Über 150.000 Vertriebene erreichen Cizîrê und Firat
Die Zahl der Vertriebenen in Rojava steigt: Über 150.000 Menschen aus Aleppo, Raqqa, Tabqa und der alawitisch geprägten Westküste haben Schutz in den Kantonen Firat und Cizîrê gesucht. Die Versorgungslage ist kritisch, es fehlt an allem.
Infolge der andauernden Angriffe gegen Nordostsyrien ist die Zahl der Vertriebenen in Rojava auf über 150.000 Menschen gestiegen. Wie der Geflüchtetenrat von Efrîn-Şehba am Montag mitteilte, haben diese Menschen in den vergangenen Wochen Zuflucht in den Kantonen Cizîrê und Firat gesucht.
Die meisten von ihnen stammen aus den Stadtteilen Şêxmeqûd und Eşrefiyê in Aleppo sowie aus den Städten Raqqa und Tabqa. Unter den Vertriebenen befinden sich auch zahlreiche Menschen, die bereits zuvor aus den inzwischen seit Jahren unter türkischer Besatzung stehenden Städten Efrîn und Serêkaniyê vertrieben worden waren. Auch Familien aus den Camps rund um Ain Issa sowie aus den alawitisch geprägten Küstenregionen im Westen Syriens sind unter den Ankommenden.
Die Mehrheit wurde in Städten des Cizîrê-Kantons untergebracht, darunter Qamişlo, Hesekê, Amûdê, Rimêlan, Dêrik, Tirbespiyê, Dirbêsiyê und Çil Axa. Doch aufgrund der anhaltenden Angriffe und der instabilen Sicherheitslage kommt es immer wieder zu weiteren Ortswechseln innerhalb der Region. Die genaue Zahl der Vertriebenen lässt sich daher derzeit nicht eindeutig beziffern.
Viele der Geflüchteten wurden provisorisch in Schulen, Moscheen, Akademien, öffentlichen Einrichtungen oder privaten Wohnungen untergebracht. Gleichzeitig erreichen täglich neue Familien die Region, die bislang weder registriert noch versorgt werden konnten. „Der Bedarf ist enorm und wächst mit jedem Tag“, erklärt Nesrîn Silêman, Ko-Vorsitzende des Geflüchtetenrats von Efrîn-Şehba. „Es fehlt an Öfen, Medikamenten, Kleidung und an allem, was insbesondere Frauen und Kinder im Alltag brauchen.“
Die Einrichtungen der Selbstverwaltung beider Kantone versuchen, die Notlage durch solidarische Strukturen und humanitäre Hilfsorganisationen abzufedern, doch die Ressourcen sind begrenzt. Ohne internationale Unterstützung droht sich die humanitäre Krise weiter zu verschärfen.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen