Autonomierat von Şengal berät über Einheit, Reformen und politische Zukunft
In Şengal hat der Demokratische Autonomierat seinen sechsten Kongress eröffnet. Im Zentrum stehen Einheit innerhalb der ezidischen Gesellschaft, institutionelle Reformen und der Umgang mit regionalen Konflikten.
Der Demokratische Autonomierat Şengals (MXDŞ) veranstaltet an diesem Samstag seinen sechsten ordentlichen Kongress. Die Zusammenkunft tagt unter der Losung „Einheit, Freiheit und Lösung“ und wird in einer Veranstaltungsstätte im Kersê-Tal in Şengal abgehalten. Auch wenn es sich formal um einen regulären Kongress handelt, wird er als ein Treffen mit besonderer politischer Bedeutung bewertet. Hintergrund sind die kriegsbedingte Lage im Nahen Osten sowie geplante Änderungen am Gesellschaftsvertrag Şengals. Rund 250 Delegierte aus politischen, gesellschaftlichen und zivilen Strukturen nehmen teil. Neben Vertreter:innen der Selbstverwaltung sind auch Frauen- und Jugendbewegungen, Stammesrepräsentanten sowie verschiedene Parteien und Initiativen aus Şengal beteiligt.
Fokus auf Wandel und Neuorientierung
Zur Eröffnung betonte der Ko-Vorsitzende des MXDŞ, Nayif Şemo, die Notwendigkeit von Veränderungen. Die Autonomieverwaltung sei seit ihrer Gründung 2015 als Antwort auf staatliches Versagen aufgebaut worden. „Wir haben unsere eigenen gesellschaftlichen und demokratischen Strukturen geschaffen“, sagte er. Zugleich verwies er auf bestehende Probleme im Verhältnis zum irakischen Staat und betonte, dass Anpassungen notwendig seien. Der Kongress solle dazu beitragen, die politische, gesellschaftliche und auch militärische Einheit der ezidischen Bevölkerung zu stärken.
Nayif Şemo
Einheit als zentrale Botschaft
Auch in den Beiträgen von gesellschaftlichen Vertreter:innen wurde die Bedeutung von Einheit hervorgehoben. In einer Botschaft der Familien von Gefallenen hieß es, viele junge Ezid:innen hätten ihr Leben für die Verteidigung Şengals gegeben. „Unsere Hoffnung ist die Einheit und der Erfolg unseres Volkes“, betonte Dayê Pakîz in einer verlesenen Erklärung.
Rolle der Frauenbewegung
Die Sprecherin der ezidischen Frauenbewegung TAJÊ, Riham Hico, unterstrich die Bedeutung des Kongresses angesichts der anhaltenden Konflikte in der Region. „Wir sind hier zusammengekommen, um unsere eigene Lösung zu diskutieren“, sagte sie. In den vergangenen zehn Jahren sei sowohl militärisch als auch politisch ein umfassender Widerstand aufgebaut worden. Zugleich betonte sie die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft: „Wir sind unserem Volk, den Kindern der Gefallenen und ihren Familien verpflichtet.“ Hico erklärte, der Kampf für ein freies Şengal, eine freie Gesellschaft und die Freiheit der Frauen werde fortgesetzt. Dabei gehe es auch um die Einheit der Ezid:innen über Şengal hinaus, etwa in Rojava, Nordkurdistan und Südkurdistan.
Riham Hico
Ausblick auf politische Entscheidungen
Im weiteren Verlauf des Kongresses werden neben strukturellen Fragen auch politische Perspektiven diskutiert. Dazu zählen mögliche Anpassungen des Gesellschaftsvertrags sowie Fragen der Beziehung zum irakischen Staat im Rahmen einer demokratischen Integration. Zudem werden Botschaften aus der ezidischen Diaspora sowie aus verschiedenen politischen Strukturen verlesen. Auch Videobotschaften verschiedener Politiker:innen wurden an den Kongress übermittelt und sollen im weiteren Verlauf abgespielt werden.
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