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Istanbul: Zehntausende feiern Newroz in Yenikapı


In Istanbul hat die Newroz-Feier mit Zehntausenden begonnen. Neben Musik und Govend-Tänzen prägen Reden und Botschaften zu Frieden, Freiheit und Demokratie die Veranstaltung.

„Newroz der Freiheit und demokratischen Einheit“
 
ANF / ISTANBUL, 22. März 2026.

In der westtürkische Metropole Istanbul hat auf dem Yenikapı-Platz die diesjährige Newroz-Feier mit Zehntausenden Teilnehmenden begonnen. Unter dem Motto „Newroz der Freiheit und demokratischen Einheit“ strömen weiterhin Menschen auf das Gelände, während die Stimmung mit jeder Minute an Intensität gewinnt.

Zum Auftakt der Veranstaltung wurden Parolen wie „Şehîd namirin“ gerufen, anschließend sorgten Musikgruppen sowie traditionelle Trommel- und Zurna-Klänge für eine ausgelassene Atmosphäre. Die Menge tanzte über längere Zeit Govend, während große Transparente mit Aufschriften wie „Der Imperialismus ist der Hauptfeind, die Völker sind Geschwister“ und „Es lebe die Freiheit, nieder mit der Sklaverei“ das Bild bestimmten.

Reden der Istanbuler DEM-Vorsitzenden

Zum Auftakt wandten sich die Ko-Vorsitzenden des Istanbuler Provinzverbands der DEM-Partei, Arife Çınar und Çınar Altan, an die Menge. Arife Çınar würdigte die Mobilisierung der Teilnehmenden und erklärte, die gefüllten Plätze seien Ergebnis eines langjährigen Kampfes. Sie betonte die Bedeutung des diesjährigen Newroz für die Bevölkerung der Türkei und insbesondere für die Kurd:innen. Die kurdische Bevölkerung werde seit Jahrzehnten marginalisiert, sagte Çınar.

Zugleich verwies sie auf den Anspruch eines demokratischen Zusammenlebens und kritisierte, dass trotz des vor über einem Jahr durch den kurdischen Vordenker Abdullah Öcalan eingeleiteten „Prozess für Frieden und eine demokratische Gesellschaft“ bislang keine konkreten Schritte erfolgt seien. „Sollten Staat und Regierung ernsthaft an einer Lösung interessiert sein, müssen umgehend konkrete Schritte folgen“, forderte sie.

Çınar Altan erklärte, der diesjährige Newroz könne zu einem Wendepunkt werden. Ziel sei ein gerechter Frieden und Freiheit, die weiterhin durch politischen und gesellschaftlichen Kampf erstritten werden müssten. In Richtung der Menge stellte er mehrfach Fragen, die von den Anwesenden mit Zustimmung beantwortet wurden. Zugleich wurde die Freiheit von Abdullah Öcalan sowie weiterer politischer Gefangener gefordert.

Botschaft vom Bündnis für Arbeit, Frieden und Demokratie

Im weiteren Verlauf wurde eine Erklärung des Bündnisses für Arbeit, Frieden und Demokratie verlesen. Darin wurde Newroz als Symbol für Widerstand, Hoffnung und Gleichheit beschrieben. Kritisiert wurden insbesondere Kriege, Armut, Diskriminierung sowie politische Repression. Auch regionale Entwicklungen wurden thematisiert: Die Erklärung verurteilte Angriffe auf Kurd:innen und Alawit:innen in Syrien sowie militärische Interventionen in der Region.

Zugleich wurde betont, dass Lösungen nicht durch Krieg, sondern durch Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und demokratische Prozesse erreicht werden müssten. Darüber hinaus wurde auf soziale und wirtschaftliche Probleme in der Türkei verwiesen. Steigende Lebenshaltungskosten, Einschränkungen von Gewerkschaftsrechten sowie Eingriffe in demokratische Prozesse wurden kritisiert.

Botschaft von Özgür Özel

Im Rahmen der Veranstaltung wurde zudem eine Botschaft des CHP-Vorsitzenden Özgür Özel verlesen. Darin stellte er Newroz als Symbol für Erneuerung, Zusammenhalt und Hoffnung dar. Özel erklärte, in jedem entzündeten Newroz-Feuer und in jedem gemeinsamen Tanz komme der Wille zum Ausdruck, die Vergangenheit nicht zu vergessen und zugleich an eine gemeinsame Zukunft zu glauben. Die Bevölkerung sei nicht des Widerstands müde, wohl aber der anhaltenden Konflikte, Polarisierung und Ausgrenzung. „Um die Last dieses dunklen Winters abzuschütteln, gibt es nur einen Weg: den Frieden“, hieß es in der Botschaft.

Mit Verweis auf die aktuelle Lage betonte Özel, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt und Solidarität entscheidend seien. Wer angesichts von Leid und Gewalt – etwa in Syrien – Gleichgültigkeit oder Schadenfreude zeige, stelle sich außerhalb dieser gemeinsamen Werte. Zugleich unterstrich er die Position seiner Partei gegen Gewalt und für eine politische Lösung. Versuche, die Gesellschaft zu spalten oder Konflikte zwischen Bevölkerungsgruppen zu schüren, wies er zurück. Stattdessen müsse ein gleichberechtigtes Zusammenleben auf Grundlage von Demokratie und Gerechtigkeit gestärkt werden.

Özel kritisierte zudem politische Entwicklungen in der Türkei, darunter Eingriffe in demokratische Prozesse sowie die anhaltende Praxis von Zwangsverwaltungen in kurdischen Kommunen. Die Hoffnungen auf Frieden dürften nicht zum Gegenstand politischer Taktik werden. Abschließend betonte er, dass ein gemeinsames Leben in Würde und Gleichberechtigung möglich sei: „Es gibt keinen Ausweg allein – entweder gemeinsam oder gar nicht.“

Breites Programm geboten

Das Programm in Yenikapı dauert an. Neben Reden, die unter anderem vom AABF-Vorsitzenden Hüseyin Mat, der TJA-Aktivistin Sebahat Tuncel, Öcalans Ex-Mitgefangenem Çetin Arkaş, der DEM-Vorsitzenden Tülay Hatimoğulları, ihrer Fraktionskollegin Meral Danış Beştaş kommen sollen, sind auch musikalische Beiträge des Sängers Suavi und der Band Koma Amed sowie das Entzünden des Newroz-Feuers angekündigt.

 

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