Idlib: Nirgends in Syrien ist die Lage komplizierter

3. August 2018 von Adopt a Revolution

Steht in Idlib die nächste große Schlacht des syrischen Krieges bevor? Die Lage vor Ort ist schon jetzt katastrophal.

Vielleicht steht Syrien die verheerendste Schlacht des ganzen Krieges noch bevor. „Der Zeitpunkt unseres Sieges ist nah“, schrieb Bashar al-Assad jüngst in einem Brief. Die bisherigen Verluste der Rebellen hätten ihnen einen „Vorgeschmack ihrer bitteren Niederlage“ gegeben. Doch dafür müssten erst die nordwestliche Provinz Idlib und der Westen der Provinz Aleppo erobert werden. Während der russische Syrien-Gesandte Alexander Lawrentiew erst vor wenigen Tagen erklärt hatte, dass eine Offensive „derzeit nicht in Frage kommt“ und man weiterhin auf die türkischen Bemühungen setze, Idlib zu stabilisieren, zieht die syrische Armee bereits Truppen zusammen. In Sotschi hatten sich die jüngsten Verhandlungen zwischen dem Iran, der Türkei und Russland vor allem um Idlib gedreht – wenig ist jedoch über deren Details bekannt. „Idlib: Nirgends in Syrien ist die Lage komplizierter“ weiterlesen

Zur Geschichte des Ezidentums

Der 74. Massenmord an Ezid*innen in Şengal, der sich am heutigen 3. August zum vierten Mal jährt, ist das letzte große Schreckensereignis in einer über tausendjährigen Verfolgungsgeschichte.

KASIM ENGİN / ANF – REDAKTION, 3. August 2018.

Die Geschichte des Ezidentums ist eine Geschichte der Massaker und Vertreibungen. Şêx Adî hat das Ezidentum im 12. Jahrhundert im Libanon zum ersten Mal in Form einer Religion formuliert und reformiert. „Zur Geschichte des Ezidentums“ weiterlesen

Rojava: Autonome Landwirtschaft senkt Lebensmittelpreise

In der Stadt Tirbespîyê im Kanton Qamişlo konnten durch die Produktion des eigenen Bedarfs vor Ort die Lebensmittelpreise deutlich gesenkt werden.

ANF / QAMIŞLO, 3. August 2018.

Die Bevölkerung von Tirbespîyê im Kanton Qamişlo hat erfolgreich damit begonnen, den eigenen Lebensmittelbedarf zu decken. Die Bevölkerung hat 828 Hektar landwirtschaftliche Fläche mit Gemüse bepflanzt, während gleichzeitig Granatapfel-, Aprikosen- und Olivenbäume sowie Weinreben gepflanzt wurden. Zuvor war in der Region auf Anweisung der syrischen Regierung ausschließlich Weizen angebaut worden. Fast alle Lebensmittel mussten in die Region importiert werden. „Rojava: Autonome Landwirtschaft senkt Lebensmittelpreise“ weiterlesen

Vier Jahre nach dem Massaker – Eziden nicht mehr wehrlos

Heute vor vier Jahren begann vor den Augen der Weltöffentlichkeit das Massaker von Şengal. Der IS ermordete Tausende Ezid*innen. Nach dem Angriff auf Şengal gründete die Bevölkerung die Verteidigungseinheiten YBŞ und YJŞ.

ROJDA DEMİRKIRAN / REDAKTION, 3. August 2018.

Vier Jahre sind seit dem Angriff des Islamischen Staat (IS) auf Şengal am 3. August 2014 vergangen. Die Ezid*innen bezeichnen diesen Angriff als 74. Ferman – Vernichtung. Sie waren den Mördern weitestgehend schutzlos ausgeliefert, da die Peschmerga der PDK bereits beim Anrücken des IS Şengal fluchtartig verließen. „Vier Jahre nach dem Massaker – Eziden nicht mehr wehrlos“ weiterlesen

Bevölkerung Efrîns hält an Kommunensystem fest

Die nach Şehba exilierte Bevölkerung von Efrîn baut ihr Kommunalsystem erneut auf und ergreift Maßnahmen zu Selbstverteidigung.

ANF / ŞEHBA, 1. Aug. 2018.

Mit dem Beginn der Revolution von Rojava hatten die Menschen in Efrîn die Selbstorganisierung als Kommunen zur Grundlage ihrer Organisierung gemacht. Diese Organisierungsform spielte eine tragende Rolle bei der Überwindung der mit der seit 2014 bestehenden Blockade verbunden Schwierigkeiten und dem Widerstand gegen die Invasion der türkischen Armee und ihrer Milizen. „Bevölkerung Efrîns hält an Kommunensystem fest“ weiterlesen

Nordsyrien: Keine russischen Ersatzteile, kein Euphrat-Wasser

Der Tişrîn-Staudamm am Euphrat ist reparaturbedürftig, es fehlen jedoch Ersatzteile. Die Türkei hält das Wasser zurück.

ANF / REDAKTION, 2. Aug. 2018.

Der Tişrîn-Staudamm am Euphrat, etwa 90 Kilometer östlich von Aleppo, wurde 1999 fertiggestellt. Der Damm ist 40 Meter hoch. Er wurde von russischen Firmen erbaut und verfügt über sechs Turbinen, die jährlich 1,6 Milliarden Kilowattstunden produzieren können.

2012 wurde der Tişrîn-Damm zunächst von den FSA und im Mai 2014 durch den sogenannten Islamischen Staat (IS) eingenommen. Ende Dezember 2015 konnten die neu gegründeten QSD (Demokratische Kräfte Syriens) den Tişrîn-Staudamm unter großen Opfern befreien. Unterstützt wurden die QSD durch Luftschläge der internationalen Koalition. Ein Rückeroberungsversuch durch den IS im Januar 2016 schlug fehl.

Die Befreiung des Damms ermöglichte auch die Offensive der QSD auf Minbic, das nicht weit vom westlichen Ufer des Euphrat entfernt liegt. Der Staudamm dient als Brücke über den Euphrat, im kleineren Maße zur landwirtschaftlichen Bewässerung und erzeugt den Strom für die Regionen Minbic und Kobanê.

Der IS hatte gezielt die Turbinen des Staudammes zerstört, heute sind zwei Turbinen reparaturbedürftig. Russland liefert Ersatzteile jedoch nur an das Regime, mit dem es Verträge hat.

Das weit größere Problem für Nordsyrien ist allerdings, dass der fast 70 Kilometer lange Stausee, der bis zur türkischen Grenze reicht, einen bedrohlich tiefen Wasserstand zeigt. Auf türkischer Seite gibt es mehrere Staustufen, die zum Beispiel am Atatürk-Staudamm das Wasser auf doppelter Größe des Bodensees aufstauen. Die Türkei hält das vertraglich mit Syrien vereinbarte Wasservolumen zurück, da die Verträge mit dem Regime und nicht mit der Selbstverwaltung Nordsyriens geschlossen worden sind, der Staudamm jedoch von der Selbstverwaltung betrieben wird. So kann tatsächlich momentan nur eine Turbine betrieben werden. Das reicht gerade einmal, um in Kobanê und Minbic jedes Stadtviertel täglich zwei Stunden mit Strom zu beliefern. Die nötigste Stromversorgung muss dann den Rest des Tages mit lauten und Abgas erzeugenden Generatoren erfolgen, die oft am Straßenrand zu sehen sind.

Zusätzlich zur Stromerzeugung betriebene Bewässerungsprojekte haben erst recht kaum die Möglichkeit, Wasser abzupumpen. Diese künstliche Knappheit kommt zu einer allgemeinen Trockenheit der südlich und östlich der Türkei gelegenen Regionen hinzu und verschärft die Lage. Durch das Embargo der Türkei und der Barzanî-Regierung in Südkurdistan gelangen auch kaum Dünger und Saatgut nach Nordsyrien, was der früheren Kornkammer des Mittleren Ostens stark zusetzt. Daher ist die Weizenproduktion von 1,2 Millionen Tonnen vor der Revolution auf jetzt 120.000 Tonnen.

Neue Methodik bei Lösegelderpressung in Efrîn

Die dschihadistischen Milizen in Efrîn greifen zu neuen Methoden, um Lösegeld für entführte Zivilisten zu erpressen.

ANF / EFRÎN, 30. Juli 2018.

Der türkischen Armee unterstellte Milizionäre in Efrîn haben im Bezirk Cindirês über dreißig Zivilisten verschleppt und ihr Eigentum geplündert. Für die Freilassung der Entführten wird Lösegeld gefordert.

„Neue Methodik bei Lösegelderpressung in Efrîn“ weiterlesen