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Kollektive Landwirtschaft: Kooperative legt Aromapflanzen-Garten in Wan an

 


In Wan ist auf 5,5 Hektar ein Garten für medizinische und aromatische Pflanzen entstanden. Das Projekt verbindet ökologische Landwirtschaft mit kollektiver Produktion und soll neue Perspektiven für Einkommen und Rückkehr aufs Land schaffen.

Projekt setzt auf gemeinschaftliche Produktion
 
ANF / WAN, 31. März 2026.

In Wan (tr. Van) ist ein Projekt entstanden, das ökologische Landwirtschaft mit kollektiver Produktion verbindet: Die Landwirtschaftskooperative in der kurdischen Provinz hat gemeinsam mit der Kommune von Payîzava (Gürpınar) einen „medizinisch-aromatischen Garten“ aufgebaut. Auf einer Fläche von rund 5,5 Hektar werden künftig etwa 20 verschiedene Pflanzenarten angebaut.

Das Projekt basiert auf gemeinschaftlicher Arbeit und soll zugleich als Ausbildungsfeld dienen. Menschen, die in der Landwirtschaft tätig werden wollen, sollen hier praktische Kenntnisse erwerben und neue Produktionsformen kennenlernen. Für die Region stellt der Garten einen ersten Ansatz dieser Art dar. Mustafa Avcı, früherer Bürgermeister der Stadt Wan, der Ko-Vorsitzender der Kooperative ist, beschreibt das Vorhaben als bewussten Bruch mit bisherigen landwirtschaftlichen Strukturen: „In dieser Region wurden bislang vor allem Futterpflanzen wie Luzerne angebaut. Doch diese decken heute oft nicht einmal mehr die Kosten.“

Mustafa Avcı

Steigende Preise für Diesel, Dünger und Saatgut hätten viele Betriebe unter Druck gesetzt. In der Folge seien zahlreiche Menschen gezwungen gewesen, ihre Dörfer zu verlassen und in Städte abzuwandern. Das Projekt setzt daher auf alternative Anbauformen mit höherer Wertschöpfung. Ein Schwerpunkt liegt auf Lavendel, der bereits auf einem Teil der Fläche angebaut wird. „Die Einnahmen aus einem Hektar Lavendel können ein Mehrfaches dessen betragen, was mit herkömmlichen Pflanzen erzielt wird“, sagt Avcı. Ziel sei es, Familien ein eigenständiges Einkommen zu ermöglichen. Gleichzeitig verfolgt das Projekt einen kollektiven Ansatz. Die Arbeit auf den Feldern wird gemeinschaftlich organisiert. „Wir wollen eine Kultur der gemeinsamen Produktion stärken, in der Menschen nicht als einzelne Arbeitskräfte, sondern gemeinsam ihre Flächen bewirtschaften.“

Damit knüpft das Vorhaben an eine breitere Debatte über alternative Wirtschaftsformen an. Kooperativen sollen nicht nur die Produktion stärken, sondern auch soziale Strukturen festigen und Abhängigkeiten reduzieren. In Zeiten wirtschaftlicher Krisen könnten solche Modelle eine eigenständige Versorgung sichern. Neben der landwirtschaftlichen Produktion setzt das Projekt auch auf ökologische und touristische Effekte. Die Vielfalt an aromatischen Pflanzen soll zur Biodiversität beitragen und zugleich neue Anziehungspunkte schaffen.

„Wer Wan besucht, soll künftig nicht nur den Wan-See und historische Orte sehen, sondern auch die Lavendelfelder“, sagt Avcı. Langfristig sehen er und die übrigen Initiator:innen in dem Projekt ein Modell für die Region: Wenn es gelingt, gemeinschaftliche Produktion zu stärken und wirtschaftliche Perspektiven zu schaffen, könnten Menschen wieder verstärkt in ländliche Gebiete zurückkehren. Das Projekt versteht sich damit nicht nur als landwirtschaftliche Initiative, sondern auch als Beitrag zu einer nachhaltigen, solidarischen und lokal verankerten Ökonomie.

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