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QSD-Kommandant Sîpan Hemo spricht im Interview über das Abkommen mit Damaskus

 


QSD-Kommandant Sîpan Hemo spricht im Interview über das Abkommen mit Damaskus, die Belagerung von Kobanê, regionale Machtkämpfe und die politische Zukunft Rojavas und betont: Die Anerkennung der kurdischen Identität ist erst der Anfang.

QSD-Kommandant Sîpan Hemo
 
ANF / HESEKÊ, 6 Feb. 2026.

Im Gespräch mit ANF äußert sich Sîpan Hemo, Mitglied des Generalkommandos der Demokratischen Kräfte Syriens (QSD), zum Abkommen zwischen der Selbstverwaltung in Rojava und der syrischen Übergangsregierung in Damaskus. Hemo betont, dass das Abkommen darauf abziele, die in 14 Jahren unter großen Opfern erkämpften Errungenschaften der Kurd:innen in Rojava abzusichern und die Grundlage für deren politische Anerkennung zu schaffen. Die Vereinbarung solle stufenweise umgesetzt werden, beginnend mit einem Waffenstillstand und der Sicherung der Verteidigungsstellungen, gefolgt von der Stationierung Innerer Sicherheitskräfte sowie der institutionellen Integration. Hemo spricht zudem über die Rolle der Türkei, geopolitische Machtkonflikte und die Bedeutung des kurdischen Widerstands.


Die Delegation aus Damaskus hat kürzlich Kobanê, Hesekê und zuletzt Qamişlo besucht. Auf welcher Ebene ist das erzielte Abkommen derzeit einzuordnen?

Wir durchlaufen in Rojava und ganz Syrien eine äußerst sensible und historisch bedeutsame Phase. Der Widerstand, den unsere Kämpfer:innen wie auch unsere Bevölkerung über einen Zeitraum von 14 Jahren unter großen Opfern geführt haben, hat uns an diesen Punkt gebracht. Das nun erzielte Abkommen ist das Ergebnis genau dieser Opferbereitschaft und von entscheidender Bedeutung.

Unser Ziel bleibt es, den Freiheitskampf in Rojavayê Kurdistanê auf der Grundlage der kurdischen Selbstbestimmung weiterzuführen. Dieser Schritt hat für uns daher eine besondere Tragweite, denn er ist nicht aus dem Nichts und nicht ohne Preis entstanden. Die Welt weiß: Tausende haben dafür ihr Leben gegeben. In dieser Region Kurdistans wurde ein beispielloser Widerstand gegen sämtliche angreifende und feindliche Kräfte geleistet – und dieser hat nun konkrete politische Ergebnisse hervorgebracht.

Im Kern schafft dieses Abkommen die Grundlage für die politische Anerkennung der kurdischen Existenz. Aus diesem Grund ist dieser Schritt für uns essenziell. Die jahrelange Arbeit und der Einsatz unserer Bevölkerung in Rojava haben sich in diesem Prozess in ein konkretes Ergebnis verwandelt. Zugleich ist das Abkommen nicht als endgültige Lösung zu verstehen, vielmehr stellt es einen Beginn dar: den Auftakt eines politischen Prozesses, der auf die Schaffung eines fundierten Rahmens für die Anerkennung und Absicherung der kurdischen Identität zielt.

Die schwere Belagerung von Kobanê dauert mittlerweile über zwei Wochen an. Laut Abkommen hätte sie bereits aufgehoben werden müssen. Weshalb ist das bislang nicht geschehen?

Wie angekündigt, wird das Abkommen schrittweise umgesetzt. In der ersten Phase soll ein Waffenstillstand zwischen den Konfliktparteien etabliert werden. Danach erfolgt ein gestaffelter Rückzug der militärischen Kräfte, gefolgt von der Stationierung der Inneren Sicherheitskräfte Asayîş. Erst nach Abschluss dieser Maßnahmen beginnt die zweite Phase, nämlich die schrittweise Integration der Institutionen und zivilen Strukturen Rojavas.

Die Umsetzung dieser Vereinbarung hat bereits begonnen: In den vergangenen Tagen wurde mit der praktischen Umsetzung in Hesekê und Qamişlo. Dieser Prozess wird derzeit von den Asayîş durchgeführt. Auch in Kobanê wird das Abkommen zur Anwendung kommen. Natürlich ist die Lage dort seit Beginn der jüngsten Eskalation besonders angespannt, da die Stadt von Anfang an unter schwerem Beschuss stand und vollständig eingeschlossen wurde, was sie von anderen Regionen unterscheidet.

Der Widerstand der Kämpfer:innen der QSD, YPG und YPJ in Kobanê hat Geschichte geschrieben. Sie haben dem Gegner keinen Zentimeter Boden gelassen, insbesondere nicht in Richtung der umliegenden Dörfer. Auch die gegnerische Seite wusste, dass ein Vordringen in Kobanê nicht einfach durchzusetzen ist, deshalb wählte sie die Strategie der vollständigen Einkesselung. Ziel war es, Kobanê vom restlichen Rojava zu isolieren. Diese Blockade besteht bis heute. Dennoch bin ich überzeugt, dass die Belagerung in naher Zukunft – im Rahmen des laufenden Abkommens – aufgehoben wird.

Welche Rolle spielte der türkische Staat seit Beginn der Angriffe am 6. Januar – sowohl im militärischen Geschehen als auch im Kontext des Abkommens mit Damaskus und der diplomatischen Verhandlungen?

Wir haben mehrfach betont, dass die feindliche Haltung der Türkei nicht nur den aktuellen Entwicklungen geschuldet ist. Sie richtet sich seit Beginn der Rojava-Revolution gegen die Errungenschaften in Rojava und gegen das kurdische Volk insgesamt, und das nunmehr seit rund 15 Jahren unverändert. Der türkische Staat ist zweifellos ein einflussreicher Akteur in der Region. Dennoch haben wir von Anfang an klargestellt, dass von unserer Seite keinerlei Bedrohung ausgeht. Doch die Türkei hat den kurdischen Freiheitskampf stets als Gefahr für ihre eigenen Interessen betrachtet und entsprechend darauf reagiert.

Die Rolle der Türkei wurde besonders deutlich während der Angriffe auf Şêxmeqsûd im Januar. Dort war eine ganze Reihe von ihr unterstützter oder direkt gelenkter Akteure im Einsatz – von paramilitärischen Strukturen bis hin zu bewaffneten Söldnergruppen. Türkische Aufklärungsdrohnen waren rund um die Uhr im Luftraum aktiv und bombardierten die Stellungen unserer Kräfte. Es ist völlig offensichtlich, dass die Türkei in diesen Prozess direkt involviert war. Kein einziger Schritt geschah ohne ihr Wissen.

Seit den Ereignissen in Şêxmeqsûd und Dair Hafir ist die Türkei nicht nur indirekt beteiligt, sondern nimmt eine führende Rolle in der Steuerung des Geschehens ein. Sie übt erheblichen Einfluss auf bewaffnete Gruppen wie „Syrische Nationalarmee“ (SNA) und andere irreguläre Kräfte aus, darunter etwa die Milizen „Al-Amshat“ und „Furqat al-Hamza“, die in direkter Abhängigkeit zur Türkei stehen. Diese Gruppen waren von Anfang an maßgeblich an der Belagerung und den Angriffen auf Aleppo beteiligt und sind es bis heute.

Es wäre jedoch zu kurz gegriffen, die Verantwortung ausschließlich bei der Türkei zu suchen. Der gesamte Prozess ist Teil eines umfassenden regionalen Konzepts, in dem zahlreiche staatliche und nichtstaatliche Akteure involviert sind. Ziel war es, eine geopolitische Neustrukturierung Syriens, insbesondere Rojavas, herbeizuführen. Eine Vielzahl internationaler und regionaler Mächte spielte in den Angriffen eine Rolle. Unsere demokratische Vision für Syrien geriet ins direkte Fadenkreuz dieser Kräfte.

Diese hegemonialen Akteure streben gezielt danach, Instabilität und Widersprüche zu erzeugen, um daraus politisches Kapital zu schlagen. Durch die bewusste Förderung sektiererischer und ethnischer Spannungen versuchen sie, ihre Macht zu sichern und ihre Präsenz zu rechtfertigen. Die Erzählung vom „unlösbaren Konflikt zwischen den Komponenten“ ist eines ihrer stärksten Instrumente.

Trotz aller Widrigkeiten setzen wir unseren Kampf in Westkurdistan mit einem klaren politischen Bewusstsein und einer kohärenten Linie fort. Unser Ziel ist ein Syrien, in dem Frieden, Demokratie und Verständigung dominieren. Doch gerade diese Werte stehen im Widerspruch zu den Interessen der kolonialistischen und hegemonialen Mächte. Daraus ergibt sich die gegenwärtige Eskalation: Sie ist Ausdruck eines breit angelegten Komplotts gegen den Willen der Völker dieser Region.

Heute wird zwar öffentlich die Notwendigkeit kurdischer Anerkennung betont, doch gleichzeitig versuchen dieselben Kräfte, diese Anerkennung nach ihren eigenen Interessen zu formen. Zwischen den relevanten Mächten der Region scheint es eine Übereinkunft gegeben zu haben, auf deren Grundlage eine neue, breit angelegte Angriffswelle insbesondere auf Rojava entfesselt wurde.

Einige Beobachter:innen werten den Rückzug der Demokratischen Kräfte Syriens aus arabisch geprägten Gebieten wie Raqqa, Deir ez-Zor und Tabqa als Niederlage, andere wiederum als strategische Entscheidung. Wie bewerten Sie diesen Schritt?

Diese Frage ist von grundlegender Bedeutung. Gemeinsam mit der Internationalen Anti-IS-Koalition haben wir einen entschlossenen und opferreichen Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS) geführt. Dank des selbstlosen Einsatzes unserer Kämpfer:innen konnte der IS in Nord- und Ostsyrien sowie im gesamten Land entscheidend zurückgedrängt werden. Daraus ergab sich eine neue Chance für den Aufbau eines demokratischen Bewusstseins und für die Stärkung demokratischer Kräfte in ganz Syrien.

Seit dem Jahr 2016 – konkret seit dem Kampf um Minbic – haben wir in arabischen Gebieten aktiv Verantwortung übernommen. Natürlich gab es dabei auch Defizite. Wir stellen uns offen unserer Verantwortung und hinterfragen unsere Fehler sowohl auf gesellschaftlicher, organisatorischer als auch militärischer Ebene. Wir weichen der Kritik nicht aus, im Gegenteil: Wir betrachten es als unsere Pflicht, Rechenschaft gegenüber der Bevölkerung abzulegen. Das ist Ausdruck unseres politischen Bewusstseins.

Tatsächlich jedoch wurde hier ein systematisch vorbereitetes Komplott in Gang gesetzt. Ziel war es, einen neuen, langanhaltenden Krieg zwischen Kurd:innen und Araber:innen zu entfachen: ein Konflikt, der auf gegenseitigen Massakern beruht und keine Ruhe kennt. Über ein Jahr lang wurde an diesem Plan gearbeitet. Arabische Stämme wurden gezielt provoziert, gegen sie wurden psychologische Operationen und Spezialkriegsmethoden eingesetzt. Trotz wiederholter Warnungen wurde die Gesellschaft schrittweise in diese Falle gelockt.

Wir standen nicht einer regulären Armee gegenüber, diese war kaum präsent. Vielmehr war es ein gezielter innergesellschaftlicher Zersetzungsmechanismus, der aufgebaut worden war. Die Bevölkerung selbst begann, sich gegen die bestehenden Strukturen zu wenden. In einer solchen Lage standen wir vor der Entscheidung: militärische Konfrontation oder Rückzug. Wir haben uns bewusst für den Rückzug entschieden, um mögliche Massaker zu verhindern. Diese Entscheidung wurde zwar heftig kritisiert – und wird es weiterhin –, doch sie war notwendig.

Wir nehmen die Kritik unseres Volkes ernst und begegnen ihr mit ehrlicher Selbstreflexion. Doch man darf nicht übersehen, dass hinter dieser Dynamik auch böswillige politische Agenden und Formen der psychologischen Kriegsführung standen. Ziel war es, die kurdische Bewegung und ihre 50-jährige Geschichte zu delegitimieren. Eine solche Herangehensweise, die unsere jahrzehntelangen Errungenschaften negiert, ist nicht nur falsch, sie ist eine Beleidigung.

Es wurde bewusst der Eindruck erzeugt, als sei ein halbes Jahrhundert Widerstand auf einen Schlag zunichtegemacht worden. Doch das Gegenteil ist der Fall: In Rojavayê Kurdistanê wurde ein bedeutender Durchbruch erzielt. Zum ersten Mal seit Jahrhunderten werden die kurdische politische Identität und Willensbildung auch auf internationaler Bühne anerkannt. Im Europäischen Parlament, im US-Kongress – überall wird über die Kurd:innen gesprochen. Die Welt beginnt, die Existenz und Rechte der Kurd:innen zu akzeptieren. Und das ist allein dem bewussten Widerstand der QSD-Kämpfer:innen und dem Opfer von über 14.000 Gefallenen zu verdanken.

Ohne diesen Widerstand, ohne dieses Maß an Entschlossenheit, wäre heute niemand in der Lage, über die Errungenschaften der Kurd:innen in Rojava zu sprechen. Westkurdistan ist heute trotz seiner geografisch kleinen Ausdehnung einer der wichtigsten Bezugspunkte der kurdischen politischen Identität weltweit. Unsere Kräfte haben sich dem syrischen Regime, dem IS und den von der Türkei gesteuerten Milizen gleichermaßen entgegengestellt. Die Gefallenen auf den Frontlinien sind nicht für Geld oder persönliche Interessen in den Kampf gezogen. Sie waren getragen von einer Überzeugung – von den Ideen Rêber Apos [Abdullah Öcalan]. Diese Realität muss gesehen und anerkannt werden.

Die Rojava-Revolution ist untrennbar mit der politischen Philosophie Abdullah Öcalans verbunden. Nach den jüngsten Angriffen haben nationalistische Kreise und Akteure der Spezialkriegsführung verstärkt das Paradigma der Demokratischen Nation und der Völkerverständigung ins Visier genommen. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?

Wir verstehen uns als Widerstandskämpfer:innen und Verteidiger:innen des kurdischen Volkes. Unser Kampf begann mit dem Ziel, die Freiheit und Rechte der Kurd:innen zu verwirklichen – ein Ziel, für das Tausende ihr Leben gegeben haben. Diese Opfer wurden nicht nur von den Kämpfer:innen, sondern auch von der kurdischen Bevölkerung selbst und ihrer politischen Führung erbracht. Unsere Wurzeln liegen in Kurdistan, unser Fundament ist das kurdische Volk.

Die Kurd:innen verfügen über eine eigene, unverwechselbare gesellschaftliche Identität. Sie kennen keine Unterdrückung oder Tyrannei. Ihr Streben ist auf Freiheit ausgerichtet, nicht auf Vorherrschaft. Sie wollen niemanden beherrschen, sondern streben danach, in guten nachbarschaftlichen Beziehungen mit anderen Völkern zu leben. Auch heute, in dem Moment, in dem die Kurd:innen beginnen, eine politische Willensbildung zu etablieren, liegt ihr Ziel nicht in Konfrontation, sondern in friedlicher Koexistenz. Deshalb betrachten wir die aktuellen Entwicklungen nicht durch das Prisma von „Sieg“ oder „Niederlage“. Es geht nicht um kurzfristige Erfolge, sondern um einen langfristigen Weg. Wir haben eine bestimmte Methode und Herangehensweise entwickelt und ja; zweifellos können darin Fehler unterlaufen. Doch wenn es taktische Schwächen gibt, bedeutet das nicht, dass die Grundidee falsch wäre.

Die Geschichte der Menschheit war über Jahrhunderte hinweg von Spaltung, Herrschaft und Feindschaft geprägt. Unser Weg hingegen basiert auf einem Konzept, das die gemeinsamen Werte der Menschheit in den Mittelpunkt stellt: ein Gegenentwurf zu einem System, das auf ethnischer Trennung und sektiererischem Hass aufbaut. Dieses Denken ist es, was heute ins Fadenkreuz derer geraten ist, die von Spaltung profitieren.

Zwischen den offiziellen Erklärungen der syrischen Übergangsregierung und dem Vorgehen Ihrer Kräfte bestehen offensichtlich Differenzen, insbesondere im militärischen Bereich. Während Sie betonen, dass sich die QSD brigadeweit integrieren werden, spricht Damaskus von Einzelüberprüfungen der Kämpfenden. Auch zu Themen wie Grenzkontrollen, Bildung und kommunaler Verwaltung kursieren widersprüchliche Aussagen. Woher rühren diese Unstimmigkeiten?

Solche Unterschiede in der Darstellung sind grundsätzlich möglich, hin und wieder treten solche Abweichungen auf. Ich kann jedoch mit Sicherheit sagen, dass das Abkommen zwischen uns und dem Regime in Damaskus sowie die dazugehörigen offiziellen Erklärungen inhaltlich kohärent sind. Es gibt lediglich ein offenes Detail bezüglich der Kontrolle der Straße zwischen Kobanê und Til Temir, dort ist noch nicht abschließend geklärt, ob diese von unserer Seite oder von ihrer Seite verwaltet werden soll.

Was die übrigen Punkte betrifft, insbesondere die zentralen Vereinbarungen im Namen der Präsidentschaft der Arabischen Republik Syrien, so decken sich diese mit unseren eigenen Stellungnahmen. Es mag Unterschiede in der Ausdrucksweise geben, etwa bei Begriffen wie „Stationierung“ oder in anderen operativen Details, doch die Substanz des Abkommens bleibt identisch. Die Inhalte der gemeinsamen Vereinbarung sind klar definiert und in beiden Fassungen konsistent.

Wie ist der aktuelle Stand in Bezug auf Gefangene und Inhaftierte auf beiden Seiten?

Im Rahmen der getroffenen Vereinbarungen ist vorgesehen, zunächst mit der Stationierung der Kräfte zu beginnen. Darauf folgt ein schrittweiser Integrationsprozess. Eine der zentralen Bestimmungen des Abkommens betrifft die gegenseitige Freilassung aller Gefangenen. In dieser Frage laufen bereits erste Vorbereitungen und Abstimmungen.

Wie bewerten Sie den Widerstand in Rojava und die demonstrierte Einigkeit des kurdischen Volkes?

Der Widerstand in Rojava war ein Ausdruck tiefen Stolzes und einer Haltung voller Würde. Diese Haltung manifestierte sich zunächst in Şêxmeqsûd und weitete sich Schritt für Schritt aus. Die darauffolgenden Serhildan haben die Pläne jener Kräfte durchkreuzt, die einen Völkermord an den Kurd:innen und die Zerschlagung ihrer Errungenschaften betreiben wollten. Dieses Komplott gegen unser Volk ist real und es dauert bis heute an. Ziel war und ist es, die Verteidigungsstrukturen zu zerschlagen und jegliche Errungenschaft der Kurd:innen zu vernichten.

Vom Widerstand in Tişrîn und Şêxmeqsûd über die Verteidigungslinien bei Hesekê bis hin zu den Serhildan in zahlreichen Städten war die Haltung des kurdischen Volkes zutiefst bedeutungsvoll und historisch. In Silêmanî, Hewlêr, Zaxo, Amed, Cizîr, Dersim und vielen weiteren Städten in der Türkei wie auch in Rojhilatê Kurdistanê kam es zu kraftvollen Protesten. Auch die kurdische Diaspora und Unterstützer:innen waren unermüdlich aktiv. All diese Widerstände haben die Pläne jener Kräfte zunichtegemacht, die Rojava schwächen wollten. Die Welt hat gesehen: Die Kurd:innen stehen geschlossen zusammen.

Ich sage es mit voller Überzeugung: Der Satz „2 + 2 = 1“ hat für mich eine tiefere Bedeutung. Die Einheit des kurdischen Volkes ist keine bloße Parole oder abstrakte Theorie, sie ist gelebte Realität. Ich verneige mich mit Respekt vor den Serhildan des kurdischen Volkes. Ob jung oder alt, Frau oder Mann, alle sind aufgestanden. Wenn wir heute von einem Erfolg oder einem politischen Durchbruch sprechen können, dann verdanken wir das in erster Linie diesem Volk und seinen Erhebungen.

Welche Aufgaben und Rollen wird Sîpan Hemo künftig übernehmen?

Wir verstehen uns als Revolutionär:innen unseres Volkes. Für uns bedeutet Einsatz nicht, ein Amt zu bekleiden oder eine Position innezuhaben. Unsere Verpflichtung gilt einzig und allein dem kurdischen Volk. Wo auch immer es nötig ist, werden wir tätig sein, um diesem Volk zu dienen. Revolution bedeutet nicht, sich persönliche Vorteile zu verschaffen oder nach Macht zu streben. Es geht darum, die Errungenschaften des kurdischen Volkes auszubauen und seine Rechte dauerhaft abzusichern.

Auch künftig wird all unser Handeln der Existenz und den kollektiven Errungenschaften des kurdischen Volkes gewidmet sein. Ort und Umstände spielen dabei keine Rolle – unser gegebenes Wort gilt weiterhin. Viele unserer Gefährt:innen sind gefallen, und das kurdische Volk hat enorme Opfer gebracht. Unser Maßstab ist die Haltung unseres Genossen Ziyad Heleb. Selbst wenn wir unser Leben tausendfach geben würden, es wäre nicht genug für dieses Volk. Mit diesem Bewusstsein führen wir unseren Kampf fort: in Rojava, in Bakur, in Başûr und in Rojhilat. Wo auch immer wir sind: wir sind Revolutionär:innen und werden unsere Verantwortung weitertragen.

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