QSD warnen vor gezielter Vertreibung in Dair Hafir
Die Demokratischen Kräfte Syriens berichten von einer massiven Eskalation in Dair Hafir. Damaskus greife Wohnviertel mit Artillerie und Drohnen an. Das Bündnis warnt vor einer drohenden Vertreibung zehntausender Zivilist:innen.
Die Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) haben vor einer dramatischen Verschärfung der Lage in der Kleinstadt Dair Hafir östlich von Aleppo gewarnt. In mehreren aktuellen Mitteilungen berichtet das Bündnis von einer Reihe neuer Angriffe auf die Zivilbevölkerung durch die sogenannte syrische Armee und Damaskus-treue Milizen. Demnach feuerten regimenahe Einheiten am späten Donnerstagabend zunächst drei Artilleriegranaten auf Wohnviertel am Stadtrand von Dair Hafir. Zwar wurden dabei keine Todesopfer gemeldet, doch die Schäden an der zivilen Infrastruktur seien erheblich.
Mehr als 20 Granaten auf dicht bewohnte Viertel
Nur wenige Stunden später eskalierte die Gewalt deutlich: In der Nacht zum Freitag, gegen 02:00 Uhr, wurden nach Angaben der QSD innerhalb von nur einer Stunde mehr als 20 Granaten auf dicht bewohnte Stadtteile abgefeuert. Zusätzlich kam es zu einem Angriff mit einer Sprengstoff-Drohne. Die QSD sprachen von einem gezielten Beschuss ziviler Infrastruktur, der das Leben der Bevölkerung direkt bedrohe und offenkundig auf eine erzwungene Vertreibung der Bewohner:innen abziele. „Es wurden Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung eingeleitet“, hieß es.
Türkische Drohnen an Angriffen beteiligt
Parallel zu den Bodenangriffen war es auch zu mehreren Luftschlägen durch türkische Drohnen gekommen. Bereits gestern Nachmittag hatten bewaffnete „Akıncı“-Drohnen den Luftraum über Dair Hafir überflogen, berichteten die QSD. In den vergangenen zwei Tagen hätten diese Drohnen mindestens sechs Angriffe auf Ziele in der Region und der Nachbarstadt Meskene (Maskanah) durchgeführt. Die Beobachtung türkischer Luftfahrzeuge in Verbindung mit der Eskalation vor Ort deute auf eine regionale Koordination hin, die den Konflikt weiter anheize.
Kritik übten die QSD auch an offiziellen Verlautbarungen aus der syrischen Hauptstadt. Das sogenannte Verteidigungsministerium in Damaskus behauptet, die QSD verhinderten die Ausreise von Zivilist:innen aus Dair Hafir. Diese Darstellung sei falsch, hieß es von Seiten der multiethnischen Organisation. Tatsächlich sei es die militärische Eskalation selbst – also Artillerie, Drohnen und Truppenbewegungen – die die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung einschränke. Darüber hinaus erinnerten die QSD daran, dass die syrische Übergangsregierung am 6. Januar alle Übergänge zwischen Nord- und Ostsyrien und den von Damaskus kontrollierten Gebieten geschlossen hatte – ein Widerspruch zur aktuellen Behauptung.
Bündnis prangert Verstöße gegen Völkerrecht an
Die QSD bezeichneten die Angriffe und die damit einhergehende erzwungene Fluchtbewegung als klaren Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht. Eine solche Praxis verstoße gegen die Vierte Genfer Konvention sowie das Römische Statut des Internationalen Strafgerichtshofs. Man rufe daher die Vereinten Nationen, internationale Menschenrechtsorganisationen und die Weltöffentlichkeit auf, die Eskalation zu verurteilen und sich schützend vor die betroffene Bevölkerung zu stellen.
170.000 Menschen von Vertreibung bedroht
Besonders alarmierend ist die Größenordnung der potenziellen humanitären Katastrophe: Laut den QSD könnten mehr als 170.000 Menschen von Zwangsvertreibung betroffen sein – bei winterlichen Temperaturen und unzureichender Versorgung. Gleichzeitig betonte das Bündnis die „Standhaftigkeit der Bevölkerung“. Die Menschen in und um Dair Hafir hätten trotz der Angriffe erneut deutlich gemacht, dass sie nicht bereit seien, ihre Heimat aufzugeben. „Kein Akteur hat das Recht, Zivilist:innen unter militärischem Druck zur Flucht zu zwingen“, heißt es in der Stellungnahme.
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