Rojava: Proteste für kurdischsprachigen Unterricht gehen weiter
Die Proteste gegen die Einschränkung des Kurdischen an Schulen in Rojava halten an. In Girkê Legê und Rimêlan boykottierten Schüler:innen den Unterricht. Auch in Qamişlo, Til Temir und Dirbêsiyê wurde muttersprachliche Bildung gefordert.
Die seit Wochen anhaltenden Proteste gegen die Einschränkung des kurdischsprachigen Unterrichts in Rojava gehen weiter. In Girkê Legê und Rimêlan boykottierten Schüler:innen den Unterricht. In Qamişlo, Til Temir und Dirbêsiyê protestierten Schüler:innen, Lehrkräfte und Bildungsbeschäftigte ebenfalls für das Recht auf muttersprachliche Bildung.
Die Aktionen richten sich gegen die Entscheidung des Bildungsministeriums der islamistischen Übergangsregierung in Damaskus, Kurdisch an den Schulen auf drei Unterrichtsstunden pro Woche zu begrenzen. Gefordert werden die Fortsetzung kurdischsprachiger Bildung und die verfassungsrechtliche Anerkennung des Kurdischen in Syrien.
Dreisprachige Erklärung in Qamişlo
In Qamişlo versammelten sich Schüler:innen und Beschäftigte der Schulen Şehîd Şervan, Canşêr, Dilxwaz, Heqî und Omîd vor der Canşêr-Schule. Dort wurde eine gemeinsame Erklärung auf Kurdisch, Arabisch und Englisch verlesen. Die kurdische Fassung trug die Schülerin Mêrva Emo vor, die arabische Lehrer Wasil Esaed und die englische Lehrerin Rojîn Mihemed Mûsa.
In der Erklärung verwiesen die Schüler:innen auf die jahrzehntelange Unterdrückung der kurdischen Bevölkerung und die Errungenschaften der Rojava-Revolution. Die gegenwärtigen Entscheidungen werteten sie als Fortsetzung einer Politik, die kurdische Geschichte und Identität auslöschen wolle. Die Reduzierung des Kurdischunterrichts sei ein erster Schritt in diese Richtung.
Zugleich betonten die Schüler:innen, dass sich ihr Protest nicht gegen andere Sprachen richte. Es gehe darum, die eigene Sprache zu schützen. Sie forderten die zuständigen Stellen auf, ihre Forderungen öffentlich zu machen und sich für die verfassungsrechtliche Anerkennung des Kurdischen in Syrien einzusetzen. „Unterricht in kurdischer Sprache ist unser natürliches Recht“, erklärte die Schülerin Hêlîn Iniz. Sie forderte, dass die Unterrichtsmaterialien vollständig auf Kurdisch zur Verfügung stehen.
Aktionen in Til Temir und Dirbêsiyê
Auch in und um Til Temir wurde gegen die Beschränkung auf drei Wochenstunden protestiert. An der Al-Mansaf-Schule im nördlichen Umland forderten Lehrkräfte und Schüler:innen, das Recht der kurdischen Bevölkerung auf muttersprachliche Bildung zu garantieren. Kurdisch müsse auf einer akademischen Grundlage in den Bildungseinrichtungen unterrichtet und zugleich die kurdische Literatur und das kulturelle Erbe geschützt werden.
In der Ortschaft al-Qaracina unterstützte Kongra Star die Forderungen mit einer eigenen Erklärung. Vor dem Zentrum der Frauenorganisation betonte Vorstandsmitglied Îbtîsam El Şahîn die Bedeutung von Sprache für Identität, Kultur und gesellschaftliches Erbe. Kurdische Kinder müssten das Recht haben, ihre Bildung in ihrer Muttersprache zu erhalten.
In Dirbêsiyê schlossen sich Schüler:innen der Şehîd-Roza-Cûdî-Schule den Protesten an. In einer von Leyla Îsmaîl verlesenen Erklärung bekräftigten sie ihr Recht auf muttersprachlichen Unterricht und forderten den Schutz der kurdischen Sprache.
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