Istanbul: Alevitische Verbände protestieren gegen Gewalt in Syrien
Alevitische Organisationen haben in Istanbul gegen die anti-alawitische Gewalt in Syrien protestiert. Bei der Kundgebung wurde das Vorgehen der islamistischen Übergangsregierung scharf verurteilt. Auch Solidarität mit Venezuela wurde bekundet.
Alevitische Organisationen und linke Gruppen haben am Samstag in Istanbul gegen die anhaltende Gewalt gegen Alawit:innen in Syrien demonstriert. Auf dem Khalkedon-Platz im asiatischen Stadtteil Kadıköy warfen die Beteiligten der syrischen Übergangsregierung vor, systematische Angriffe auf religiöse Minderheiten zu verüben.
Unter dem Motto „Stoppt den Genozid an der alawitischen Gemeinschaft in Syrien“ versammelten sich Vertreter:innen mehrerer sozialistischer Parteien, darunter ESP, TIP, SEP, Kaldıraç, Partizan und die Grüne Linkspartei. Die Teilnehmenden skandierten Parolen wie: „Mörder Dschaulani – Komplize AKP“ und „Dschaulani raus aus Syrien“, in Anspielung auf den Aliasnamen des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa.
In der auf Türkisch und Arabisch verlesenen Erklärung warf Aydın Deniz, Vizepräsident der Alevitisch-Bektaschitischen Föderation, der internationalen Gemeinschaft vor, zum Massaker an Alawit:innen in Syrien im März 2025 geschwiegen zu haben. Damals waren bei Angriffen von Regierungstruppen an der syrischen Westküste tausende Alawit:innen ermordet, ganze Dörfer zerstört, hunderte Frauen verschleppt und Menschen in Massengräbern verscharrt worden.
Deniz sprach von einem versuchten Genozid und betonte, die Gewalt richte
sich nicht nur gegen Alawit:innen, sondern auch gegen Drus:innen,
Kurd:innen, Christ:innen und säkulare Sunnit:innen. Die syrische
Übergangsregierung sei Komplizin eines „regressiven, sektiererischen
Projekts“, das im Westen als „Revolution“ oder „neue Ordnung“
verharmlost werde.
Die Organisationen forderten in ihrer Erklärung die Anerkennung religiöser Identitäten, verfassungsrechtliche Garantien für Minderheitenrechte und die lückenlose Aufklärung der Verbrechen in Syrien. Die Verantwortlichen für Massaker, Verschleppungen und Vertreibungen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. „Wir unterstützen den Widerstand der Alawit:innen Syriens für ein würdevolles Leben“, erklärte Deniz. „Wir sind keine zitternde Stille sondern die empörte Würde, die sich erhebt, wenn es nötig ist. Wir sind die Wurzeln, die sich aus dieser Erde nicht herausreißen lassen.“
Solidarität mit Venezuela
Neben der Kritik an der Lage in Syrien wurde auch Solidarität mit Venezuela bekundet, das unter „imperialistischem Druck der USA“ stehe. Die USA hatten in der Nacht zu Samstag einen völkerrechtswidrigen Angriff auf Venezuela verübt und den gewählten venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro sowie dessen Ehefrau verschleppt.
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