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Protest in Kobanê gegen Arabisierung kurdischer Ortsnamen


In Kobanê kommt es zu Protesten gegen Versuche, kurdische Ortsnamen durch arabische Bezeichnungen zu ersetzen. Bewohner:innen der Stadt sprechen von einem Angriff auf Sprache, Geschichte und Identität.

Bewohner:innen verurteilen Umbenennungsversuche
 
ANF / KOBANÊ, 7. Mai 2026.

In Kobanê haben Bewohner:innen gegen Versuche protestiert, den Namen der Stadt sowie umliegender Dörfer aus dem Kurdischen ins Arabische zu ändern. In einer öffentlichen Erklärung verurteilten sie entsprechende Vorstöße als Angriff auf die kulturelle und historische Identität der Region. Die Erklärung wurde auf dem Platz der Freien Frau im Beisein zahlreicher Bewohner:innen, Studierender und Lehrkräfte der Universität Kobanê verlesen. Vorgetragen wurde sie von der Kurdisch-Dozentin Leyla Qehro.

Darin heißt es, der Name Kobanê sei „eine kulturelle und sprachliche Identität“ sowie Symbol einer Geschichte des Widerstands und der Opfer, die die Bevölkerung der Stadt für ihre Würde und Existenz gebracht habe. „Jeder Versuch, diesen Namen auszulöschen oder zu verändern, ist ein direkter Angriff auf diese Identität und unter keinen Umständen akzeptabel“, erklärten die Unterzeichner:innen.

Arabisierungspolitik

Die Erklärung verweist zugleich auf die besondere symbolische Bedeutung Kobanês für Kurd:innen in Syrien. Ortsnamen gelten in vielen Teilen Kurdistans seit Jahrzehnten als Bestandteil politischer und kultureller Auseinandersetzungen. Immer wieder wurden kurdische Namen staatlich ersetzt oder arabisiert. Die Bewohner:innen riefen deshalb die Öffentlichkeit sowie nationale und internationale Kräfte dazu auf, ihrer „moralischen Verantwortung“ nachzukommen, damit „die Stimme der Bevölkerung Kobanês gehört und ihre Identität geschützt wird“.

Delegation trifft Stadtverwaltung

Im Anschluss an die Erklärung suchte eine Delegation von Bewohner:innen das Rathaus von Kobanê auf und traf sich dort mit Vertreter:innen der Stadtverwaltung. Die Delegation erklärte, die Bevölkerung Kobanês habe seit Beginn der Revolution im Widerstand gelebt und müsse mit ihrer eigenen Sprache und Identität leben können. Die Würde der Stadt müsse durch den Erhalt der kurdischen Sprache geschützt werden.

Zugleich forderten die Teilnehmer:innen ein Ende aller Versuche, den Namen Kobanês und seiner Dörfer zu verändern. Die Bürgermeister von Kobanê, Almaz Romî, erklärte, die Bevölkerung müsse mit ihrer Sprache und kulturellen Identität leben können. Die Erklärung der Bewohner:innen werde an die Übergangsregierung weitergeleitet.

 

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