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PJAK fordert in London demokratische Einheit für die Zukunft Irans

 


Auf dem „Iran Freedom Congress“ in London hat der PJAK-Sprecher Rivar Abdanan zu demokratischer Einheit und einem neuen politischen Modell für Iran aufgerufen. Er betonte die Rolle von Frauen und die Rechte der Kurd:innen.

Beitrag zum „Iran Freedom Congress“
 
ANF / REDAKTION, 29. März 2026.

Der Sprecher der Partei für ein freies Leben in Kurdistan (PJAK), Rivar Abdanan, hat auf dem „Iran Freedom Congress“ in London zu einer breiten demokratischen Zusammenarbeit für die Zukunft Irans aufgerufen. In seiner per Video übermittelten Rede betonte er die Notwendigkeit einer gemeinsamen politischen Perspektive jenseits der Islamischen Republik.

Abdanan beschrieb die aktuelle Lage in Iran als tiefgreifende Krise, die zugleich von Unsicherheit und einem starken gesellschaftlichen Veränderungswillen geprägt sei. „Die Situation ist von Angst und Hoffnung zugleich bestimmt“, sagte er und verwies auf die Dynamik innerhalb der Gesellschaft.

Keine einfachen Modelle für die Zukunft

Vor diesem Hintergrund warnte er davor, bestehende politische Modelle unkritisch zu übernehmen. Stattdessen müssten Lösungen entwickelt werden, die sich an den konkreten gesellschaftlichen Realitäten in Iran orientieren. „Politische Kräfte sollten nicht einfach bestehende Systeme kopieren, sondern praktikable Lösungen für die eigenen Bedingungen entwickeln“, erklärte Abdanan.


Zugleich unterstrich der PJAK-Sprecher, dass der Sturz der Islamischen Republik allein nicht ausreiche. Entscheidend sei, bereits jetzt eine klare Perspektive für die Zeit danach zu formulieren. Gruppen, die diese Debatte aufschieben, würden kaum in der Lage sein, eine überzeugende Alternative anzubieten.

Demokratische Einheit als Voraussetzung

Ein zentraler Punkt der Rede war die Forderung nach demokratischer Einheit. Abdanan rief politische Parteien, Organisationen und gesellschaftliche Akteure dazu auf, gemeinsame Mindestprinzipien zu definieren. „Ohne Zusammenarbeit und demokratische Einheit wird es nicht möglich sein, diesen historischen Moment zu bewältigen“, sagte er. Dabei betonte Abdanan die Notwendigkeit eines offenen und pluralistischen Dialogs. Vorurteile, Ausgrenzung und politische Stigmatisierung müssten überwunden werden, um ein gemeinsames politisches Projekt zu ermöglichen.

Vielfalt als Grundlage eines neuen Systems

Mit Blick auf die gesellschaftliche Realität in Iran hob Abdanan die ethnische, kulturelle und soziale Vielfalt des Landes hervor. Unterschiedliche Gemeinschaften müssten ihre Erfahrungen und Forderungen gegenseitig besser verstehen. Das zentralistische Nationalstaatsmodell habe sich in den vergangenen Jahrzehnten als unzureichend erwiesen. Gleichzeitig sprach er sich gegen einfache Gegenmodelle aus. Weder strikte Zentralisierung noch vollständige Dezentralisierung könnten die bestehenden Probleme lösen. Stattdessen plädierte Abdanan für ein System, das auf breiter politischer Teilhabe und lokaler Selbstverwaltung basiert. Als möglichen Rahmen nannte er eine demokratische Republik, zeigte sich jedoch auch offen für föderale Modelle. „Kein politisches Thema darf tabu sein“, erklärte Abdanan und betonte die Bedeutung offener Debatten für die Entwicklung eines demokratischen Konsenses.

Frauen als Schlüssel für demokratischen Wandel

Ein Schwerpunkt seiner Rede lag auf der Rolle von Frauen. Abdanan stellte klar, dass ohne die Freiheit von Frauen keine echte Demokratie möglich sei. „Ohne die Freiheit der Frauen bleibt Demokratie bedeutungslos“, sagte er. Frauen müssten die Kontrolle über ihr eigenes Leben haben und in allen Bereichen der Gesellschaft gleichberechtigt teilnehmen können. In diesem Zusammenhang verwies er auf die Bewegung „Jin, Jiyan, Azadî“ (Frau, Leben, Freiheit) als Ausdruck eines tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandels in Iran.

Kurdische Frage als Gradmesser

Abschließend betonte Abdanan, dass die Anerkennung eines politischen Status für die Kurd:innen ein zentraler Indikator für die Demokratisierung des Landes sei. In einem System, das auf Gleichberechtigung basiert, gebe es keinen Raum für Gewalt oder bewaffnete Konflikte. Die PJAK sei bereit, sich aktiv an der Gestaltung eines neuen politischen Systems zu beteiligen, erklärte er zum Abschluss seiner Rede und bekräftigte dies mit der Losung „Jin, Jiyan, Azadî“.

Zunächst vom Kongress ausgeschlossen

Die Teilnahme der PJAK an dem Kongress war im Vorfeld zunächst verhindert worden. Obwohl die Partei ursprünglich eingeladen war, wurde ihre Vertretung ohne nähere Begründung kurzfristig aus dem Programm gestrichen. Nach Kritik und Unterstützung durch verschiedene politische Akteure wurde diese Entscheidung jedoch revidiert. Die PJAK wurde erneut eingeladen und konnte schließlich mit einem eigenen Beitrag am Kongress teilnehmen.

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