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Rojava: Antikurdische Provokationen in Hesekê sollen ethnischen Konflikt auslösen

 


Nach den antikurdischen Ausschreitungen in Hesekê warnt PYD-Vorsitzender Xerîb Hiso vor einer gezielten Eskalation. Rassistische Gruppen wollten Kurd:innen und Araber:innen gegeneinander aufbringen und den Integrationsprozess sabotieren.

„Sie wollen Kurd:innen und Araber:innen gegeneinander aufbringen“
 
ANF / HESEKÊ, 10. Okt. 2026.

Nach den antikurdischen Ausschreitungen in Hesekê hat der Ko-Vorsitzende der Partei der Demokratischen Einheit (PYD), Xerîb Hiso, vor Versuchen gewarnt, einen ethnischen Konflikt zwischen der kurdischen und arabischen Bevölkerung zu entfachen. Hinter den Angriffen stünden rassistische Kräfte, die das Zusammenleben der Bevölkerungsgruppen zerstören und die Umsetzung des Abkommens zwischen der Demokratischen Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien (DAANES) und der Übergangsregierung in Damaskus verhindern wollten. Bei den jüngsten Ausschreitungen wurden drei Zivilisten und ein Angehöriger der Inneren Sicherheit verletzt.

Im Gespräch mit ANF erklärte Hiso, die Angriffe in Hesekê seien Teil einer Reihe von Provokationen, die den politischen und sicherheitspolitischen Integrationsprozess in Nord- und Ostsyrien begleiteten. Bereits zuvor war es in Qamişlo, Kobanê und weiteren Gebieten zu tödlichen Angriffen und gewaltsamen Zwischenfällen gekommen.

„Sie wollen einen Krieg zwischen Kurd:innen und Araber:innen“

Hiso verwies auf die Fortschritte bei der Umsetzung des Ende Januar geschlossenen Abkommens zwischen der Selbstverwaltung und der Übergangsregierung. Insbesondere bei der Integration der Sicherheits-, Verteidigungs- und Verwaltungsstrukturen seien wichtige Schritte erreicht worden. Trotz bestehender Hindernisse ließen sich Probleme durch Dialog und gemeinsame Lösungen überwinden. Gleichzeitig seien jedoch Kräfte aktiv, die jede Annäherung verhindern wollten. „Die rassistische Denkweise, die Kurd:innen schon früher ihre Existenz abgesprochen hat, ist heute wieder vor Ort aktiv. Diese Kräfte wollen angreifen, sie wollen keine Fortschritte bei der Integration und keinen Dialog. Mit Verschwörungen und Provokationen versuchen sie, das Abkommen und den gesamten Integrationsprozess zu sabotieren“, erklärte Hiso.

Die jüngsten Ausschreitungen seien über soziale Medien gezielt vorbereitet worden. Gruppen aus anderen Regionen seien mobilisiert und nach Hesekê gebracht worden, um dort antikurdische Proteste zu organisieren. „Sie wollen in Hesekê massive Provokationen auslösen, die Kurd:innen in einen Konflikt hineinziehen und einen Krieg zwischen Kurd:innen und Araber:innen entfachen. Sie versuchen, die Beziehungen zwischen beiden Bevölkerungsgruppen zu zerstören und den Willen zum gemeinsamen Leben auszulöschen. Doch Kurd:innen und Araber:innen sind stärker als diese Provokationen“, betonte Hiso.

Kritik am Schweigen der Übergangsregierung

Besonders gefährlich sei, dass sich die Angriffe inzwischen auf mehrere Stadtviertel ausgedehnt hätten. In Hesekê wurden kurdische Symbole angegriffen, Wohnhäuser beschädigt und offen Racheparolen verbreitet. Hiso warnte, dass die gezielte Aufstachelung jederzeit in umfassendere bewaffnete Auseinandersetzungen umschlagen könne. Die Übergangsregierung in Damaskus habe sich bislang nicht zu den Vorfällen geäußert. Hiso kritisierte insbesondere Versuche, die antikurdischen Ausschreitungen als friedliche Demonstrationen darzustellen.

„Wer diese Aktionen als friedliche Proteste betrachtet, zerstört in Wirklichkeit den Frieden. Wenn die Regierung eine ernsthafte Haltung einnimmt, muss sie die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Wer diese Provokationen unterstützt, macht sich mitschuldig“, erklärte der PYD-Ko-Vorsitzende. Er forderte ein entschiedenes Vorgehen gegen rassistische und religiös motivierte Angriffe. Die Untätigkeit der zuständigen Behörden erhöhe die Gefahr einer weiteren Eskalation.

Warnung vor neuer Aktivität des IS

Hiso verwies zudem auf die Sicherheitslage in der Region Cizîr. Die verschiedenen Bevölkerungsgruppen hätten sich den Provokationen bislang gemeinsam entgegengestellt. Dennoch seien bei den jüngsten Vorfällen ein Angehöriger der staatlichen Sicherheitsbehörden und drei Zivilpersonen verletzt worden. Besorgniserregend sei auch die Gefahr, dass der sogenannte Islamische Staat (IS) die Spannungen für sich nutzen könnte. Der Rückzug der US-Truppen habe der Organisation neue Handlungsspielräume eröffnet. „Der IS ist weiterhin hier und wird versuchen, diese Situation als Gelegenheit zu nutzen“, warnte Hiso. Deshalb müssten rassistische und religiös motivierte Provokationen unterbunden werden, bevor sie die Sicherheitslage weiter destabilisierten.

„Die kurdische Bevölkerung will keinen Krieg“

Nach Angaben Hisos hat sich die Lage in Hesekê inzwischen beruhigt. Die Bevölkerung verhalte sich besonnen und sei zugleich wachsam gegenüber möglichen weiteren Angriffen. Die Kurd:innen hätten das Recht, sich gegen Übergriffe zu verteidigen, wollten jedoch nicht in einen neuen Krieg hineingezogen werden. Hiso erklärte, die an den Ausschreitungen beteiligten Gruppen seien unter anderem aus Deir ez-Zor, Raqqa, Tal Hamis und al-Shaddadi nach Hesekê gebracht worden. Das Hissen der syrischen Staatsflagge sei lediglich als Vorwand benutzt worden. Tatsächlich gehe es darum, die kurdische Sprache, Identität, Symbole und den politischen Willen der Bevölkerung zurückzuweisen.

„Die kurdische Bevölkerung will Frieden, Dialog, ein gemeinsames Leben und inneren Frieden. Andere dagegen versuchen, Konflikte und Zwietracht zu säen“, sagte Hiso. Abschließend rief der PYD-Vorsitzende die kurdische Bevölkerung in Hesekê und den übrigen Regionen Rojavas und Syriens dazu auf, wachsam zu bleiben und sich nicht von rassistischen Gruppen provozieren zu lassen. Die Verteidigung der eigenen Existenz, Sprache, Heimat und Rechte müsse mit dem Festhalten am friedlichen Zusammenleben der verschiedenen Bevölkerungsgruppen verbunden werden.

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