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Analyse: Allianz der Kurden setzt Ankara unter Druck

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Der Mittelostexperte Mustafa Peköz sagt, dass eine Allianz des Kurdischen Nationalrats ENKS mit der Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien das Potential hat, die Türkei auf einen neuen Weg zu zwingen. 
ANF / REDAKTION, 5. Juli 2020.
Bisher war der Kurdische Nationalrat (ENKS) eines der wichtigsten Standbeine des türkischen Imperialismus in der kurdischen Region in Nord- und Ostsyrien. Der ENKS spielte als „kurdische Organisation“ eine wichtige Rolle bei der türkischen Diffamierungskampagne gegen die nordostsyrische Autonomieverwaltung und dem ENKS nahestehende Milizen beteiligten sich gemeinsam mit protürkischen Dschihadisten an Angriffen auf Ortschaften und Strukturen in der Region. Mittlerweile scheinen sich jedoch immer mehr ENKS-Mitglieder von der Türkei abzuwenden und sich an Gesprächen über eine kurdische Einheit mit den anderen Parteien Nord- und Ostsyriens zu beteiligen. Unter der Teilnahme von 25 Parteien und Organisationen ist der Zusammenschlus…

Qamişlo: Kollektive Produktion als Ausweg aus der Krise

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Die ökonomische Krise in Syrien wird durch die Verschärfung der US-Sanktionen verschärft. In den selbstverwalteten Gebieten in Nordsyrien versuchen die Menschen mit kollektiver Produktion dagegenzuhalten. 
ANF / QAMIŞLO, 3. Juli 2020.
Der Aufbau kollektiver Produktionsstrukturen entwickelte sich während der Revolution in Rojava zusammen mit den wirtschaftsdemokratischen Ansätzen der Verbindung von Basisrat und Kooperative. Die selbstverwalteten Gebiete in Nord- und Ostsyrien haben mithilfe ihrer Kooperativen trotz Krieg und Embargo hunderttausende Flüchtlinge neben der eigenen Bevölkerung versorgen können. Mit der Verschärfung der ökonomischen Krise in Syrien entwickeln die Menschen der Region die kollektive Produktion weiter. In den Städten dient alles als landwirtschaftliche Fläche. So ist es nicht verwunderlich, anstatt Blumen Salatköpfe in Parks oder vor Verwaltungsgebäuden zu sehen.
Eine dieser Kooperativen legte Rami al-Nayif (38) in seinem Garten in…

Urban Gardening in Qamişlo

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Eine Gruppe von Menschen hat in Qamişlo eine Müllabladefläche gesäubert und in einen Garten umgewandelt. 
ANF / REDAKTION, 25. Mai 2020.
Die Menschen in Rojava und Nordsyrien greifen zu einfallsreichen Methoden, um die landwirtschaftliche Produktion auszuweiten. Durch die massiven Angriffe der türkischen Armee und ihrer Söldner auf die Landwirtschaft ist die Produktion auf Feldern außerhalb der Städte bedroht.

Die Menschen versuchen daher, auf allen möglichen Flächen Gemüse zu produzieren. Während es in Rojava zur Normalität gehört, dass in Parks Gemüse und Obst angebaut wird, werden nun auch weitere ungenutzte Bereiche in Gärten und Felder umgewandelt.

In Qamişlo fanden sich Menschen zusammen, die eine vermüllte Fläche säuberten und einen Garten anlegten. Sie betreiben das neu angelegte Feld gemeinsam und versorgen mit den Produkten sich selbst und ihre Nachbar*innen. Hisên Mihemed Salih von dem Projekt erklärt: „Vor zwei Monaten haben wir dieses Projekt …

Selbstorganisierung im Werkstattviertel von Qamişlo

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Die Revolution von Rojava ist überall in den selbstverwalteten Gebieten in Nord- und Ostsyrien zu spüren. Die gesellschaftliche Veränderung hat auch das Werkstattviertel von Qamişlo erreicht. 
NESRİN DENİZ / QAMIŞLO, 1. Juli 2020.
Im ältesten Werkstattzentrum im Cizîr-Viertel in Qamişlo befinden sich etwa 1000 Arbeitsplätze. Das ganze Werkstattgebiet wird basisdemokratisch von den kurdischen, armenischen, aramäischen, assyrischen und arabischen Handwerkern selbst verwaltet. Die Arbeiterinnen und Arbeiter in den Werkstätten bauten während der Revolution gemeinsam den Werkstatt- und Industrierat von Qamişlo auf. In ihm sind alle Identitäten vertreten. In der Koordination des Rates befinden sich acht Personen. Jede Person vertritt einen Arbeitsbereich. Probleme werden gemeinsam gelöst.
Das Werkstattviertel, das über eine große Arbeitskapazität verfügt, ist mit etlichen Herausforderungen konfrontiert. Es werden dort beispielsweise Fahrzeuge aus ganz Nordostsyr…

HDP beharrt auf genderparitätischer Doppelspitze

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Das Prinzip der genderparitätischen Doppelspitze wird in Terrorprozessen gegen HDP-Politiker*innen als Beweismittel herangezogen. Aktuell befinden sich neun Bürgermeisterinnen der HDP in türkischen Gefängnissen. 
ANF / AMED, 24. Juni 2020.
Der Frauenrat der Demokratischen Partei der Völker (HDP) hat in Amed ein Dossier zur genderparitätischen Doppelspitze vorgestellt. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Kampagne „Der Frauenkampf ist überall“ statt.
Zur Einleitung wurde ein Brief der ehemaligen Oberbürgermeisterin von Amed, Gülten Kişanak, vorgelesen. Die HDP-Politikerin befindet sich seit 2016 im Gefängnis von Kandira. Im Anschluss stellte Ayşe Acar Başaran als Sprecherin des Frauenrats das Dossier vor und erklärte: „Das System der Doppelspitze ist die größte Angst der Regierung. Wir werden das Recht auf gleichberechtigte Vertretung und Partizipation nicht aufgeben.“
Das System der Doppelspitze gilt in allen Gremien der HDP und wird in Terrorismusverfah…

Raqqa: 5.900 Leichen aus Massengräbern geborgen

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Die Notfallinterventionsteams des Zivilrats von Raqqa haben die Bergungsarbeiten von Leichen aus 25 vom IS angelegten Massengräbern abgeschlossen. Dabei wurden die sterblichen Überreste von 5.900 Menschen exhumiert. 
ANF / RAQQA, 24. Juni 2020.
Die Notfallinterventionsteams der Stadtverwaltung von Raqqa haben ihre Bergungsarbeiten von Leichen aus 25 Massengräbern, in denen der „Islamische Staat” (IS) vor allem ermordete Zivilist*innen verscharrt hatte, abgeschlossen. Mit den zuletzt in Tell Zeidan geborgenen 175 Leichen wurden damit 5.900 Tote geborgen. Allerdings wurden bereits neue Massengräber bei Hazaima und Hiqumiya sowie bei al-Mahmoudli in der Nähe von Tabqa entdeckt.
Der für die Bergungsarbeiten verantwortliche Yasser al-Khamis berichtet, dass die Arbeit sehr langsam voranginge, da der IS die Leichen in den Massengräbern übereinandergestapelt habe und daher die Zuordnung der Gebeine schwierig sei. Die Notfallinterventionsteams versuchen, die Identi…

Tausende protestieren in Kobanê gegen Ermordung dreier Feministinnen durch türkische Drohnen

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Tausende Menschen haben in Kobanê gegen den türkischen Drohnenangriff protestiert, bei dem am Dienstag drei Aktivistinnen der Frauenbewegung gezielt ermordet worden sind. 
ANF / KOBANÊ, 24. Juni 2020.
In Kobanê haben Zehntausende Menschen gegen den türkischen Staat protestiert und den drei Aktivistinnen gedacht, die am Dienstag im Dorf Helincê von einer Killerdrohne ermordet worden sind. Auf der Demonstration vom „Platz der freien Frau“ zum Şehîd-Egîd-Platz wurden Fotos von Zehra Berkel, Hebûn Mele Xelîl und Amina Waysî mitgeführt. Alle drei Frauen waren in der Frauenbewegung Kongreya Star aktiv, der türkische Luftschlag wurde auf der Demonstration als „gezielter Angriff auf die Frauenrevolution von Rojava“ bewertet.
Rewşen Haçim von der Frauenbewegung der Euphrat-Region wies in einer Rede darauf hin, dass der tödliche Drohnenangriff zeitgleich zum Jahrestag des IS-Massakers in Kobanê im Jahr 2015 stattgefunden hat. Vor fünf Jahren, am 25. Juni 2015, drange…