Gesundheitsrat: Medikamente in Kobanê gehen aus
Die medizinische Lage in Kobanê spitzt sich zu. Wegen der anhaltenden Blockade sind lebenswichtige Medikamente knapp. Der Gesundheitsrat spricht von Tausenden Erkrankten und fordert ein sofortiges Ende der Belagerung durch die Übergangsregierung.
In der nordsyrischen Stadt Kobanê droht eine humanitäre Katastrophe. Der lokale Gesundheitsrat hat eindringlich vor einem baldigen Zusammenbruch der medizinischen Versorgung gewarnt. Nach 25 Tagen vollständiger Blockade durch die syrische Übergangsregierung gehen Medikamente und Ausrüstung zur Neige, während sich Infektionskrankheiten in der Stadt zunehmend ausbreiten.
Vor dem städtischen Krankenhaus trat der Ko-Vorsitzende des Gesundheitsrats des Kantons Firat, Ehmed Mehmûd, am Freitag vor die Öffentlichkeit und erklärte: „Kobanê ist seit über drei Wochen vollständig abgeriegelt. Keine Hilfsgüter, keine medizinischen Lieferungen erreichen die Stadt. Währenddessen breiten sich Infektionskrankheiten rasant aus und die Medikamente sind fast aufgebraucht.“
Allein in den vergangenen Wochen wurden laut Gesundheitsrat rund 2.000
Menschen mit Vergiftungserscheinungen behandelt – insbesondere
Geflüchtete, die in behelfsmäßigen Unterkünften unter schwierigen
hygienischen Bedingungen leben. Ursache seien unter anderem
Wasserknappheit und der Zwang, auf unsauberes Brunnenwasser
zurückzugreifen.
Medikamente fehlen – medizinische Geräte ausgefallen
Zwar hätten Organisationen wie das Kurdische Rote Kreuz, Médecins du Monde (MDM) und andere NGOs begrenzte Hilfe geleistet, doch die Mengen reichen nach Angaben der Verantwortlichen bei Weitem nicht aus. Besonders kritisch sei die Versorgungslage bei chronischen und komplexen Krankheiten. So seien etwa Medikamente gegen Krebs, Hepatitis, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Bluthochdruck kaum noch verfügbar.
Auch für chirurgische Eingriffe fehle es an nötigen Medikamenten und Anästhetika. Patient:innen, die in spezialisierte Kliniken außerhalb der Stadt verlegt werden müssten, könnten die Stadt wegen der Abriegelung nicht verlassen. Zudem sei medizinisches Gerät zur Diagnostik durch Stromausfälle beschädigt oder völlig ausgefallen. „Einige der wenigen technischen Geräte, die wir hatten, sind aufgrund der instabilen Stromversorgung irreparabel zerstört worden“, so Mehmûd.
Appell an die internationale Öffentlichkeit
Der Gesundheitsrat fordert ein sofortiges Ende der Blockade. Es müsse dringend ermöglicht werden, dass medizinische Hilfslieferungen Kobanê erreichen und Erkrankte evakuiert werden können. Die Lage sei unhaltbar und verschärfe sich mit jedem Tag. „Wir danken der Bevölkerung in Nordkurdistan für ihre Solidarität. Aber was Kobanê braucht, ist die sofortige Öffnung humanitärer Korridore. Diese Belagerung ist ein Angriff auf das Leben der Zivilbevölkerung“, sagte Mehmûd.
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