heiligtümer zerstört worden. Der ezidische Glaube wird von den Besatzern diskreditiert. Unser neu eröffneter Verein steht für die Verbundenheit der Eziden mit ihrem Glauben und ihrer Kultur.“

Hami: UNO muss Verantwortung für Rückkehr nach Efrîn übernehmen

Jamila Hami, Nordsyrienverantwortliche der Hilfsorganisation Heyva Sor a Kurdistan, richtete einen Appell an die internationalen Mächte und die UN, ein Programm zur Schaffung einer Grundlage für eine sichere Rückkehr der Menschen nach Efrîn zu entwickeln.

ANF | SERKAN DEMIREL / GENF, 6. Nov. 2018.

Die Ärztin und Ko-Vorsitzende der Hilfsorganisation Heyva Sor a Kurdistan in Nordsyrien, Jamila Hami, hat für ANF die Politik der Vereinten Nationen (UN), der internationalen Hilfsorganisationen und der internationalen Mächte gegenüber den Binnenflüchtlingen in Rojava bewertet. Hami weist zunächst auf die 13 Flüchtlingslager in Nordsyrien hin und kritisiert, dass die UN und insbesondere die internationalen Hilfsorganisationen in diesen Camps keinerlei ernsthafte Hilfe leisten. Mit der Hilfe für die Geflüchteten werde die Organisation Heyva Sor a Kurdistan (Kurdischer Roter Halbmond) und die autonome Selbstverwaltung alleingelassen: „Warum ignorieren die Vereinten Nationen den Fakt, dass in der Demokratischen Föderation Nordsyrien Flüchtlinge leben, während sie an vielen anderen Orten Syriens Hilfsprogramme für Flüchtlinge auflegen?“, fragt sie.

Probleme in den Camps sind massiv

Die Bevölkerung sei mit massiven Problemen konfrontiert, berichtet Jamila Hami über die Situation in den Camps. „Es bestehen ernsthafte Schwierigkeiten im gesundheitlichen Bereich. Menschen, die eine medizinische Behandlung benötigen, können weder nach Efrîn gehen, noch in die Gebiete, die unter der Kontrolle des Regimes stehen. Diejenigen, die nach Efrîn gehen, werden von türkeitreuen Söldnern gefoltert. Andere, die auf Hilfe in Gebieten unter Regimekontrolle hoffen, müssen wochenlang auf eine Erlaubnis warten. Diese Lage verdoppelt das Leid der Menschen“.

Mit kurzfristigen Programmen ist das Problem nicht zu lösen

Es gebe verschiedene Einrichtungen, die der Bevölkerung in Şehba zwar kurzfristige Hilfe anbieten. Hami betont jedoch, dass vorübergehende Hilfe keine Lösung für das Leid der Menschen darstellt und erklärt: „Das Land der Menschen und ihre Häuser wurden vor den Augen der ganzen Welt besetzt. Einige konnten fliehen und sich retten, aber Hunderte Menschen, unter ihnen Frauen und Kinder, wurden umgebracht. Diejenigen, die währenddessen schwiegen, helfen jetzt auch nicht dabei, dass die Vertriebenen sicher nach Hause zurückkehren können.“

UN und internationale Kräfte müssen ihre Rolle spielen

Hami kritisiert vor allem die Vereinten Nationen. Trotz Dutzender Aufrufe seien Forderungen der Bevölkerung bis heute nicht erwidert worden. Das Hauptproblem sei nicht die Versorgung der Menschen mit humanitärer Hilfe: „Nicht einmal das tun sie. Das Hautproblem ist die Schaffung eines Programms, das eine rechtliche Grundlage für die sichere Rückkehr der Vertriebenen nach Hause schafft. Solch eine Situation würde bewirken, dass unsere Menschen nach Hause und in ihr Land zurückkehren. Auf diese Weise würde ihr Leid – und wenn es auch nur ein wenig ist – gelindert.“

Politik der UN ist nicht unabhängig

Die Syrienpolitik der UN habe sowohl politisch als auch humanitär nicht unabhängig von den kriegführenden Parteien agiert, sagt Hami. Mit ihrer Haltung zum Syrien-Krieg seien die Vereinten Nationen in jeder Beziehung durchgefallen. Das beste Beispiel dafür haben man in Efrîn gesehen: „Es gibt in vielen Gebieten von Rojava Flüchtlingscamps, die sich allein aufgrund unserer Unterstützung auf den Beinen halten können. Bis heute hat es für die Menschen dort keinerlei ernsthafte internationale Hilfe gegeben. Die UN unterstützen Ankara hinsichtlich der Flüchtlinge in der Türkei, verschließen jedoch Augen und Ohren, wenn es um die Situation der Schutzsuchenden in Rojava geht. Rojava ist von allen Seiten umzingelt und steht unter einem Embargo. In einer solchen Situation ist es für uns nicht einfach, dort Hilfe zu leisten, wo es nötig ist. Diese Realität muss man anerkennen. Wenn man Hilfe leisten möchte, dann sollte dies auch über uns laufen.“

Mörderische Politik der Türkei wird unterstützt

An der türkischen Grenze sind bisher Hunderte Flüchtlinge aus Syrien gestorben. Bisher gebe es darauf keinerlei ernsthafter Reaktionen, so Hami. „Es ist bedauerlich. Die UN und die internationale Staatengemeinschaft schweigen und unterstützen damit die mörderische Politik der Türkei.“

Für Rückkehr der Familien von IS-Mitgliedern muss gesorgt werden

In Nordsyrien gibt es auch Lager, in denen sich Familien von Mitgliedern der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) und anderer dschihadistischer Gruppierungen befinden. In den Gefängnissen Rojavas sitzen rund 800 Islamisten aus 46 Ländern in Haft, deren Herkunftsstaaten sich einer Rückführung verweigern. Dazu berichtet Hami: „Wir haben die Familien der Dschihadisten ohne jeden Unterschied mit Hilfe versorgt. Unsere Appelle zu diesem Thema müssen ernstgenommen und diese Menschen von ihren Herkunftsländern zurückgenommen werden. In Nordsyrien können Dschihadisten nicht vor Gericht gestellt werden“.

Als Ärztin bei der Guerilla

Silav Newal ist als Jugendliche in die Berge gegangen und hat dort gelernt, Verletzten erste Hilfe zu leisten. Jetzt ist sie Guerillaärztin in Botan.

JIYAN AMARGî / ŞIRNAX, 4. Nov. 2018.

Seit Jahrzehnten führt die PKK-Guerilla einen ununterbrochenen Kampf gegen den türkischen Staat. Dieser Kampf wird ständig weiterentwickelt und hat verschiedene Dimensionen.

Silav Newal ist Mitglied der Frauenguerilla YJA-Star und hat sich in den Bergen im Gesundheitsbereich ausbilden lassen. Jetzt ist sie Ärztin in den Bergen Botans und behandelt ihre kranken oder verletzten Weggefährtinnen.

Silav Newal ist in der kurdischen Widerstandshochburg Amed zur Welt gekommen. Wie sie zur Guerilla kam, erzählt sie mit folgenden Worten: „Ich wurde 1994 in Amed geboren. 2010 habe ich mich der Guerilla angeschlossen. Als ich noch klein war, lebte meine Familie im Dorf. Damals kamen Guerillakämpfer zu uns nach Hause. Sie haben mein Interesse an der Guerilla geweckt. Vor allem Heval Numan, der damals Gebietskommandant von Amed war, hat mich sehr beeindruckt.“

Die Guerilla als einziger Ausweg für Frauen

Für Frauen gebe es innerhalb des Systems nicht die Möglichkeit, ein freies und sinnvolles Leben zu leben, erklärt die Guerillakämpferin: „Frauen werden innerhalb des Systems nicht akzeptiert, daher ist die Guerilla der einzige Ausweg für Frauen. Die Menschen in Amed sind für ihren Patriotismus bekannt. Es besteht vielleicht kein großes Bewusstsein über die historischen Hintergründe, aber die staatliche Verleugnungs- und Vernichtungspolitik der Gegenwart löst große Wut aus. Wenn du die Realität siehst, stellst du fest, dass das Leben innerhalb des Systems unerträglich und sinnlos ist. Als ich Heval Numan das erste Mal sah, war ich zwar noch ein Kind, aber was er über den Vorsitzenden und die Werte der Partei erzählte, beeindruckte mich trotzdem sehr.“

Bei der Guerilla geht es nicht nur um Waffen

Silav ging als Jugendliche in die Berge: „Bei der Guerilla fielen mir als erstes die Lebensweise und die genossenschaftlichen Beziehungen untereinander auf. Vor allem beeindruckten mich die Frauen, die mit der Waffe in der Hand in den Bergen für Freiheit kämpften. Ich begriff, dass die Beziehungen der Menschen zueinander innerhalb des Systems nicht aufrichtig waren. Die Guerilla steht für eine ganz neue Identität, für ein neues System und für Freiheit. Von außen betrachtet sieht es so aus, als ob die Guerilla bloß bewaffnet kämpft, aber es ist viel mehr. Es geht um Bewusstsein und das Wissen über alle Einzelheiten des Lebens. Wissen ist eine Notwendigkeit, die Bedingungen erfordern es. Die Guerilla muss auf alles vorbereitet sein und sich immer weiterentwickeln.“

„Wir leben im Krieg“

Wie sie dazu kam, sich im Gesundheitsbereich weiterzuentwickeln, erklärt Silav mit folgenden Worten: „Zunächst wollte ich mit dieser Arbeit nichts zu tun haben. Ich dachte mir, dass ich in dieser Bewegung alles lernen kann, nur Medizinerin wollte ich nicht werden, das erschien mir zu schwierig. In der Offensive in Elkê im Jahr 2015 habe ich dann miterlebt, dass Freundinnen und Freunde verletzt wurden und es niemanden gab, der erste Hilfe leisten konnte. Weil niemand sie behandeln konnte, sind sie gefallen. Das hat mich sehr betroffen gemacht. Zu der Zeit habe ich begriffen, dass es bei der Guerilla nicht ausreicht, sich nur mit Waffen auszukennen. Wir leben im Krieg, es kommt immer zu Verletzungen, daher ist die Medizin wichtig und sinnvoll.“

„Ich habe meine Angst verloren“

Silav begann, sich theoretisches Wissen über die medizinische Behandlung Verletzter anzueignen. Dann gab es weitere Verletzte und sie musste sich in der Praxis beweisen. „Es macht mich glücklich, wenn ich sehe, dass sich der Gesundheitszustand der Verletzten bessert, wenn ich sie behandelt habe. Bei uns geht es nicht nur um eine körperliche Behandlung, auch die Psyche spielt eine große Rolle. Wir fühlen den Schmerz der Betroffenen mit und es ist, als ob wir selbst verletzt seien. Die moralische Unterstützung ist bei der ersten Hilfe von großer Bedeutung. Ich habe meine Angst verloren.“

Abordnung aus Mossul besucht Autonomierat Şengal

Eine Abordnung aus Mossul hat den Autonomierat in Şengal besucht. Bei dem Treffen ging es um gemeinsame Pläne für den Wiederaufbau der Infrastruktur und Lebensgrundlagen in Şengal.

ANF / ŞENGAL, 4. Nov. 2018.

Eine Abordnung aus der irakisch-kurdischen Stadt Mossul hat am heutigen Sonntag den Demokratischen Autonomierat Şengal besucht. Die Abordnung bestand aus dem stellvertretenden Bürgermeister von Mossul, Mihemed Qasim, dem Leiter des Dezernats für den öffentlichen Dienst und aus Vertretern vom Wirtschafts- sowie Planungsausschuss. Die Delegation wurde von Repräsentant*innen des Autonomierats, darunter auch Qehtan Elî, in Xanesor empfangen.

Mihemed Qasim gab zu dem Treffen an, man habe Gespräche über den Wiederaufbau der Infrastruktur und Lebensgrundlagen in Şengal geführt, insbesondere in Sinune und den Dörfern in der Region.

Mit dem Sieg über den sogenannten Islamischen Staat waren die Häuser der Zivilbevölkerung und die öffentliche Infrastruktur massiv beschädigt worden. Auch viele Transportwege sowie Wasser- und Sanitäreinrichtungen, die ohnehin in einem schlechten Wartungszustand waren, wurden durch den Konflikt endgültig zerstört.

Nach Angaben von Qehtan Elî seien weitere Treffen und Gespräche für gemeinsame Projekte geplant. Zunächst werde man allerdings Gespräche mit der Bevölkerung führen, denen auch die Abordnung aus Mossul beiwohnen werde. In erster Linie gehe es um die Wünsche der Bevölkerung, denen entsprochen werden müsse, so Elî.