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„Sie schießen auf alles, was sich bewegt!“

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Bericht aus Syrienvom 27. März 2020 Berichte von Schüssen der türkischen Grenzposten auf fliehende Zivilist*innen an der türkisch-syrischen Grenze sind fast alltäglich. Ob es einen Schießbefehl gibt oder nicht: Im Grenzgebiet wird Europas Abschottungspolitik mit scharfer Munition durchgesetzt. Handyvideos von Überlebenden zeigen die Opfer tödlicher Schüsse an der türkischen Grenze In der Nähe von Harim, 21. Januar, 5 Uhr morgens: Eine Gruppe von syrischen Familien will die türkische Grenze überqueren, um den Bombardements und den näherrückenden Regime-Truppen zu entkommen. Als sie einen Olivenhain nahe der Grenze durchqueren, werden sie beschossen, eine Frau und ein Kind sterben, sieben weitere werden verletzt. Uns liegen ein Video und Fotos der Getöteten vor und Aussagen von Überlebenden. Sie sind sich sicher: Geschossen haben die „Jendarma“, wie die türkischen Grenzsoldaten genannt werden.
Die Gefahr ist hoch an der türkischen Grenze von den Grenzwächtern erschossen ode…

Keine einzige Testmöglichkeit

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In der nordsyrischen Region Rojava trifft das Corona-Virus auf eine bereits stark unter Druck stehende Bevölkerung "Neues Deutschland", von Sebastian Bähr, 26.03.2020. Desinfizierung in Qamishlo Foto: Rojava Information Center/medico international/obs Wie viele Corona-Infizierte und Tote gibt es bisher in Syrien?

Es ist unklar, wie viele es genau in Rojava und im restlichen Syrien gibt. Berichten lokaler Medien zufolge soll es in den türkisch besetzten Städten im Norden mindestens fünf Corona-Tote geben. Das Regime spricht in seinen Gebieten offiziell von vier Infizierten, andere Berichte dagegen von mehreren Tausend, vor allem in den Regionen Deir ez-Zor, Aleppo, Idlib, Latakia und Damaskus. Es soll insgesamt nur 1200 Testkits geben, aber keine in den einzelnen Provinzen. In Rojava sind bisher keine Fälle bekannt, die Verbreitung kann hier aber bisher auch nur anhand von Symptomen erahnt werden.
Im Interview Felix Anton lebt als internationaler Freiwilliger seit üb…

Kampf gegen Pandemie im belagerten Şehba

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Die nordsyrische Region Şehba ist zu allen Seiten eingeschlossen. Die Versorgung mit Hygieneartikeln und Medikamenten ist schwer. Unter diesen Bedingungen versucht die Bevölkerung, gegen die Pandemie zu kämpfen.
ROJ DENİZ/HÎVDA HEBÛN aus ŞEHBA, 20. März 2020.
In der Wüstenregion Şehba leben 90.000 ursprüngliche Einwohner*innen und etwa 140.000 Binnenflüchtlinge aus Efrîn. Sie grenzt an die von der Türkei und ihren Milizen besetzten Gebiete und ist immer wieder Ziel von Artilleriebeschuss. Auch die Region ist akut von der COVID-19-Pandemie betroffen. Die Autonomieverwaltung, die Kommunalverwaltung und das Gesundheitskomitee von Şehba setzen alles in ihren Möglichkeiten Stehende daran, die Ausbreitung der Pandemie zu verhindern. Nach der Schließung der Schulen und öffentlichen Einrichtungen werden alle Bereiche desinfiziert.
Auch wenn das syrische Regime bisher keine Erklärung zur Pandemie abgegeben hat, so versetzen Meldungen von COVID-19-Fällen in Latakia, A…

Verhüllungszwang für Frauen: IS-Standards in Girê Spî

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Im nordsyrischen Girê Spî werden unter türkischer Besatzung Schritt für Schritt ähnliche Standards wie einst unter der Herrschaft des „Islamischen Staats“ (IS) in Raqqa eingeführt. Frauen dürfen ohne Gesamtkörperverhüllung nicht mehr das Haus verlassen. ANF / GIRÊ SPÎ, 19. März 2020.
In der seit Oktober 2019 mit faktischer Billigung durch die USA, Russland und der Europäischen Union von der Türkei und ihren dschihadistischen Verbündeten besetzten Stadt Girê Spî (Tall Abyad) in Nordsyrien werden Schritt für Schritt ähnliche Standards wie einst unter der Herrschaft des „Islamischen Staats“ (IS) in Raqqa eingeführt. Vielerorts dürfen Frauen inzwischen ohne Gesamtkörperverhüllung und männliche Begleitung nicht mehr das Haus verlassen. Auch in angrenzenden Siedlungsgebieten wie der Ortschaft Siluk und dem Dorf Hemam al-Turkmen soll der Schleierzwang durchgesetzt werden.
Girê Spî und das Umland werden weitestgehend von der pro-türkischen Dschihadistenmiliz A…

Ausgangssperre in Nord- und Ostsyrien

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Um eine Einschleppung des neuartigen Coronavirus zu verhindern, gilt ab Montagfrüh im Autonomiegebiet Nord- und Ostsyriens eine Ausgangssperre.
ANF / QAMIŞLO, 19. März 2020.
Die Autonomieverwaltung Nord- und Ostsyriens erlässt eine Ausgangssperre. Mit der Maßnahme soll eine Einschleppung des neuartigen Coronavirus verhindert werden.
Laut einem Erlass der Selbstverwaltung gilt die Regelung ab Montag (23. März) um 6 Uhr früh. Die Reisefreiheit wird allerdings schon am Samstag außer Kraft gesetzt. Damit sind Fahrten zwischen Städten innerhalb Nord- und Ostsyriens verboten.
Alle Restaurants, Cafês, Handelszentren, Basare, private Kliniken, Hochzeitssäle und Kondolenzzelte in der Region müssen geschlossen bleiben. Ebenso sind bis auf Weiteres auch alle öffentlichen Parks dicht. Ausgenommen von dem Verbot sind Krankenhäuser, öffentliche und private Gesundheitszentren, die internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondorganisationen, Apotheken, Desinfektionskomitees,…

Medikamentenvorräte im Flüchtlingslager Mexmûr aufgebraucht

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Das seit acht Monaten bestehende Embargo über das Flüchtlingscamp Mexmûr verschärft das von Covid-19 ausgehende Risiko. Der Ko-Bürgermeister Bedran Piranî warnt und erklärt, dass die Medikamentenvorräte aufgebraucht sind.
ANF / MEXMÛR, 19. März 2020.
Im Irak breitet sich die Corona-Pandemie aus. Während die offizielle Zahl der Infizierten noch bei 154 und die Zahl der an Covid-19 Verstorbenen bei elf liegt, dürfte die Dunkelziffer weitaus höher sein. In manchen Städten herrschen aufgrund des Virus bereits Ausgangssperren und jeden Tag werden neue Schutzmaßnahmen getroffen. Doch das selbstverwaltete Flüchtlingslager Mexmûr bleibt sich selbst überlassen. Das von Schutzsuchenden aus Nordkurdistan errichtete Camp ist mittlerweile eine kleine selbstverwaltete Stadt geworden und ein Beispiel radikaldemokratischer Selbstorganisierung.

Auf Druck der Türkei wurde das Mexmûr-Camp nach einem Attentat in Hewlêr auf den türkischen Geheimdienstverantwortlichen für Südkur…

Kurdischer Bevölkerungsanteil in Efrîn auf 18 Prozent gesunken

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Innerhalb von zwei Jahren türkischer Besatzung ist der kurdische Bevölkerungsanteil in Efrîn auf 18 Prozent gesunken. Die Menschenrechtsorganisation Efrîn hat einen Bericht zur ethnischen Säuberung und weiteren Rechtsverletzungen vorgestellt. 
ANF / ŞEHBA, 17. März 2020.
Im März 2018 ist Efrîn vom türkischen Staat besetzt worden. Die Menschenrechtsorganisation Efrîn hat in Şehba einen Bericht zu den Rechtsverletzungen der vergangenen zwei Jahre vorgestellt. Der Bericht wurde von Heyhan Ali im Serdem-Camp öffentlich verlesen.
Demnach wurden durch die türkische Invasion über 300.000 Menschen aus Efrîn in den benachbarten Kanton Şehba und andere Orte in Syrien vertrieben. Der kurdische Bevölkerungsanteil in Efrîn ist auf 18 Prozent gesunken. Im Zuge des gezielten Bevölkerungsaustausches wurden Dschihadisten aus Idlib und anderen Gegenden mit ihren Familien in Efrîn angesiedelt.
„Türkisierungspolitik“
Wie Heyhan Ali ausführte, wird die „Türkisierungspolitik“ in…