Direkt zum Hauptbereich

Volksrat von Şêxmeqsûd und Eşrefiyê: Wir werden nicht kapitulieren


Trotz anhaltender Angriffe durch die syrische Übergangsregierung und pro-türkischer Milizen kündigt der Volksrat von Şêxmeqsûd und Eşrefiyê an, die Stadtteile zu verteidigen. Die Belagerung dauert an, das einzige Krankenhaus ist außer Betrieb.

Schweigen der internationalen Kräfte inakzeptabel
 
ANF / ALEPPO, 9. Jan. 2026.

Der Volksrat der kurdischen Stadtteile Şêxmeqsûd und Eşrefiyê in Aleppo hat sich in einer öffentlichen Erklärung gegen die Rückzugsforderungen der syrischen Übergangsregierung gestellt und zum Widerstand aufgerufen. Die Bevölkerung werde ihre Viertel nicht wie von Damaskus gefordert verlassen, sondern gemeinsam mit den Sicherheitskräften weiter verteidigen. Im Wortlaut der Erklärung heißt es:

„Seit dem 6. Januar stehen unsere Viertel unter Angriffen mit schweren Waffen und intensivem Beschuss. Dabei wurden Moscheen, Schulen, Krankenhäuser, zivile Wohnhäuser und öffentliche Einrichtungen gezielt ins Visier genommen und schwer beschädigt oder zerstört. Unser Volk und unsere Kräfte der Inneren Sicherheit leisten diesen Angriffen gegenüber entschlossenen und standhaften Widerstand.

Massaker, Vertreibung, Veränderung der Demografie

Ziel dieser Angriffe ist es, Massaker an unserer Bevölkerung zu verüben – an Menschen, die seit Jahrhunderten in diesen Stadtteilen leben und die angestammte Bevölkerung dieser Gebiete sind. Die Angriffe sollen eine neue Welle erzwungener Vertreibungen einleiten. Das ist ein gezielter Versuch, die demografische Struktur unserer Stadt und unserer Viertel zu verändern.

Gleichzeitig stellen diese Angriffe einen offenen Bruch des Abkommens vom 1. April dar. Sie zielen darauf ab, es vollständig zu entwerten. Die sogenannte Übergangsregierung von Damaskus führt diese Angriffe unter dem Banner der ‚Neuen syrischen Streitkräfte‘ durch – mit direkter Unterstützung des türkischen Staates und seiner Söldnergruppen. Den Mut für dieses Vorgehen bezieht sie aus eben dieser Unterstützung.

Schweigen der internationalen Kräfte

Darüber hinaus verurteilen wir das Schweigen der internationalen Kräfte, die sich in den Abkommen vom 10. März und 1. April als Garanten verpflichtet hatten. Ihr Schweigen angesichts der Massaker in unseren Vierteln ist inakzeptabel. Die Angriffe und die Gefahr weiterer Massaker gegen unsere Bevölkerung in Şêxmeqsûd und Eşrefiyê dauern weiterhin an. Die Aufforderung der Übergangsregierung an unsere Bevölkerung und an unsere Sicherheitskräfte läuft auf Kapitulation hinaus. Doch unser Volk ist entschlossen, in seinen Vierteln zu bleiben und sie zu verteidigen.

In jenen Gebieten, in die die bewaffneten Gruppen bereits vorgedrungen sind, werden Massaker an Zivilist:innen verübt. Mit anderen Worten: Die Verbrechen, die an Alawit:innen und Drus:innen begangen wurden, sollen jetzt auch in unseren Vierteln wiederholt werden. Es ist allgemein bekannt, dass in unseren Stadtteilen Hunderttausende Zivilist:innen leben. Durch den anhaltenden, schweren Beschuss wurden zahlreiche Menschen verletzt, ein Großteil davon Frauen und Kinder.

Humanitäre Krise

Unsere ohnehin unterversorgte Klinik, das Xalid-Fecir-Krankenhaus, wurde gezielt bombardiert. Dies stellt ein Kriegsverbrechen dar. Das Krankenhaus ist nun vollständig außer Betrieb. Es gibt keinerlei Möglichkeiten mehr, Verwundete in unseren Vierteln zu versorgen. Die Lage hat sich zu einer ernsten humanitären Krise zugespitzt.

Wie der Öffentlichkeit bekannt ist, befinden sich unsere Viertel seit Langem unter Belagerung, und es wird systematisch verhindert, dass humanitäre Hilfsgüter in das Gebiet gelangen. Die Bedingungen des Wintereinbruchs verschärfen die ohnehin katastrophale Situation zusätzlich. Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Truppen der Übergangsregierung und ihre Söldner verlangen von uns die Kapitulation. Sie wollen, dass die Bevölkerung unsere Viertel verlässt und dass sich auch unsere Sicherheitskräfte ergeben.

Kein Vertrauen in Übergangsregierung

Als Volksräte von Şêxmeqsûd und Eşrefiyê lehnen wir diese Forderungen entschieden ab. Angesichts der systematischen Angriffe auf die verschiedenen Bevölkerungsgruppen Syriens durch die Regierung in Damaskus – seit ihrer Machtergreifung bis heute – und insbesondere angesichts der Bombardierungen und Massaker, die in den letzten Tagen gegen unser Volk verübt wurden, vertrauen wir dieser Regierung nicht.

Wir glauben nicht, dass wir unsere Sicherheit und die Sicherheit unserer Viertel Kräften überlassen können, die unser Volk angreifen, vertreiben und ermorden. Deshalb ist es für uns keine Option, unsere Viertel aufzugeben. Wir haben den klaren Entschluss gefasst, in unseren Vierteln zu bleiben und sie mit allen Mitteln zu verteidigen. Abschließend rufen wir unser Volk in Şêxmeqsûd und Eşrefiyê auf, sich zum Xalid-Fecir-Krankenhaus zu begeben, um die Verletzten zu versorgen, und sich gemeinsam zur Verteidigung unserer Viertel zu mobilisieren.“

 

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Iran: Onkel von Jina Mahsa Amini zu Haftstrafe verurteilt

medico international: Gezielte Tötung

Female YPJ fighter in Syria allegedly murdered by relatives in ‘honor’ killing