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Türkei: Die Stadt Mûş setzt auf kommunale Gleichstellungspolitik

 


Die Stadt Mûş treibt den Ausbau von Frauenstrukturen voran – von Beratungsstellen bis zu Gleichstellungsplänen. Ziel ist es, Frauen sichtbarer zu machen und die Stadtpolitik grundlegend neu auszurichten.

„Mit Frauenperspektive neu aufbauen“
 
ANF / MÛŞ, 6. Mai 2026.

Die von der DEM-Partei geführte Stadt Mûş baut ihre kommunalen Frauenstrukturen weiter aus. Mit neuen Einrichtungen, Kooperationsprojekten und politischen Leitlinien soll die Gleichstellung auf lokaler Ebene gestärkt und die Rolle von Frauen im öffentlichen Leben sichtbar gemacht werden. Die Stadt ist in den vergangenen Monaten mit mehreren Initiativen hervorgetreten, darunter ein Frauenruhezentrum, ein Protokoll gegen geschlechtsspezifische Gewalt in Zusammenarbeit mit der Anwaltskammer sowie der Aufbau einer eigenen Abteilung für Frauenpolitik.

Teil internationaler Gleichstellungsprogramme

Einen weiteren Impuls erhielt die Entwicklung durch die Aufnahme in das Programm „Frauenfreundliche Städte – 3“, das mit Unterstützung des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) und des türkischen Gemeindeverbands TBB umgesetzt wird. Nach der Unterzeichnung der Projektvereinbarung im September 2025 beteiligt sich Mûş seither an einem überregionalen Austausch zu kommunaler Gleichstellungspolitik. Die Koordinatorin der städtischen Abteilung für Frauenpolitik, Işık Akman, nahm in diesem Rahmen an einem hochrangigen Workshop in Ankara teil und stellte dort die bisherigen Maßnahmen sowie geplante Schritte vor.

Işık Akman

„Frauen sollen sichtbar werden“

Im Zentrum des Projekts stehe die stärkere Präsenz von Frauen im öffentlichen Raum, sagte Akman. „Unser Ziel ist es, Frauen vor Ort sichtbarer zu machen und die Unsichtbarkeit, die sie im städtischen Leben erfahren, aufzubrechen“, erklärte sie. Die Auswahl von Mûş für das Programm führt sie auch auf die politischen Veränderungen in der Stadt zurück. „Mit der Übernahme der Kommune durch die DEM-Partei haben die Aktivitäten im Frauenbereich deutlich zugenommen. Dadurch ist unsere Arbeit sichtbarer geworden“, so Akman.

Zu den bisherigen Schritten zählen die Einrichtung einer Gleichstellungskommission sowie einer eigenen Einheit für Gleichstellungsarbeit. Zudem wurde ein Protokoll zum Umgang mit Gewalt gegen Frauen verabschiedet. In den kommenden Monaten soll ein lokaler Gleichstellungsplan erarbeitet werden.

Aufbau von Netzwerken und Beteiligungsstrukturen

Darüber hinaus arbeitet die Stadt den Ausbau eines Frauenrats, der verschiedene Institutionen und zivilgesellschaftliche Akteure zusammenbringen soll. Ziel sei es, bestehende Initiativen stärker zu vernetzen und neue Strukturen zu schaffen. „Wir wollen die Stadt aus einer Frauenperspektive neu aufbauen“, sagte Akman. Dabei gehe es nicht nur um das Stadtzentrum. Perspektivisch sollen auch die umliegenden Bezirke einbezogen werden. Parallel dazu führt die Stadtverwaltung regelmäßig Treffen in den Stadtteilen durch, um die Bedürfnisse und Forderungen von Frauen direkt aufzunehmen. Auch der Aufbau eines Solidaritätszentrums steht kurz vor dem Abschluss.

Gleichstellung als politisches Projekt

Akman betonte, dass die Maßnahmen Teil eines umfassenderen politischen Ansatzes seien. „Als DEM-Partei versuchen wir, die Geschlechterungleichheit in den Kommunen aufzubrechen“, sagte sie. In vielen Bereichen dominiere weiterhin die Vorstellung, Frauen auf bestimmte gesellschaftliche Räume zu beschränken. „Es gibt eine Haltung, die sagt: Frauen sollen sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern und ansonsten nicht stören. Genau diese Denkweise wollen wir überwinden“, so Akman. Die Stadt setze daher bewusst auf eigene Analysen und lokale Erfahrungen, um Projekte zu entwickeln. Grundlage seien unter anderem Feldstudien und Gespräche in den Stadtteilen.

Ziel: nachhaltige Veränderung vor Ort

Mit der Kombination aus konkreten Maßnahmen, institutionellem Aufbau und politischer Ausrichtung verfolgt die Stadt Mûş das Ziel, Gleichstellung dauerhaft in der lokalen Politik zu verankern. Nach Einschätzung der Verantwortlichen kann dies nur gelingen, wenn Frauen nicht nur als Zielgruppe von Projekten gesehen werden, sondern aktiv an Entscheidungsprozessen beteiligt sind.

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