Direkt zum Hauptbereich

8. März in Rojava: Frauen fordern Freilassung von Gefangenen


Zum Internationalen Frauentag haben Frauen in mehreren Städten Rojavas demonstriert. Bei Kundgebungen in Kobanê, Qamişlo, Hesekê und Dêrik forderten sie die Freilassung von Verschleppten. Die SPD-Dellbrück in Köln sandte eine Solidaritätsbotschaft.

Grußbotschaft von Kölner SPD-Ortsgruppe
 
ANF / REDAKTION, 8. März 2026.

Anlässlich des Internationalen Frauenkampftags sind in auch in den Gebieten der nordostsyrischen Selbstverwaltung tausende Frauen zu Demonstrationen und Kundgebungen zusammengekommen. Bei größeren Veranstaltungen, die in Kobanê, Qamişlo, Hesekê und Dêrik stattgefunden haben, forderten sie unter anderem die Freilassung von Gefangenen aus den Reihen der Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) sowie den Schutz der Errungenschaften der Frauenrevolution von Rojava. Im Zuge der Januar-Offensive der syrischen Übergangsregierung gegen die Selbstverwaltung waren hunderte Kämpfer:innen und Zivilist:innen von Damaszener Truppen und Milizen entführt worden. Mindestens 1.070 von ihnen befinden sich nach wie vor in syrischen Gefängnissen.

Kundgebung in Kobanê

In Kobanê versammelten sich Frauen aus der Stadt und den umliegenden Regionen zu einem Demonstrationszug. Unter dem Motto „Frauen schützen die Revolution von Rojava“ zogen die Teilnehmerinnen durch die Stadt und riefen Parolen wie „Jin, Jiyan, Azadî“ sowie „Es lebe der Widerstand der Frauenverteidigungseinheiten“. Die Demonstration mündete anschließend in eine Kundgebung, bei der zunächst eine Botschaft des kurdischen Repräsentanten Abdullah Öcalan zum 8. März verlesen wurde.


Die Aktivistin Rûken Ehmed erklärte anschließend in einer Rede, der 8. März sei ein Tag des Widerstands gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit. „Unser heutiges Zusammenkommen verdanken wir den Opfern der Gefallenen“, sagte sie. Zugleich forderte sie die Freilassung aller Verschleppten. Auch Vertreterinnen der Angehörigen der Gefangenen verlangten ihre sofortige Freilassung. Die Kundgebung endete mit Theateraufführungen, Gedichten und revolutionären Liedern.

Proteste in Dêrik

Auch in Dêrik organisierten Frauen eine Kundgebung. Zu der Aktion hatte die kurdische Frauenbewegung Kongra Star aufgerufen. Die Teilnehmerinnen versammelten sich im Jugendzentrum der Stadt. Dort erklärte die Ko-Vorsitzende der Partei der Demokratischen Union (PYD), Perwin Yûsif, Frauen hätten während der Revolution von Rojava in vielen Bereichen entscheidende Errungenschaften erkämpft. Diese müssten nun geschützt werden. „Wir begehen den 8. März in einer sensiblen Phase für Syrien und die gesamte Region“, sagte sie. Zugleich forderte sie die Übergangsregierung auf, die gefangenen Kämpfer:innen und Zivilist:innen freizulassen.


Gruß aus Köln nach Qamişlo

In Qamişlo organisierte Kongra Star eine Kundgebung in einer Sporthalle nahe dem Stadion. Ursprünglich war dort eine größere Feier geplant gewesen, doch angesichts der jüngsten Angriffe auf die Region wurde die Veranstaltung in eine Protestaktion umgewandelt. Neben der Botschaft von Abdullah Öcalan zum 8. März wurde auch eine Solidaritätserklärung aus Deutschland verlesen. Darin übermittelte Thomas Mildenberger, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Köln-Dellbrück, im Namen der Kölner SPD-Delegation seine Grüße an die Frauen in Rojava. In der Botschaft würdigte er den Widerstand und die Rolle der Frauen in Nordostsyrien:


„Mit großem Respekt blicke ich auf Ihren Mut, Ihre Entschlossenheit und Ihre Stärke. Unter schwierigsten Bedingungen haben Sie nicht nur Ihre Heimat verteidigt, sondern auch für Freiheit, Gleichberechtigung und Würde gekämpft. Ihr Einsatz gegen Terror und Unterdrückung war zugleich ein Kampf für die Rechte der Frauen und für eine gerechtere Gesellschaft. Ihr Engagement zeigt der Welt, dass Frauen nicht nur Opfer von Konflikten sind, sondern auch starke Gestalterinnen von Frieden, Demokratie und sozialer Gerechtigkeit.

Am heutigen Tag denken wir auch an die Frauen in Rojava und in Syrien, die wegen ihres Einsatzes für Freiheit und Gerechtigkeit festgenommen wurden oder verschwunden sind. Wir hoffen, dass alle zu Unrecht festgehaltenen Frauen bald ihre Freiheit wiedererlangen und sicher zu ihren Familien zurückkehren können. Ich wünsche Ihnen Kraft, Sicherheit und internationale Solidarität auf Ihrem weiteren Weg.“


Kundgebung in Hesekê

Auch in Hesekê gingen Frauen zum 8. März auf die Straße. Hunderte Teilnehmerinnen versammelten sich im städtischen Stadion und machten in einer Kundgebung auf das Schicksal der Gefangenen und Verschleppten aufmerksam. Die Frauen trugen Bilder von vermissten Angehörigen und Banner mit Forderungen nach ihrer Freilassung. In Redebeiträgen wurde betont, dass die Freilassung der Gefangenen Teil der Vereinbarungen zwischen den QSD und der Übergangsregierung sei und umgesetzt werden müsse. Mehrere Rednerinnen erklärten, der Kampf für Frauenrechte, Demokratie und Frieden werde fortgesetzt, bis die Gefangenen freigelassen und die Errungenschaften der Frauenbewegung gesichert seien.

 

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Carla del Ponte: Erdoğan sollte angeklagt werden

Kobanê: Bewaffneter Selbstschutz der Bevölkerung

Rückkehr nach Afrin: Warum ein Abkommen allein noch keinen Frieden schafft