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Forschungsinstitut ruft zum Tag der Muttersprache zu mehr Kurdisch im Alltag auf

 


Zum 21. Februar fordert das Kurdische Institut für Wissenschaft und Forschung in Deutschland, Kurdisch konsequent an nächste Generationen weiterzugeben. Sprache müsse in Familie, Bildung, Institutionen und Öffentlichkeit verankert werden.

Warnung vor Sprachverlust
 
ANF / DÜSSELDORF, 17. Feb. 2026.

Das Kurdische Institut für Wissenschaft und Forschung e. V. hat anlässlich des Internationalen Tags der Muttersprache am 21. Februar zu einer breiteren gesellschaftlichen Nutzung der kurdischen Sprache aufgerufen. In einer Erklärung appellierte das in Düsseldorf ansässige Institut an Einzelpersonen und Organisationen, „nationale Verantwortung“ für die Weitergabe des Kurdischen an kommende Generationen zu übernehmen.

Das Institut erinnerte daran, dass die UNESCO den 21. Februar seit dem Jahr 2000 als Internationalen Tag der Muttersprache begeht. Der Gedenktag geht auf die Ereignisse von 1952 in Dhaka (damals Ost-Pakistan, heute Bangladesch) zurück, als bengalische Studierende für das Recht auf ihre Sprache protestierten und dabei getötet wurden. Dieser historische Bezug stehe heute weltweit als Symbol gegen sprachliche Verdrängung und Auslöschung.

„Muttersprache ist Träger von Identität und kollektivem Gedächtnis“

In der Erklärung bezeichnet das Institut die Muttersprache nicht nur als Kommunikationsmittel, sondern als Grundlage von Persönlichkeit, kulturellem Gedächtnis und kollektiver Existenz. Sprachverlust bedeute immer auch Verlust von Geschichte, Kultur und Selbstverständnis einer Gemeinschaft. Mit Verweis auf Daten der UNESCO warnt das Institut vor einer globalen Erosion sprachlicher Vielfalt. Weltweit seien Tausende Sprachen dokumentiert, ein großer Teil davon jedoch gefährdet. Auch in der Türkei stünden mehrere Sprachen unter Druck; ausdrücklich genannt wird dabei Kirmanckî (auch Zazakî oder Dimilkî) als bedrohte Varietät des Kurdischen.

Kurdisch müsse über den privaten Raum hinaus wirken

Das Institut betont, die kurdische Sprache habe trotz jahrzehntelanger Repression, Verbotspolitik und Assimilationsdruck überlebt – auch durch mündliche Traditionen, die Dengbêj-Kultur und familiäre Weitergabe. Langfristig gesichert sei eine Sprache jedoch nur, wenn sie nicht auf den privaten Raum begrenzt bleibe. Nötig sei daher eine stärkere Präsenz des Kurdischen in Bildung, Schriftkultur, Wissenschaft, Institutionen und öffentlichem Leben. Konkret ruft das Institut dazu auf, Kurdisch „zu Hause, auf dem Markt und in Einrichtungen“ aktiv zu sprechen, zu lesen und zu schreiben.

Recht auf muttersprachliche Bildung

Zentral hebt die Erklärung das Recht auf Bildung in der Muttersprache hervor. Dieses sei ein grundlegendes Menschenrecht und zugleich eine universelle Verantwortung im Sinne kultureller und sprachlicher Vielfalt. Zum Abschluss gratuliert das Institut „insbesondere dem kurdischen Volk sowie allen unterdrückten Völkern“ zum Tag der Muttersprache und verbindet dies mit einem mobilisierenden Aufruf: Kurdisch denken, sprechen, lesen und schreiben.

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