Tränengas gegen Demonstrierende in Amed
Nach Wan ist die türkische Polizei auch in Amed gewaltsam gegen Proteste gegen Angriffe auf Rojava vorgegangen. Zahlreiche Menschen wurden verletzt oder festgenommen, doch die Aktionen setzen sich in der ganzen Stadt fort.
In der kurdischen Großstadt Amed (tr. Diyarbakır) ist es am Montag zu massiven Protesten gegen die Angriffe der sogenannten syrischen Übergangsregierung und verbündeter Türkei-treuer Milizen auf die Autonomieregion Nord- und Ostsyriens gekommen. Die Demonstration war von der Plattform Demokratischer Institutionen organisiert worden und richtete sich insbesondere gegen drohende Massaker an der Bevölkerung in Rojava.
Die zentrale Protestveranstaltung sollte am Menschenrechtsdenkmal im Koşuyolu-Park beginnen. Bereits im Vorfeld versuchte die türkische Polizei, die Versammlung zu blockieren. Unter den Teilnehmenden befanden sich die Ko-Vorsitzenden der Partei der Demokratischen Regionen (DBP), Çiğdem Kılıçgün Uçar und Keskin Bayındır, ebenso wie Vertreter:innen anderer Parteien, zivilgesellschaftlicher Organisationen und hunderte Bürger:innen.
Trotz des Polizeiaufmarschs setzte sich die Menge in Bewegung, begleitet
von Sprechchören und Gesängen. Gerufen wurden unter anderem „Bijî
Berxwedana Rojava“ (Es lebe der Widerstand von Rojava), „Jin, Jiyan,
Azadî“ (Frau, Leben, Freiheit) sowie Parolen der Solidarität mit den
Demokratischen Kräften Syriens (QSD) und der
Frauenverteidigungseinheiten (YPJ). Auch der Ruf „Rojava wird das Grab
des Faschismus sein“ war zu hören.
Als sich die Demonstrierenden in Richtung der Innenstadt bewegten, griff die Polizei die Menge mit Tränengas an. Zahlreiche Menschen erlitten Atembeschwerden, einige brachen unter dem Gas zusammen. Reporter:innen berichten von brutalen Übergriffen: Auch Abgeordnete der DEM-Partei wurden geschlagen, viele Menschen gewaltsam festgenommen. Die genaue Zahl der Festnahmen war zunächst unklar.

Trotz der Gewalt löste sich die Protestbewegung nicht auf. Stattdessen
verteilten sich kleinere Gruppen über die Innenstadt, besonders im
Stadtteil Rezan (Bağlar), und führten spontane Demonstrationen durch. In
Seitengassen und auf großen Straßen halten vor allem Jugendliche den
Protest aufrecht.
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