Zivilgesellschaft in Wan startet Kampagne gegen Gewalt an Frauen
In Wan haben Frauenorganisationen und Berufsverbände eine dreimonatige Kampagne gegen Feminizide und staatliche Untätigkeit gestartet. Unter dem Motto „Wir organisieren uns, um zu leben und Leben zu schützen“ fordern sie Aufklärung und Gerechtigkeit.
In der nordkurdischen Provinz Wan (tr. Van) haben zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen eine dreimonatige Kampagne gegen geschlechtsspezifische Gewalt und mutmaßlich vertuschte Frauenmorde gestartet. Die Initiative firmiert unter dem Motto „Wir organisieren uns, um zu leben und Leben zu schützen“ und wird von lokalen Frauenverbänden, Menschenrechtsgruppen, Anwaltsvereinigungen und Berufsvertretungen getragen.
Die Kampagne wurde am Montag mit einer Pressekonferenz in den Räumlichkeiten der Anwaltskammer Wan offiziell eröffnet. Zu den Initiator:innen gehören unter anderem die Bewegung Freier Frauen (TJA), der Frauenverein STAR, der Menschenrechtsverein IHD, der Juristenverband ÖHD sowie verschiedene Frauenausschüsse von Berufsverbänden und kommunalen Einrichtungen.
Hintergrund: Zunehmende Gewalt und fehlende Aufklärung
Meryema Aslan, Vertreterin des STAR-Frauenvereins, verlas die gemeinsame Erklärung. Sie verwies auf eine besorgniserregende Häufung von Feminiziden und sogenannten „verdächtigen Todesfällen“, die oft ohne gründliche Untersuchung als Suizid eingestuft würden.
„In der Region erleben wir eine Zunahme geschlechtsspezifischer Gewalt, begleitet von organisierter Kriminalität wie Drogen- und Prostitutionsnetzwerken, die das Leben von Frauen direkt bedrohen“, sagte Aslan. Die Gewalt sei Teil einer bewussten Strategie, die gesellschaftliche Kontrolle über Frauen aufrechtzuerhalten und Widerstand zu brechen.
Allein in der vergangenen Woche seien vier Feminizide gemeldet worden, erklärte Aslan – und betonte, dass dies lediglich die bekannten Fälle seien. Die Dunkelziffer sei vermutlich deutlich höher.
Forderung nach systematischer Aufklärung und Ende der Straflosigkeit
Die Initiator:innen kritisieren eine Kultur der Straflosigkeit, in der Täter geschützt, Ermittlungen verschleppt und Todesfälle schnell abgeschlossen würden. Die Kampagne sei daher nicht nur eine Reaktion auf Einzelfälle, sondern ein Versuch, eine dauerhafte und strukturierte Gegenbewegung aufzubauen.
„Wir fordern, dass jeder Fall von mutmaßlicher Gewalt gegen Frauen umfassend, transparent und ergebnisoffen untersucht wird“, sagte Aslan. Es gehe nicht nur um individuelle Gerechtigkeit, sondern um die Verteidigung des Rechts auf Leben – ein Anliegen, das die gesamte Gesellschaft betreffe.
Breite zivilgesellschaftliche Beteiligung
An der Kampagne beteiligen sich auch die Anwaltskammer von Wan und deren Zentrum für Frauenrechte sowie die Kommission für Migration, der Frauenrat der Kommunalverwaltungen in Wan, die Frauenkooperative Evin, der Ortsverband der Ingenieur- und Architektenkammer TMMOB und der linke Gewerkschaftsbund KESK. Die Kampagne soll über drei Monate hinweg mit öffentlichen Aktionen, Bildungsformaten und juristischen Interventionen fortgeführt werden.
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