Tausende demonstrieren in Qamişlo für kurdische Sprachrechte
In Qamişlo sind Tausende für die Anerkennung der kurdischen Sprache auf die Straße gegangen. Schüler:innen, Lehrkräfte und Bewohner:innen fordern eine Verankerung in der neuen syrischen Verfassung.
Anlässlich des Tages der kurdischen Sprache am 15. Mai sind in Qamişlo tausende Menschen am Donnerstag für die Anerkennung der kurdischen Sprache auf die Straße gegangen. Schüler:innen, Lehrkräfte, Vertreter:innen der Selbstverwaltung sowie zahlreiche Bewohner:innen beteiligten sich an dem Marsch und forderten, die Rechte der kurdischen Sprache in der neuen syrischen Verfassung fest zu verankern.
Der Demonstrationszug setzte sich am Soni-Kreisverkehr in Bewegung. Viele Teilnehmende erschienen in traditioneller Kleidung. Noch vor Beginn stimmte die Künstlerin Mizgîn Tahir gemeinsam mit Schüler:innen das Lied „Zimanê Kurdî“ an. Der Auftakt unterstrich die Bedeutung der Sprache auch kulturell.
Während des Marsches prägten Parolen wie „Ohne Sprache kein Leben“ das
Bild. Der Zug bewegte sich durch die Stadt bis zum Platz der Gefallenen,
wo die Demonstration in eine Kundgebung überging. Dort wurde zunächst
der Gefallenen gedacht, bevor Schüler:innen die kurdische Hymne „Ey
Reqîb“ sangen. In den anschließenden Redebeiträgen stand die Rolle der
Sprache im Zentrum politischer und gesellschaftlicher
Auseinandersetzungen.
Semîra Hecelî, Ko-Vorsitzende der Bildungsbehörde der Selbstverwaltung, verwies auf die Geschichte des kurdischen Sprachkampfes und die damit verbundenen Opfer: „Unsere Gefallenen haben mit ihrem Blut die Buchstaben der kurdischen Sprache geschrieben.“ Zugleich hob sie die erreichten Fortschritte hervor. Heute könnten Kinder und Jugendliche in Schulen und Universitäten auf Kurdisch lernen und arbeiten. Dies sei ein Ergebnis jahrelanger Bemühungen.

Gleichzeitig machte Hecelî deutlich, dass zentrale Forderungen weiterhin offen sind. Mit Blick auf den Integrationsprozess in Syrien erklärte sie: „Wir werden weiter dafür arbeiten, dass unsere Sprache in der Verfassung verankert wird. Weniger als zwei Stunden Unterricht pro Woche akzeptieren wir nicht.“
Auch Şêro Şero, Mitglied des Gewerkschaftsrats, griff die Forderung nach Sprachrechten auf und stellte sie in einen größeren Zusammenhang sozialer Kämpfe. Mit Bezug auf den 1. Mai sagte er: „Heute führt unser Volk den Kampf um seine legitimen Rechte, auch den Kampf um die Sprache. Als Arbeiter:innen werden wir diesen Kampf bis zum Ende fortsetzen.“ Die Kundgebung endete mit weiteren Parolen, erneut stand dabei der Satz „Ohne Sprache kein Leben“ im Mittelpunkt.
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