Tausende in Raqqa und Tabqa zurückgelassene KurdInnen ermordet ?
Der kurdische Jurist Silêman Îsmaîl wurde bei der Flucht aus Raqqa von Truppen der syrischen Übergangsregierung erschossen. Laut Menschenrechtsorganisation wurden bereits Hunderte ähnliche Fälle dokumentiert, die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen.
Der kurdische Jurist Silêman Îsmaîl ist bei dem Versuch, aus der Stadt Raqqa in Richtung Kobanê zu fliehen, von Truppen der sogenannten syrischen Interimsregierung getötet worden. Das berichtet der Ko-Sprecher der Menschenrechtsorganisation Rêxistina Mafên Mirovan li Efrînê-Sûriye (RMME) Îbrahîm Şêxo.
Îsmaîl, der aus dem Dorf Kuneytra Şêxan im ländlichen Umland von Kobanê stammt, arbeitete am Zivilgericht der inzwischen zerschlagenen Selbstverwaltung in Raqqa. Laut RMME hatte er am 18. Januar versucht, die Stadt zu verlassen. Dies sei ihm jedoch nicht gelungen. Îsmaîls Leiche wurde inzwischen an einer Landstraße zwischen Raqqa und Hesekê aufgefunden. Der Jurist wurde erschossen, so Şêxo.
Şêxo zufolge wurden in den vergangenen Tagen zahlreiche kurdische Familien beim Versuch, aus Raqqa und Tabqa zu fliehen, gezielt aus rassistischen Motiven angegriffen oder getötet. Die RMME hat nach eigenen Angaben bereits Hunderte solcher Fälle dokumentiert.
Die tatsächliche Zahl liege jedoch vermutlich mindestens im vierstelligen Bereich, da der Zugang zu den betroffenen Städten seit dem Rückzug der Selbstverwaltung stark eingeschränkt ist. Eine unabhängige Erfassung sei derzeit kaum möglich. Die Lage in den von Damaskus kontrollierten Gebieten entwickle sich zu einer systematischen Bedrohung für kurdische Zivilist:innen, warnte Şêxo.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen