Alkoholverbot in Damaskus – worum es wirklich geht!


Die aktuelle Debatte dreht sich nicht um Alkohol. Sondern darum, wer darüber entscheidet, wie Menschen in Syrien leben sollen – und mit welcher Legitimation. 


Erst Bademode. Dann Make-up im öffentlichen Dienst, Aktmalerei an der Kunsthochschule – und jetzt Alkohol in der Hauptstadt.

Die Stadt Damaskus verbietet Restaurants den Verkauf von Alkohol, Spirituosenläden schließen – außer in drei mehrheitlich christlichen Vierteln. Kein komplettes Verbot, aber ein klares Signal.

Es geht um Macht. Und um das Austesten von Grenzen. Darum, wie weit sich gesellschaftliche Normen verschieben lassen und die Vorstellungen der neuen Machthaber hingenommen werden. Wo es Widerstand gibt – und wo nicht. 

“Solche Entscheidungen schaffen keine Lösungen für die vielen drängenden Probleme des Landes. Sie greifen stattdessen in Freiheiten ein – und trennen entlang religiöser Linien. Uns sind diese Muster aus unserer Zeit in Idlib unter HTS bekannt” (Partnerin aus Idlib).

Syrien war immer vielfältig. Diese Vielfalt wird gerade neu verhandelt – aber nicht auf Augenhöhe.

Wo ist die demokratische Legitimation für solche Entscheidungen? Und wo bleiben die Reformen von Übergangsjustiz und politischer Teilhabe, die überhaupt erst die Grundlage für Beschlüsse schaffen würden, die die tatsächlichen Wünsche der Bevölkerung widerspiegeln?

Wie soll das neue Syrien aussehen?  Pluralistisch oder religiös-konservativ? Offen oder staatlich reguliert bis ins Private?

Die aktuelle Debatte dreht sich nicht um Alkohol. Sondern darum, wer darüber entscheidet, wie Menschen in Syrien leben sollen – und mit welcher Legitimation. 

 

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