Direkt zum Hauptbereich

Gedanken zum Jahrestag der Revolution in Nord- und Ostsyrien


Die Rojava-Revolution hat eine politische und gesellschaftliche Wirklichkeit geschaffen, die weit über ihre geografischen Grenzen hinausreicht. Nûdem Derya beschreibt, warum ihre Errungenschaften verteidigt und ihre Erfahrungen weitergegeben werden müssen

Die Revolution weiter erzählen
 
NÛDEM DERYA* / ANF, 21. Juli 2026.

Die wichtigste Aufgabe der Solidaritätsstrukturen außerhalb Syriens und Kurdistans besteht derzeit darin, die Errungenschaften der Revolution weiter bekannt zu machen.

Denn die Angriffe im Januar verfolgten kein geringeres Ziel, als diese Solidarität zu brechen.

Sie zielten darauf ab, die Erzählung zu zerstören, die die Unterdrückten geschaffen haben, ihr ein für alle Mal ein Ende zu bereiten und dem Sozialismus, der in den Köpfen der Menschen weltweit an Boden gewinnt, den Garaus zu machen.

Die Kampagne zur YPJ ist ein wesentlicher Baustein, um zu sagen: Wir erzählen die Geschichte der demokratischen Gesellschaften weiter. Wir sorgen weiterhin dafür, dass die Erzählung der Herrschenden nicht unwidersprochen bleibt. Wir sind Teil der Geschichte und die Revolution in Rojava hat eine Wirklichkeit geschaffen, die unabhängig von geografischen und politischen Veränderungen ihre Wirkmächtigkeit behält.

Diese Revolution konnte auch deswegen eine solche Kraft entfalten, weil sie auf der Analyse aufbaute, dass die Frauen als erste unterdrückte Kolonie ein besonderes Interesse an Befreiung entwickeln und dieser Wille zur Befreiung die Basis des Erfolgs war und ist.

Die Verteidigung des Selbst, dessen, was geschaffen wurde, ist die Verteidigung einer mentalen Revolution. Die Bildungskonzepte, die Dezentralisierung von Macht in Räten und Kommunen, der Ko-Vorsitz, der Aufbau der gesellschaftlichen Gerechtigkeit gegen die Gesetzeslogik und der daraus folgenden Rechtlosigkeit der Staaten – all das sind Konzepte, die jenseits von territorialen Räumen ihre Kraft entfalten.

Die Revolution in Rojava wurde auch auf den Erfahrungen der Pariser Kommune, der Pädagogik Freires, den Analysen Fanons, mit dem Geist von Rozalia Luxenburg (Rosa Luxemburg) aufgebaut – denn genau das bedeutet Internationalismus – die Revolution als eine Bewegung, einen Prozess zu betrachten, der die Welt umspannt, weil er Menschen und Gemeinschaften anhand von Werten und Prinzipien verbindet. Weil sie das Potential hat, den demokratischen Fluss in ein reißendes Wasser zu verwandeln, das dem kapitalistischen Fluss den Zufluss Stück für Stück abgräbt.

Die dringende Aufgabe unserer Zeit bleibt also, das Wissen zu verteidigen und weiterzugeben, das wir in den Jahren gesammelt haben, in denen wir Teil der Revolution geworden sind. Unzählige von uns haben die Mühen, den Schmerz und die Freude der Menschen in Nord- und Ostsyrien kennengelernt – und es müssen und werden noch viele mehr werden. Dafür müssen wir Verantwortung übernehmen, erzählen, Menschen miteinander in Kontakt bringen, Delegationen organisieren und Partnerschaften aufbauen.

* Nûdem Derya ist nicht der richtige Name der deutschen Internationalistin, die diesen Meinungsartikel verfasst hat. Sie möchte anonym bleiben und schreibt deshalb unter einem Pseudonym.

 

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Komelgeh: Der Weg in die Schutzlosigkeit der ezidischen Gemeinschaft

QSD-Sprecher Şami: „Die Lage ist äußerst gefährlich“

Şengal-Konferenz: Genozidaufarbeitung und Selbstverwaltung gehören zusammen