Selbstverwaltung verurteilt Angriffe auf kurdische Stadtteile in Aleppo als Kriegsverbrechen
Die Selbstverwaltung hat die Angriffe auf die Stadtteile Şêxmeqsûd und Eşrefiyê in Aleppo als gezielte ethnische Vertreibung und Kriegsverbrechen verurteilt. Sie fordert internationale Untersuchungen und Schutz für die verbliebene Bevölkerung.
Die Demokratische Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien hat die Angriffe auf die überwiegend kurdischen Stadtteile Şêxmeqsûd und Eşrefiyê in Aleppo als Kriegsverbrechen und gezielte ethnische Vertreibung verurteilt. In einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung warf sie den Truppen und Milizen der sogenannten syrischen Übergangsregierung vor, mit Unterstützung der Türkei und unter Duldung internationaler und regionaler Akteure Massaker an der Bevölkerung vor:
„Am 6. Januar 2026 wurden die Stadtteile Şêxmeqsûd und Eşrefiyê in Aleppo von Gruppen angegriffen, die dem Verteidigungsministerium der syrischen Übergangsregierung unterstehen. Diese großangelegte Militäroffensive erfolgte im Rahmen eines türkischen Plans und mit stillschweigender Unterstützung regionaler und internationaler Akteure.
Diese Angriffe markieren eine neue Phase der gezielten Vertreibung der kurdischen Bevölkerung – die ein integraler Bestandteil der Stadt Aleppo ist – und sind zugleich eine Fortsetzung schwerer Menschenrechtsverletzungen und Massaker, wie sie zuvor an der syrischen Küste und in der Provinz Suweida verübt wurden.
IS-Söldner unter Angreifern
Die Angriffe dauerten sechs Tage an und richteten sich in erster Linie gegen diese beiden Stadtteile. In Wirklichkeit handelte es sich um einen überregional koordinierten Angriff: Tausende bewaffnete Söldner griffen mit schweren Waffen an – darunter auch Mitglieder des sogenannten Islamischen Staates. Ihnen gegenüber standen lediglich einige Hundert Angehörige der Inneren Sicherheitskräfte. Es war ein ungleicher Krieg, der alle Grundsätze menschlicher Werte, ethischer Normen und internationales Kriegsrecht verletzte.
Unsere Genossinnen und Genossen in den Reihen der Inneren Sicherheit haben die Bevölkerung in beiden Stadtteilen mit einem historischen und heldenhaften Widerstand verteidigt. Während dieser sechs Tage ununterbrochener und mutiger Verteidigung gegen schwerstes Kriegsgerät haben unsere Heldinnen und Helden größte Opfer gebracht. Vom Widerstand der Kommandanten Ziyad und Azad bis hin zu den Gefallenen Hawar, Dilbirîn, Viyan, Feraşîn, Rojbîn und Deniz – sie alle haben mit ihrer Standhaftigkeit und Hingabe an die Werte ihres Volkes Geschichte geschrieben. Ihre Namen werden für immer im Bewusstsein unseres Volkes weiterleben.
Führung in Damaskus nicht legitim
Die Einnahme der beiden Stadtteile durch bewaffnete Milizen des Verteidigungsministeriums kann nicht als Sieg gewertet werden. Im Gegenteil: Sie stellt einen schweren Verrat dar und ein Verbrechen, begangen durch eine Macht, die vorgibt, den Staat zu vertreten, und dabei die eigene Bevölkerung massakriert und ihre Würde mit Füßen tritt.
Eine Autorität, die vorgibt, den Islam zu vertreten, aber die Würde von Leichnamen verletzt und offen Kriegsverbrechen begeht, hat jede Legitimität verloren. Jede Macht, die sich gegen das eigene Volk stellt und sich dabei auf fremde Staaten stützt, ist nicht legitim. Die Verwendung von Panzern und schwerer Artillerie gegen Wohngebiete zeigt die Schwäche und Angst dieser Kräfte. Dieses Vorgehen wird als Schandfleck in die Geschichte Syriens eingehen.
Wahrer Sieg liegt im Widerstand des Volkes
Der wahre Sieg liegt im Widerstand unseres Volkes, das seit Jahrzehnten unter dem Baath-Regime und auch während der Zeit der Übergangsregierung Belagerung, Ungleichbehandlung und Unterdrückung getrotzt hat – ebenso wie in der Standhaftigkeit und Aufopferung unserer Kämpferinnen und Kämpfer.
Wir erklären mit aller Deutlichkeit, dass die an unserem Volk und unseren Gefallenen begangenen Massaker, Verstöße und Erniedrigungen nicht ungestraft bleiben werden. Solange die Verantwortlichen nicht zur Rechenschaft gezogen werden, werden diese Wunden im kollektiven Gewissen unseres Volkes weiter offenbleiben.
Angesichts der jüngsten schweren Verstöße und menschenrechtswidrigen Praktiken rufen wir internationale Organisationen und Menschenrechtsinstitutionen dringend dazu auf, die humanitäre und sicherheitspolitische Lage in den Stadtteilen Şêxmeqsûd und Eşrefiyê genau zu beobachten.
Präsenz einer internationalen Schutztruppe
Unser Volk ist brutalen Angriffen ausgesetzt, darunter extralegale Hinrichtungen, Verstöße gegen die Menschenwürde, Kriegsverbrechen, ethnische Säuberung und Versuche eines demografischen Wandels. Um weitere Verbrechen zu verhindern, fordern wir die Präsenz einer internationalen Schutztruppe in beiden Stadtteilen. Die Truppen der syrischen Übergangsregierung unterstehen Akteuren mit extremistischen Ideologien, die mit jenen des IS vergleichbar sind. Deshalb genießen sie keinerlei Vertrauen bei unserer Bevölkerung.
Das eigentliche Ziel dieser Angriffe ist ein demografischer Umbau. Wir rufen daher die Bewohner:innen beider Stadtteile auf, in ihren Häusern zu bleiben, und fordern alle Vertriebenen auf, zurückzukehren. Wir sind uns des großen Leids unseres Volkes voll bewusst und erklären, dass wir als Demokratische Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien sämtliche materiellen und immateriellen Mittel einsetzen werden, um die Auswirkungen dieses Krieges abzufedern. Wir werden unter allen Bedingungen und an jedem Ort an der Seite unseres Volkes stehen.“
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