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Als Frau in Qamişlo von der eigenen Arbeit leben


Als Fatma Mihemed zum ersten Mal einen Stand mit selbstgemachten Handarbeiten auf dem Markt in Qamişlo aufbaute, stieß sie auf Ablehnung. Männer sagten, es sei nicht richtig, dass Frauen auf dem Markt arbeiten, es sei beschämend.

Fatma Mihemed stammt aus Efrîn und lernte im Alter von zehn Jahren von ihrer Mutter, Kunsthandwerk zu machen. Die 49-Jährige eröffnete 2006 zum ersten Mal einen Verkaufsstand in Qamişlo, um Geld für ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Sie sagt: „Ich habe schon immer gern Handarbeiten gemacht. Als meine Familie in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckte, wollte ich damit zu unserem Unterhalt beitragen. Ich begann mit elf Tüchern. Heute bin ich in der Lage, alles Gewünschte herzustellen."

 

Als sie ihren Stand das erste Mal aufbaute, bekam Fatma negative Reaktionen aus der Gesellschaft zu spüren. Sie lebte vorher in Aleppo, wo man sie kannte: „Als ich jedoch nach Qamişlo kam und beschloss, zum ersten Mal einen Stand zu eröffnen, stieß ich auf heftige Reaktionen. Vor allem Männer sagten, es sei nicht richtig, dass Frauen auf dem Markt arbeiten, es sei beschämend. Aber auch Frauen reagierten ablehnend. Sie waren von meinem Mut überrascht. Nach und nach gewöhnten sie sich jedoch an mich und meinen Stand. Ich habe mit den Vorurteilen gegenüber Frauen aufgeräumt, wir sind wie eine Familie geworden."

Fatma machte anfangs Handarbeiten, um ihre finanziellen Schwierigkeiten zu überwinden. Mit der Zeit gab es noch eine weitere Motivation, berichtet sie: „Anfangs war es mein Hauptziel, für die Familie zu sorgen, aber dann habe ich erkannt, dass Materialismus zweitrangig ist. Ich bin aus einem kleinen Umfeld in eine große Gesellschaft eingetreten. Ich habe mich selbst kennen gelernt und bin stolz darauf, auf eigenen Füßen zu stehen und ein Vorbild in der Gesellschaft zu sein. Ich habe bewiesen, dass wir unser Leben aus eigener Kraft und mit unserer Handarbeit bewältigen können. Dadurch habe ich viele Frauen ermutigt, es mir gleichzutun. Obwohl es anfangs als schändlich galt, gewöhnten sich die Menschen mit der Zeit daran, und ich überzeugte Dutzende Frauen, selbst zu arbeiten. Sie gingen aus ihren Häusern heraus. Heute verdienen sie ihren Lebensunterhalt mit ihrem eigenen Kunsthandwerk und beweisen den Willen von Frauen. Ich denke, dass die Beteiligung der Frauen an der Gesellschaft und die Gestaltung der Gesellschaft auch durch solche Tätigkeiten erfolgen kann.“

 

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