MSD: Belagerung von Kobanê ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Der Demokratische Syrienrat (MSD) hat die Blockade von Kobanê scharf verurteilt. In einer Erklärung fordert das Gremium die sofortige Öffnung humanitärer Korridore und bezeichnet die Situation als kollektive Bestrafung der Zivilbevölkerung.
Der Demokratische Syrienrat (MSD) hat die anhaltende Blockade der Stadt Kobanê als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ verurteilt. In einer offiziellen Stellungnahme vom Montag fordert der Rat ein sofortiges Ende der Belagerung, die seit über drei Wochen andauert, sowie die Öffnung humanitärer Korridore für Hilfslieferungen von Medikamenten, Lebensmitteln und Treibstoff.
Nach Angaben des MSD betrifft die Blockade mehr als eine halbe Million Menschen – darunter viele Vertriebene aus Efrîn, Şêxmeqsûd, Eşrefiyê, Tabqa und Raqqa. Die systematische Unterbrechung der Strom- und Wasserversorgung sowie die Verhinderung der Einfuhr von Nahrungsmitteln, Medikamenten und Brennstoff hätten eine „akute humanitäre und gesundheitliche Katastrophe“ ausgelöst.
„Ein Akt politischer Vergeltung gegen die Bevölkerung von Kobanê“
Der Demokratische Syrienrat betonte, dass die anhaltende Lage insbesondere Kinder, Kranke und wirtschaftlich schwache Haushalte gefährde. Säuglingsnahrung und Arzneimittel seien praktisch nicht mehr erhältlich. Die Vorräte in Gesundheitszentren seien nahezu aufgebraucht, Apotheken geschlossen, Lebensmittelgeschäfte leer – „der Alltag ist zum Überlebenskampf geworden“, so der MSD.
Besonders scharf kritisiert der Rat die politische Dimension der Blockade: „Kobanê, ein internationales Symbol des Widerstands gegen den Terrorismus, wird heute zur Verhandlungsmasse gemacht. Die Stadt wird für ihren Einsatz gegen den IS bestraft.“ Es handle sich um eine gezielte Form der kollektiven Bestrafung, die gegen das humanitäre Völkerrecht verstoße.
Aufruf an internationale Akteure und nationale Kräfte
Der MSD fordert die sogenannte syrische Übergangsregierung in Damaskus auf, ihre Verantwortung wahrzunehmen und „sofort alle Übergänge zu öffnen“. Die internationale Anti-IS-Koalition solle unverzüglich handeln, um den humanitären Kollaps zu verhindern. Zudem fordert der Rat eine offizielle Untersuchung durch die Vereinten Nationen sowie den Einsatz humanitärer Beobachter:innen.
Auch an die nationale syrische Opposition richtet sich ein Appell: „Dem Schweigen muss ein Ende gesetzt werden. Die Würde des Menschen muss über politischen Kalkül gestellt werden.“ Abschließend heißt es im Statement: „Kobanê ruft das Gewissen der Welt. Die Stadt, die für das Leben gekämpft hat, darf nicht dem Tod durch Aushungern überlassen werden. Die Würde ihrer Menschen ist keine Verhandlungsmasse und ihre Widerstandskraft wird den Belagerern nicht weichen.“
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