Systematische Entführungen in Şêxmeqsûd und Eşrefiyê
In den kurdisch geprägten Stadtteilen Şêxmeqsûd und Eşrefiyê in Aleppo verschwinden seit Tagen zahlreiche Zivilist:innen. Bewaffnete Einheiten der syrischen Übergangsregierung riegeln das Gebiet ab, verwehren Medien den Zugang und verschleppen Anwohnende.
In den kurdisch geprägten Stadtteilen Şêxmeqsûd und Eşrefiyê in Aleppo häufen sich Berichte über systematische Entführungen, willkürliche Verhaftungen und gewaltsames Verschwindenlassen. Verantwortlich gemacht werden Truppen und Milizen der sogenannten Übergangsregierung. Zugleich verhindern diese Gruppen den Zugang für Medien und NGOs zu den betroffenen Gebieten. Die Sperrung erfolgt unter dem Vorwand „der Sicherheit“, während die Repression gegen die lokale Bevölkerung weiter eskaliert.
Lokale Nachbarschaftskomitees berichten von mindestens 271 verschwundenen Personen, zu denen seit Samstag jeglicher Kontakt abgebrochen ist. Angehörige veröffentlichen in sozialen Medien Namen und Fotos der Vermissten – sowohl von Personen, die sich noch in Şêxmeqsûd aufhielten, als auch von jenen, die das Viertel verlassen wollten. Mehrere Quellen bestätigten gegenüber der Nachrichtenagentur ANHA, dass Dutzende Männer an unbekannte Orte verschleppt wurden. Frauen seien hingegen in Moscheen zusammengetrieben worden.
Berichte über gezielte Tötungen von Zivilist:innen innerhalb beider Stadtteile verstärken zudem die Sorge vor einer weiteren Kampagne ethnischer Säuberung. Die betroffenen Viertel waren in den vergangenen Tagen das Ziel von schweren Gräueltaten durch die sogenannte syrische Armee und ihre pro-türkischen Söldner, es ist von Massakern die Rede. Die nordostsyrische Selbstverwaltung geht von hunderten Toten und Verletzten aus. Die genaue Zahl konnte aufgrund fehlenden Zugangs noch nicht vollständig erfasst werden.
Am Sonntag erklärte der Kurdische Rote Halbmond (Heyva Sor a Kurd), dass drei seiner Mitarbeiter von den bewaffneten Gruppen in Aleppo entführt wurden. Die humanitäre Hilfsorganisation fordert internationalen Druck auf die selbsternannte Regierung in Damaskus und sieht diese in vollem Umfang für die Sicherheit ihrer Teams verantwortlich.
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