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Nach Protesten: Damaskus streicht „arabische“ Einstufung von Kurd:innen


Nach massiver Kritik hat die syrische Übergangsregierung die Einstufung von Kurd:innen als „Araber“ in den Registern zurückgenommen. Die Änderung erfolgte im Zuge der laufenden Registrierung staatenloser Kurd:innen.

Übergangsregierung rudert zurück
 
ANF / HESEKÊ, 9. April 2026.

Die syrische Übergangsregierung hat nach massiven Protesten eine umstrittene Praxis bei der Registrierung staatenloser Kurd:innen zurückgenommen. Kurd:innen, die im Zuge eines laufenden Einbürgerungsprozesses erfasst werden, sollen künftig nicht mehr als „arabisch“, sondern lediglich als „syrisch“ registriert werden.

Hintergrund ist die Umsetzung des Abkommens vom 29. Januar, das vorsieht, Kurd:innen, denen im Zuge der Volkszählung von 1962 die Staatsbürgerschaft entzogen wurde, nachträglich zu registrieren und ihnen grundlegende Rechte zurückzugeben. Zu diesem Zweck wurden in Rojava mehrere Registrierungsstellen eingerichtet.

Kritik an „Arabisierung“ der Registrierung

Im Verlauf dieses Prozesses hatte die syrische Übergangsregierung begonnen, Kurd:innen in offiziellen Dokumenten als „syrische Araber“ zu erfassen. Diese Praxis stieß sowohl bei der nordostsyrischen Selbstverwaltung als auch in der Bevölkerung auf scharfe Kritik. Die Autonomieverwaltung wertet die Einstufung als Versuch, die kurdische Identität im Zuge der Registrierung zu negieren. In verschiedenen Städten kam es zu deutlichen Reaktionen, die sich gegen diese Form der Erfassung richteten.

Der kurdische Gouverneur von Hesekê, Nûredîn Îsa Ehmed, besuchte heute ein Registrierungszentrum in der Stadt | Foto: ANHA

Regierung nimmt Entscheidung zurück

Nach anhaltendem Druck sah sich das syrische Übergangsregime gezwungen, die Praxis zu ändern. Künftig sollen Kurd:innen in den Registern nicht mehr als „Araber“, sondern neutral als „Syrer:innen“ geführt werden. Die Entscheidung gilt als direkte Reaktion auf die Proteste aus der kurdischen Bevölkerung sowie auf Kritik aus der Selbstverwaltung. Auch in teilweise noch türkisch besetzten Regionen wie Efrîn, Serêkaniyê und Girê Spî hatte die ursprüngliche Einstufung für Unmut gesorgt.

Politische Bedeutung über den Einzelfall hinaus

Der Vorfall zeigt, wie sensibel der Anfang der Woche anglaufene Registrierungsprozess ist. Für viele Kurd:innen geht es dabei nicht nur um formale Anerkennung, sondern auch um die Wahrung ihrer Identität nach Jahrzehnten staatlicher Ausgrenzung. Die zwischenzeitliche Einstufung als „arabisch“ wurde von vielen als Fortsetzung früherer Assimilationspolitiken wahrgenommen. Dass Damaskus nun zurückrudert, wird als Ergebnis politischen und gesellschaftlichen Drucks gewertet. Gleichzeitig bleibt offen, wie sich der weitere Verlauf der Registrierung gestalten wird und ob der Prozess tatsächlich zu einer umfassenden Anerkennung der betroffenen Kurd:innen führt.

 

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