Şengal-Konferenz verabschiedet Abschlusserklärung
Mit ihrer Abschlusserklärung zieht die Konferenz „Genozid und demokratische Integration“ in Şengal Bilanz. Die Teilnehmenden fordern die Anerkennung des Genozids an den Ezid:innen, den Wiederaufbau Şengals und eine Absicherung ihrer kollektiven Rechte.
Mit der Veröffentlichung ihrer Abschlusserklärung haben die Organisator:innen der Konferenz „Genozid und demokratische Integration“ die politischen Ergebnisse der Zusammenkunft in Şengal vorgestellt. Darin ziehen sie rund zwölf Jahre nach dem von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) verübten Genozid vom 3. August 2014 Bilanz über die Lage der ezidischen Gemeinschaft und formulieren Forderungen an den Irak sowie an die internationale Gemeinschaft.
Zwölf Jahre nach dem Genozid ist Gerechtigkeit ausgeblieben
In der Erklärung heißt es, dass die Folgen des Genozids bis heute fortbestehen. Zahlreiche Massengräber sind weiterhin ungeöffnet, Tausende Menschen werden noch immer vermisst und Hunderttausende Ezid:innen leben nach wie vor in Flüchtlingslagern oder im Exil, ohne in ihre Heimat zurückkehren zu können.
Gleichzeitig kritisieren die Organisator:innen, dass bislang kein umfassender Prozess der Aufarbeitung stattgefunden habe. Verantwortliche für den Genozid seien weitgehend nicht zur Rechenschaft gezogen worden, während Şengal weiterhin keinen gesicherten politischen Status besitze und die Bevölkerung fortdauernden Bedrohungen ausgesetzt sei.
Genozid anerkennen und Rechte garantieren
Vor diesem Hintergrund fordert die Konferenz den Irak und die internationale Gemeinschaft auf, den Genozid an den Ezid:innen offiziell anzuerkennen und die sich daraus ergebenden rechtlichen Verpflichtungen umzusetzen. Zugleich sprechen sich die Teilnehmenden dafür aus, die kollektiven Rechte der ezidischen Gemeinschaft dauerhaft abzusichern. Identität, Glaube und gesellschaftliche Selbstorganisation müssten anerkannt und geschützt werden. Als politischer Rahmen dafür wird in der Abschlusserklärung das Konzept der demokratischen Integration hervorgehoben, das den Schutz der Gemeinschaft innerhalb eines demokratischen und pluralen Irak gewährleisten solle.
Langfristige Aufarbeitung und Wiederaufbau beschlossen
Über die politischen Forderungen hinaus verabschiedete die Konferenz mehrere konkrete Beschlüsse für die weitere Arbeit. So soll die Konferenz künftig regelmäßig stattfinden und als dauerhaftes Forum zur Dokumentation und Aufarbeitung des Genozids etabliert werden. Außerdem sprechen sich die Teilnehmenden für die Gründung einer Institution aus, die sich der internationalen Anerkennung des Genozids widmet.
Geplant sind darüber hinaus der Aufbau eines Archivs zur Dokumentation der Ferman an den Ezid:innen, die Einrichtung eines Museums zur Erinnerung an den Genozid sowie eine intensivere Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Akteur:innen beim Wiederaufbau Şengals. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der stärkeren Organisierung der ezidischen Gemeinschaft, um ihre politischen und gesellschaftlichen Rechte langfristig zu sichern.
Fahrplan für die Zeit nach der Konferenz
Mit ihrer Abschlusserklärung verstehen die Organisator:innen die Konferenz nicht als Abschluss der Debatte, sondern als Ausgangspunkt eines längerfristigen politischen Prozesses. Die verabschiedeten Beschlüsse sollen dazu beitragen, die internationale Anerkennung des Genozids voranzubringen, die historische Aufarbeitung zu vertiefen und den Wiederaufbau sowie die demokratische Zukunft Şengals dauerhaft zu unterstützen.
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