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Entsetzen und Empörung nach Vergewaltigung in Südkurdistan

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Ein Mädchen wird in Hewlêr vergewaltigt. Die Täter werden schnell gefasst, müssen sich dennoch nicht verantworten. Ein steiniger Weg im Kampf um Gerechtigkeit des Kindsvaters beginnt. Und mündet in einem Tabubruch, den es in Başûr so noch nie gegeben hat.
ANF / HEWLÊR, 22. Febr. 2020.

Ein siebenjähriges Mädchen wird im April 2019 in der südkurdischen Metropole Hewlêr (Erbil), der Hauptstadt der von der Barzanî-Partei PDK regierten Autonomen Region Kurdistan, aus seiner Schule entführt und von drei Männern vergewaltigt. Der Hauptverdächtige - ein 17-Jähriger namens Ibrahim – ist kein Unbekannter, sondern ein Neffe der Stiefmutter des Mädchens. Ihr vertraut es sich an, doch statt Hilfe zu rufen, geht die Frau gewaltsam gegen das traumatisierte Kind vor. Sie übergießt ein Bein mit heißer Flüssigkeit, bedroht das Mädchen, damit es schweigt. Der Vater, ein Peschmerga-Veteran der YNK (Patriotische Union Kurdistans), erfährt vom Martyrium seiner Tochter. Im Juni geht er …

Nordsyrien: 7.000 Schutzsuchende im Erîşa-Camp untergebracht

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7.000 weitere Schutzsuchende aus den von der Türkei und ihren Milizen in Nordsyrien besetzten Gebieten wurden im Erîşa-Camp bei Hesekê untergebracht.
ANF / HESEKÊ , 20. Febr. 2020.
Das Erîşa-Camp liegt etwa 30 Kilometer südlich der nordsyrischen Stadt Hesekê und wurde eigentlich für Binnenflüchtlinge aus Raqqa und Deir ez-Zor errichtet. Die Bewohner*innen konnten nicht in ihre Dörfer zurückkehren, da diese von proiranischen Milizen zerstört worden waren.
In dem Flüchtlingslager befinden sich etwa 14.000 Menschen. Nach der Invasion der Türkei in Nordsyrien sind seit dem 9. Oktober 7.000 weitere Binnenflüchtlinge aus der Region dazugekommen. Die Camp-Leitung hat große Schwierigkeiten, die Menschen aus eigenen Mitteln zu versorgen. Unterstützung internationaler Hilfsorganisationen bleibt aus.

Kobanê: Bewaffneter Selbstschutz der Bevölkerung

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In jeder Straße und in jedem Viertel in Kobanê sind die Gesellschaftlichen Verteidigungskräfte der HPC aktiv, um die Stadt zu einem sichereren Ort zu machen. 
ANF / KOBANÊ, 20. Febr. 2020.
Die Bevölkerung Nord- und Ostsyriens ist sich der Bedrohung der Region bewusst. Immer wieder versuchen IS-Zellen Anschläge zu verüben. Noch gefährlicher als der IS sind die Angriffe des türkischen Staates und dessen Geheimoperationen.
Um die Bevölkerung Nord- und Ostsyriens zu schützen, formierten sich aus der Selbstorganisierung heraus auch Strukturen der Selbstverteidigung. An vorderster Front stehen dabei die Demokratischen Kräfte Syriens (QSD). Diese sorgen außerhalb der Städte für Sicherheit. Innerhalb der Städte sind die früher als Asayiş bezeichneten „Kräfte der Inneren Sicherheit“ aktiv. Eine andere Kraft, die direkt an die radikaldemokratischen Räte und Kommunen angebunden ist, sind die Gesellschaftlichen Verteidigungskräfte (Hêzên Parastina Civakî, HPC) sowie d…
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“Ohne die Frauen gäbe es diese Revolution nicht” – Interview mit einer Internationalistin in Rojava 20.Febr. 2020. Wir interviewen Arîn Hêlîn, eine spanische Internationalistin, die Teil der Frauenbewegung in Nord- und Ostsyriens ist:
“Der Kampf der Frauen in Rojava hat mich dazu gebracht, mehr Liebe für mein eigenes Geschlecht und für den Rest meiner Genossinnen zu empfinden und zu verstehen, dass das Patriarchat versucht, die Frauen zu spalten, weil wir auf diese Weise verletzlicher und wehrloser sind.“
Wir unterhielten uns mit Arîn, die unter anderem ein Mitglied der Jineolojî-Akademie in Rojava, in Nord- und Ostsyrien, ist und an der Kampagne “Women Defend Rojava” mitarbeitet, die von Kongra Star, der Dachorganisation für Frauen in dieser Region, initiiert wurde.
Diese Kampagne versucht, die Rolle der Frauen auf der ganzen Welt zu fördern und sich gemeinsam zu organisieren, zur Verteidigung der Revolution in Rojava, aber auch mot der klaren Perspektive: dass sich Fraue…
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Nordsyrien: Keine Atempause von Anita Starosta, 21. Febr. 2019. Nach dem türkischen Angriff haben viele Menschen im schnell errichteten Washokani-Camp Zuflucht gefunden. (Foto: Kurdistan24) Der Kurdische Rote Halbmond arbeitet nach dem türkischen Angriff jenseits der Belastungsgrenze – und bereitet sich auf die nächsten Flüchtlinge vor. Eindrücke von Anita Starosta Die Menschen sind kriegsmüde in Rojava/Nordsyrien. Seit fünf Tagen bin ich nun vor Ort und egal mit wem ich spreche, ob mit Flüchtlingen, den Helfer*innen vom medico-Partner Kurdischer Roter Halbmond oder Angestellten in unserer Unterkunft – sie alle sprechen über den letzten Angriff der Türkei im Oktober. Bis zu 300.000 Menschen flohen aus den Städten und Dörfern an der Grenze, aus Angst vor dem türkischen Militär und den dschihadistischen Milizen. Menschen, die nicht rechtzeitig fliehen konnten, berichten von gewalttätigen Angriffen.
Viele konnten inzwischen in ihre Häuser zurüc…

Augenklinik in Qamişlo offiziell eröffnet

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In Qamişlo konnte die Abteilung für Augenheilkunde in der Herz- und Augenklinik unter Beteiligung der Bevölkerung eröffnet werden. 
/ ANF / QAMIŞLO, 17. Febr. 2020. Der Rat für Gesundheit und das Gesundheitskomitee in der Föderation Nord- und Ostsyrien bauen seit Anfang der Revolution unter schwersten Bedingungen und parallel zum Krieg die Gesundheitsversorgung für die Bevölkerung weiter aus. In diesem Rahmen konnte gestern die Abteilung für Augenheilkunde in der Herz- und Augenklinik in Qamişlo offiziell eröffnet werden.

Die Abteilung für Herzkranke bietet bereits seit einem Jahr vielen Menschen die Möglichkeit, mit einem sehr geringen Anteil der Selbstbeteiligung beziehungsweise auch kostenfrei die für sie nötigen Behandlungen wahrzunehmen. Die Abteilung für Augenheilkunde im Klinikum konnte hingegen aufgrund mangelnder Geräte und Möglichkeiten erst jetzt ihren Betrieb aufnehmen. Bisher mussten Menschen mit Augenbeschwerden nach Damaskus…

Serêkaniyê-Vertriebene prangern Angela Merkel an

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Seit Angela Merkel ankündigte, eine finanzielle Unterstützung der demografischen Neuordnung in Nordsyrien prüfen zu wollen, steht die Bundeskanzlerin in der Kritik. Vertriebene aus Serêkaniyê mahnen, Merkel mache sich schuldig. ERSİN ÇAKSU / HESEKÊ, 16. Febr. 2020.
Bei ihrem Treffen mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan Ende Januar in Istanbul kündigte Bundeskanzlerin Angela Merkel an, eine finanzielle Unterstützung der türkischen Politik einer demografischen Neuordnung in Nordsyrien prüfen zu wollen. In den seit Oktober 2019 von der Türkei besetzten Gebieten Nord- und Ostsyriens plant die Erdoğan-Regierung den Bau von Notunterkünften für syrische Flüchtlinge aus der Türkei. Merkel nannte dieses Vorhaben in Istanbul eine „humanitäre Aktion”, für die es deutsche Mittel geben könnte.
Laut dem wissenschaftlichen Dienst des Bundestages verstoßen die gezielte demografische Veränderung und die Pläne der Ansiedlung von 2,5 Millionen Flücht…