Gefangenenaustausch: 300 Verschleppte in Hesekê freigelassen
In Hesekê sind 300 während der Januar-Offensive verschleppte Personen freigelassen worden. Unter ihnen befinden sich Zivilisten und Kämpfer. Familien fordern Aufklärung über Hunderte weiterhin Vermisste.
Im Rahmen eines Gefangenenaustauschs zwischen den Demokratischen Kräften Syriens (QSD) und der syrischen Übergangsregierung sind in Hesekê 300 Gefangene am Donnerstag freigelassen worden. Sie wurden am Abend im Norden der Stadt von Angehörigen sowie Vertreter:innen der Selbstverwaltung empfangen.
Die Freigelassenen stammen aus verschiedenen Regionen Nord- und Ostsyriens, darunter Hesekê, Qamişlo, Kobanê, Efrîn, Deir ez-Zor, Şedadê und Aleppo. Sie waren im Januar während der Offensive gegen die Selbstverwaltung von Truppen und Milizen der Übergangsregierung verschleppt worden. Nach den veröffentlichten Namenslisten handelt es sich offenbar ausschließlich um Männer. Neben Zivilisten befindet sich unter den Freigelassenen auch eine erhebliche Zahl von Kämpfern der QSD und der Asayîş.
An der Empfangszeremonie nahmen hochrangige Vertreter:innen der
Selbstverwaltung teil, darunter der Gouverneur von Hesekê, Nûredîn Îsa
Ehmed, der stellvertretende Kommandant der inneren Sicherheitskräfte,
Mehmûd Xelîl, sowie die Asayîş-Kommandantin Nesrîn Abdullah.
Die Freilassung erfolgte auf Grundlage eines Abkommens, das am 29. Januar zwischen den QSD und der syrischen Übergangsregierung geschlossen worden war. Danach werden Gefangene wechselseitig freigelassen. Auch die QSD übergaben im Rahmen der Vereinbarung eine entsprechende Zahl von Inhaftierten an die Gegenseite. Dies sei Teil laufender Bemühungen zur Lösung der „Gefangenenfrage“, erklärte Mehmûd Xelîl. Bereits am 10. März war eine erste Gruppe von 100 Geiseln freigelassen worden.
Zahlreiche weitere Menschen noch vermisst
Trotz der aktuellen Freilassungen bleibt die Lage für viele Familien ungeklärt. Angehörige fordern weitere Schritte, insbesondere die Freilassung aller Verschleppten sowie Aufklärung über das Schicksal der Vermissten. Mehrere hundert, möglicherweise sogar mehrere tausend Menschen aus Rojava gelten weiterhin als verschollen. Unter ihnen sind auch die Kölner Journalistin Eva Maria Michelmann und ihr kurdischer Kollege Ahmed Polad.
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