Kongra Star startet Unterschriftenkampagne für Geiseln und Vermisste
Die Frauenbewegung Kongra Star hat eine internationale Unterschriftenkampagne zur Aufklärung des Schicksals Tausender Geiseln und Vermisster gestartet. Die Initiative fordert Transparenz über Haftorte, Zugang für internationale Organisationen und die Frei
Die kurdische Frauenbewegung Kongra Star hat eine internationale Unterschriftenkampagne gestartet, um auf das Schicksal von Geiseln und Vermissten aufmerksam zu machen. Ziel der Initiative ist es, internationalen Druck zur Aufklärung des Verbleibs der Betroffenen aufzubauen. Die Kampagne wurde bereits am Donnerstag eingeleitet und soll noch bis zum 17. März laufen. Nach Angaben der Organisation sollen die gesammelten Unterschriften am 18. März, dem Internationalen Tag der politischen Gefangenen, der Öffentlichkeit sowie internationalen Institutionen übermittelt werden. Die Unterschriftenaktion wird sowohl vor Ort als auch digital organisiert.
Rûken Ehmed, Mitglied der Allianz demokratischer Politik und des Komitees für Außenbeziehungen von Kongra Star, erklärte, dass im Zuge der Angriffe syrischer Regimetruppen auf mehrere Regionen in Nordostsyrien tausende Menschen verschwunden sind. Die Offensive hatte am 6. Januar mit schweren Attacken in den Aleppiner Stadtteilen Şêxmeqsûd und Eşrefiyê begonnen und sich auf weitere Gebiete in Nordostsyrien, darunter Dair Hafir, Tabqa, Raqqa, Deir ez-Zor sowie auf Rojava ausgeweitet.
Bis zu 4.000 Personen verschwunden
Erst mit dem Abkommen vom 29. Januar zwischen der Übergangsregierung und den Demokratischen Kräften Syriens (QSD) wurden die Angriffe größtenteils eingestellt. Damaskus nannte in der Folge gegenüber dem QSD-Generalkommandanten Mazlum Abdi die Zahl von 1.070 Menschen, die im Verlauf der Offensive verschleppt wurden. Laut Kongra Star liegt die tatsächliche Zahl jedoch deutlich höher. Ehmed sprach von bis zu 4.000 Personen, die sich als Kriegsgefangene und Geiseln in der Gewalt der Regierung befinden. „Viele Familien wissen bis heute nicht, wo sich ihre Angehörigen befinden oder unter welchen Bedingungen sie festgehalten werden.“
Mit der Kampagne wolle Kongra Star die Stimmen der Familien der Gefangenen und der betroffenen Bevölkerung an internationale Institutionen weitertragen. Ziel sei es, internationalen Druck aufzubauen, damit das Schicksal der Vermissten aufgeklärt wird. Ehmed forderte die Einrichtung unabhängiger Untersuchungs- und Rechenschaftskommissionen. Zudem müsse dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz Zugang zu den Haftanstalten gewährt werden, um Informationen über den Zustand der Gefangenen zu erhalten.
Darüber hinaus seien internationale Garantien notwendig, um Transparenz in diesem Prozess sicherzustellen. In dem veröffentlichten Kampagnentext führt Kongra Star mehrere mutmaßliche Menschenrechtsverletzungen an. Dazu gehören unter anderem Vorwürfe, dass Vereinbarungen mit den QSD nicht eingehalten worden seien, Angriffe auf Zivilpersonen sowie willkürliche Tötungen. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass das Schicksal tausender Menschen in Gefängnissen von Sicherheitsbehörden verborgen gehalten werde.
Einrichtung einer unabhängigen internationalen Untersuchungskommission
Die Kampagne richtet sich mit ihren Forderungen an internationale Institutionen wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz, die Vereinten Nationen (UN), Menschenrechtsorganisationen sowie das Europäische Komitee zur Verhütung von Folter (CPT). Zu den zentralen Forderungen gehören die transparente Aufklärung über das Schicksal von Vermissten und gewaltsam Verschwundenen, die bedingungslose Freilassung aller Gefangenen sowie ein sofortiges Ende von Folter und Misshandlungen. Darüber hinaus fordert Kongra Star die Einrichtung einer unabhängigen internationalen Untersuchungskommission sowie juristische Konsequenzen für Verantwortliche von Menschenrechtsverletzungen. Familien sollen zudem das Recht erhalten, mit inhaftierten Angehörigen zu kommunizieren und Informationen über deren Gesundheitszustand zu erhalten.
Digitale Unterstützung weltweit möglich
Ein weiterer Punkt der Kampagne betrifft den Schutz von Gefangenen vor Transfers, die ihr Leben gefährden könnten. Hier fordert die Frauenbewegung internationale rechtliche Garantien. Unterstützerinnen und Unterstützer können die Initiative auch digital unterzeichnen. Dazu sollen Name, Beruf und Wohnort an die E-Mail-Adresse petition_kongra_star@disroot.org gesendet werden. Kongra Star kündigte an, dass sowohl der vollständige Kampagnentext als auch die gesammelten Unterschriften am 18. März an internationale Institutionen übermittelt werden sollen.
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