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Kobanê macht den Anfang: Kurse für Nothilfe im Krieg


Das nordostsyrische Gesundheitskomitee bietet im Rahmen einer Notstandsverordnung der Autonomieverwaltung Kurse für lebensrettende Sofortmaßnahmen und weiterführende Erste-Hilfe-Lehrgänge an.

Bei kriegsbedingter Instabilität oder in Krisengebieten greifen konventionelle Rettungsstrukturen oftmals nicht mehr. Tritt dann ein medizinischer Notfall ein, fehlt häufig die nötige Infrastruktur zur Versorgung von Verletzten, und es kann nicht auf die klassischen Rettungskräfte zugegriffen werden. Deshalb sind helfende Hände vor Ort gefragt. Das Gesundheitskomitee von Nord- und Ostsyrien bietet der Bevölkerung daher Kurse für lebensrettende Sofortmaßnahmen und weiterführende Erste-Hilfe-Lehrgänge an. Die Aus- und Weiterbildung soll die Teilnehmenden befähigen, Verwundete am Angriffsort oder in einem feindlichen Umfeld zu versorgen.

Die Kurse für die Nothilfe und Lebensrettung im Krieg werden im Rahmen einer Notstandsverordnung der Autonomen Administration von Nord- und Ostsyrien (AANES) angeboten. Die Selbstverwaltung hatte am 6. Juli den Ausnahmezustand ausgerufen, der Beschluss wurde angesichts der Drohungen der Türkei einer neuerlichen Invasion in der Region gefasst. Die Kurse werden in Krankenhäusern, Kliniken und anderen Gesundheitseinrichtungen im Gebiet der AANES ausgerichtet. Die Teilnehmenden lernen, was zu tun ist, wenn ein Krankenwagen erst in Stunden da sein kann – wenn überhaupt, und werden im Umgang mit Kriegsverletzten geschult.

Die kurdische Rothalbmondorganisation Heyva Sor a Kurd kümmert sich zusammen mit dem Gesundheitskomitee Nord- und Ostsyriens um die Umsetzung dieses Projekts. Seit diesem Sonntag laufen die Schulungen bereits, die Blaupause dafür lieferte Kobanê. In drei Einrichtungen des Kantons – der Zentrale von Heyva Sor a Kurd und dem Emel-Krankenhaus in Kobanê-Stadt sowie in der Heyat-Klinik im Ort Sirrîn – haben die Kurse am Vormittag begonnen. In jedem Lehrgang sind zwanzig Personen eingeschrieben.


Ein Teilnehmer ist Ebdullah Elî. Er sitzt im Kurs des Krankenhauses Emel. „Ich begreife es als meine Pflicht in einer Phase des Ausnahmezustands und der Generalmobilmachung, dass ich mich auf den Krieg vorbereite“, sagt Elî. Von seinen Mitmenschen erwarte er die gleiche Haltung: „Wir alle müssen uns auf der Grundlage des revolutionären Volkskrieges zusammenschließen, um diese Phase zu überstehen und die Angriffe und Drohungen der türkischen Besatzung gegen unsere Region zum Scheitern zu bringen.“

Die Nothilfekurse dauern zwischen 14 und 21 Tagen. Für die nächsten Wochen sind nahezu alle verfügbaren Plätze in Kobanê bereits ausgebucht.

 

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