Direkt zum Hauptbereich

Kobanê: Schüler:innen boykottieren Unterricht für Bildung auf Kurdisch

 


Zum Beginn des neuen Schuljahres haben Schüler:innen in Kobanê den Unterricht boykottiert. Sie protestieren gegen die Begrenzung des Kurdischunterrichts durch das Bildungsministerium in Damaskus und fordern weiterhin Bildung in ihrer Muttersprache.

Schulboykott gegen Einschränkung des Kurdischen
 
CÛDÎ ÎBRAHÎM / KOBANÊ, 6. Sept. 2026.

Schüler:innen in Kobanê haben am ersten Tag des neuen Schuljahres den Unterricht boykottiert. Mit kurdischsprachigen Schul- und Wissenschaftsbüchern versammelten sie sich vor ihren Schulen und protestierten gegen die Entscheidung des Bildungsministeriums der syrischen Übergangsregierung in Damaskus, den Unterricht auf Kurdisch auf drei Wochenstunden zu begrenzen. Die Schüler:innen blieben vor den Schulgebäuden und weigerten sich, am Unterricht teilzunehmen. An der Protestaktion beteiligten sich Schulen in der Stadt Kobanê und den umliegenden Dörfern.

Die Entscheidung des Bildungsministeriums hatte in den vergangenen Tagen bereits Proteste von Lehrer:innen, Schüler:innen, Studierenden und Bildungseinrichtungen in Rojava ausgelöst. Kritisiert wird insbesondere, dass Kurdisch in den kurdischen Gebieten nicht länger reguläre Unterrichtssprache sein soll, sondern auf wenige Wochenstunden beschränkt wird.

„Unsere Sprache ist unsere Identität und Existenz“

Xeyriya Xelîl, Schülerin der elften Klasse an der Şehîd-Hogir-Schule, erklärte, Bildung in der eigenen Sprache sei ein grundlegendes Recht. „Unsere Sprache ist Kurdisch. Unsere Sprache ist unsere Identität und unsere Existenz. Wir akzeptieren keine andere Sprache an ihrer Stelle“, sagte Xelîl. Wenn in den kurdischen Gebieten lediglich drei Stunden Kurdisch vorgesehen seien, „dann sollte es umgekehrt drei Stunden Arabisch geben“. „In unserer eigenen Sprache erkennen wir unsere Existenz, unsere Identität und unsere Kultur. Mit unserer eigenen Sprache werden wir erfolgreich sein.“


Auch Kemal Xelîl, der bis zur elften Klasse auf Kurdisch unterrichtet wurde, lehnt die Entscheidung aus Damaskus ab. „Wir weisen diese Entscheidung zurück, und unsere gesamte Bevölkerung hat sie zurückgewiesen. Wir wollen nicht auf Arabisch lernen, sondern in unserer eigenen Sprache Kurdisch.“ Niemand könne ihnen eine andere Unterrichtssprache aufzwingen, sagte Xelîl: „Unsere Sprache ist Kurdisch, und Bildung in unserer eigenen Sprache ist unser legitimes Recht.“

„Bis der Unterricht auf Kurdisch ist“

Auch jüngere Schüler:innen beteiligten sich an dem Boykott. Der Fünftklässler Rewandoz Xelîl kündigte an, nicht in den Klassenraum zurückzukehren, solange der Unterricht nicht auf Kurdisch stattfinde. „Seit vier Jahren werde ich auf Kurdisch unterrichtet. Ich möchte nicht, dass der Unterricht auf Arabisch stattfindet. Das wäre für mich sehr schwierig“, sagte er. Die Schüler:innen warten weiterhin vor ihren Schulen und fordern die Rücknahme der Entscheidung. Sie wollen den Unterrichtsboykott fortsetzen, solange ihre Forderung nach Bildung auf Kurdisch nicht erfüllt ist.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Bagdad: Şengal ist eine innerirakische Angelegenheit

Rückkehr nach Efrîn: Tausende Häuser und Grundstücke bleiben beschlagnahmt