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Yûsif (PYD): „Um den Genozid zu verhindern, müssen Millionen zusammenkommen“

 


Foza Yûsif (PYD) warnt vor einem großangelegten Vernichtungsangriff auf Rojava. In einem TV-Interview ruft sie zur kollektiven Selbstverteidigung auf – und fordert die kurdische Bevölkerung in allen Teilen zur aktiven Teilnahme am Widerstand auf.

„Wenn Rojava fällt, fallen auch Bakur und Başûr“
 
ANF / REDAKTION, 20. Jan. 2026.

Die kurdischen Politikerin Foza Yûsif, Mitglied des Präsidialrats der Partei der Demokratischen Union (PYD), hat angesichts der anhaltenden Angriffe auf Rojava zur breiten Mobilisierung aufgerufen. In einer Sendung des Frauensenders JIN TV erklärte sie, es sei notwendig, dass „Millionen sich zusammenschließen, um den Genozid zu verhindern“. Yûsif betonte, die Bevölkerung müsse stärker auf den Aufruf zur allgemeinen Mobilmachung reagieren. „Heute ist der Tag der nationalen Ehre, der Tag, an dem wir die Errungenschaften und Werte der Frauen verteidigen müssen“, sagte sie.

Die PYD-Politikerin machte deutlich, dass der Krieg gegen Rojava von einem organisierten Bündnis getragen wird: Die islamistische Miliz Hayat Tahrir al-Sham (HTS), die die sogenannte syrische Übergangsregierung in Damaskus stellt, sei nicht die einzige treibenden Kraft hinter der Eskalation, sondern führe gemeinsam mit verschiedenen Regionalstaaten einen gezielten Krieg gegen die Selbstverwaltung in Rojava.


HTS besteht auf der Fortsetzung des Krieges

„HTS besteht auf der Fortsetzung des Krieges“, so Yûsif weiter. Zugleich betonte sie, dass ihre Seite intensive Bemühungen unternommen habe, um eine Eskalation zu verhindern: „Wir haben alles versucht, um das Blutvergießen zu stoppen. Aber dieses Bündnis will den Krieg.“ Die Lage sei weiterhin ernst. Deshalb müsse sich die gesamte Gesellschaft organisieren, bewaffnen und verteidigen. Die Bedeutung von Selbstverteidigung und Widerstand sei zentral. „Der Krieg ist groß“, sagte Yûsif, „die QSD oder die YPJ können ihn nicht allein schultern. Der Volkskrieg muss sich entwickeln, das Volk muss sich schützen.“

Mit Blick auf die Proteste an der Grenze zwischen Nisêbîn (tr. Nusaybin) im Norden und Qamişlo im Westen Kurdistans betonte Yûsif die Wichtigkeit solcher Aktionen. „Das ist ein großer Angriff und wir müssen ihn mit Millionen stoppen“, sagte sie. Sie rief die Menschen auf, in die Region zu kommen und den Widerstand zu stärken. Die Mobilmachung müsse fortgesetzt werden. „Unsere Bevölkerung aus Nord- und Südkurdistan kann direkt in die Region kommen. Die kurdische Jugend soll sich nach Rojava wenden.“ Das Ausmaß der Bedrohung sei groß. Sollte die Besatzung in Rojava erfolgreich sein, werde sich der Angriff auf weitere Teile Kurdistans ausdehnen.

Kein Verhandlungstisch mit Damaskus

„Wenn Rojava fällt, fallen auch Başûr und Bakur“, so Yûsif. Man müsse mit diesem Bewusstsein handeln – und Tag und Nacht im Widerstand bleiben. Die Politikerin erklärte außerdem, dass es keinen Verhandlungstisch mit HTS geben könne. Die Miliz habe sich bewusst gegen Frieden entschieden und zwinge dem kurdischen Volk den Krieg auf. In diesem Zusammenhang sprach sie von einem „schmutzigen Bündnis“ zwischen der sogenannten Übergangsregierung in Damaskus und verschiedenen Akteuren, die Einfluss auf das Gebiet Rojava nehmen wollen.

Yûsif erinnerte an den Widerstand von Kobanê in den Jahren 2014 und 2015 und erklärte, dass heute ein ähnlicher Moment gekommen sei. „Mit Beharrlichkeit, Entschlossenheit und einer klaren Haltung können wir die Kräfteverhältnisse verändern.“ Sie rief alle dazu auf, sich 24 Stunden am Tag mit Rojava zu verbinden – durch Aktionen, Organisation und Widerstand. Gleichzeitig forderte sie verstärkten Druck auf die internationale Öffentlichkeit und warnte vor gezielter Desinformation durch HTS. „Jede:r Journalist:in sollte Auge und Stimme dieses Widerstands sein“, sagte sie.

Auswirkungen der Angriffe auf Frauen

Besonders warnte Yûsif vor den Auswirkungen der Angriffe auf Frauen. „Die Angreifer wollen die Frauen zurück in die Zeit des IS drängen.“ Es sei deshalb notwendig, dass Frauen ihre Errungenschaften und ihr System verteidigten. „Jede Stimme sollte sich mit der Stimme der Frauen in Rojava vereinen“, sagte sie.

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