Ezid:innen protestieren gegen Rückkehr von PDK-Verwaltung nach Şengal
In Sinûnê haben zahlreiche Ezid:innen gegen Bestrebungen protestiert, die frühere PDK-nahe Verwaltung nach Şengal zurückzubringen. Die Demonstrierenden erinnerten dabei auch an das Verhalten der damaligen Verantwortlichen während des Genozids von 2014.
In der Gemeinde Sinûnê in Şengal haben Hunderte Ezid:innen gegen Versuche protestiert, die frühere PDK-nahe Verwaltung wieder in der Region einzusetzen. Zu der Demonstration hatten das Bündnis „Ezidische Sache“, die Bewegung freier ezidischer Frauen (TAJÊ), der Volksrat von Şengal sowie örtliche Kommunen aufgerufen. In einer gemeinsamen Erklärung hieß es, die frühere Verwaltung habe ihre Legitimität verloren und lediglich parteipolitische Interessen vertreten. Die Demonstrierenden lehnten eine Rückkehr dieser Strukturen nach Şengal und Sinûnê entschieden ab.
Erinnerung an den Genozid von 2014
Besonders verwiesen die Protestierenden auf die Ereignisse des 3. August 2014, als die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) einen Genozid an der ezidischen Bevölkerung verübte. In der Erklärung wurde betont, die damalige Verwaltung habe Şengal nicht geschützt und im Jahr 2017 vollständig verlassen und die Bevölkerung mit den Folgen von Krieg und Zerstörung allein gelassen. „Die Erinnerung Şengals kann nicht ausgelöscht werden. Unser Volk hat den Genozid vom 3. August 2014 nicht vergessen“, erklärte Tamir Nayîf Xelef vom Bündnis „Ezidische Sache“. Zugleich wurde auf frühere Machtmissbräuche und Rechtsverletzungen verwiesen, die bis heute großes Misstrauen innerhalb der Bevölkerung hinterlassen hätten.
Forderung nach unabhängiger Selbstverwaltung
Die Demonstrierenden forderten die irakische Zentralregierung sowie die Verwaltung von Mossul dazu auf, den politischen Willen der Bevölkerung von Şengal zu respektieren und keine politischen Vereinbarungen über die Köpfe der Menschen hinweg zu treffen. Statt einer Rückkehr früherer parteigebundener Strukturen müsse eine unabhängige Verwaltung aufgebaut werden, die sich aus den Bewohner:innen Şengals zusammensetzt. Zudem verlangten die Protestierenden eine Untersuchung der Finanzmittel Şengals seit 2011 und Aufklärung darüber, wie die vorgesehenen Budgets verwendet wurden. Zum Abschluss zogen die Teilnehmer:innen unter Parolen durch Sinûnê bis zur Kreuzung Şehîd Mam Zekî Şengalî.
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