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KCK: Angriffe in Aleppo sind Sabotage des Dialogprozesses


Seit mehreren Tagen werden die kurdischen Viertel Aleppos mit schweren Waffen angegriffen. Die islamistische HTS nimmt insbesondere Menschen, deren ethnische Zugehörigkeit und Glaubensrichtung sich von ihrer eigenen unterscheiden, ins Visier.

Die Einheit Syriens umfasst alle Völker
 
ANF / REDAKTION, 9. Jan. 2026.

Die Ko-Vorsitzenden des Exekutivrats der Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans (KCK) haben eine Erklärung zu den anhaltenden Angriffen auf die Stadtteile Şêxmeqsûd und Eşrefiyê in Aleppo abgegeben.

In der Erklärung ordnet die KCK ein, dass die Angriffe insbesondere gegen Menschen gerichtet sind, deren ethnische Zugehörigkeit und Glaubensrichtung sich von der der Aggressoren unterscheiden. Zunächst hätten sich die Angriffe gegen Alawit:innen und Drus:innen gerichtet. Mittlerweile konzentrierten sich die Milizen, die unter der Übergangsregierung in Damaskus operieren, auf Kurd:innen. Dies zeige laut KCK einmal mehr, dass die Kräfte, die nun die Regierung in ihren Händen haben, der Gesellschaft und dem Volk feindlich gesinnt seien. Das Baath-Regime sei zwar gestürzt worden, allerdings sei nun „die bärtige Version des Baath-Regimes wie ein Albtraum über Syrien hereingebrochen“.

15 Jahre Widerstand der Kurd:innen in Aleppo

Die Stadtteile Şêxmeqsûd und Eşrefiyê sind seit über einem Jahrhundert kurdische Siedlungen. In der Erklärung wird betont, dass der Stadtteil Şêxmeqsûd nach dem Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien als gesamte Gemeinschaft Widerstand geleistet hat. Daran seien Frauen, Kinder und ältere Menschen gleichermaßen beteiligt gewesen und der Widerstand habe sich sowohl gegen das Baath-Regime als auch gegen „Hayat Tahrir al-Sham“ (HTS) gerichtet. Beide Kräfte hätten aus denselben Banden und Söldnern wie heute bestanden und hätten ganz Aleppo einnehmen wollen.

Laut KCK leisten die Kurd:innen „im Sinne des revolutionären Volkskrieges in Şêxmeqsûd und Eşrefiyê nun schon seit 15 Jahren Widerstand. Ebenso wie die Menschen gemeinsam mit den Selbstverteidigungskräften am Tişrîn-Damm Widerstand geleistet haben. Die Kurd:innen in diesen Stadtvierteln verteidigen ihre Identität und Kultur. Sie leisten Widerstand, um Teil eines demokratischen Syriens zu werden.“

Die Angriffe richten sich gegen Demokratie

In der Erklärung heißt es weiter: „Der Angriff auf Şêxmeqsûd und Eşrefiyê ist ein Angriff auf die Demokratie. Sie wollen die Stadtviertel ohne Kurd:innen haben. Unter der Führung von Ahmed al-Scharaa legen die Machthaber in Damaskus eine Mentalität an den Tag, die die Existenz unterschiedlicher Ethnien und Glaubensrichtungen leugnet.“ Die KCK erläutert, dass die HTS einen monistischen Nationalstaat anstrebe, der auf einer Nation, einer Sprache, einer Kultur und einem einzigen Glauben basiert.

Mit diesem Ziel würden sie alle anderen Identitäten einem Völkermord unterwerfen, wie es bereits im 19. und 20. Jahrhundert der Fall gewesen sei. „Aus diesem Grund greifen sie die Völker an, die ein demokratisches Syrien auf der Grundlage des Konzepts der Demokratischen Nation schaffen wollen. Diese Annäherung ist eine Fortsetzung des Baath-Regimes. Wenn Ahmed al-Scharaa und die Übergangsregierung in Damaskus eine legitime Autorität sein und die Einheit Syriens gewährleisten wollen, müssen sie solche Annäherungen aufgeben und eine Politik verfolgen, die die Einheit Syriens zusammen mit dem kurdischen Volk und anderen Völkern sicherstellt. Dafür ist es noch nicht zu spät.“

Angriffe sind Versuch den Dialogprozess zu sabotieren

Angesichts des eigentlich bestehenden und andauernden Dialogs der Kurd:innen mit der Regierung in Damaskus, seien die Angriffe „als Versuch zu sehen, den Dialogprozess zu sabotieren und die Entwicklung einer vernünftigen Lösung zu verhindern“.

Die KCK betont, dass die Gruppierungen, die aktuell Kurd:innen in Aleppo angreifen, faschistisch sind und kürzlich von Großbritannien in die Liste der Terrororganisationen aufgenommen wurden. Sie verweist hierbei darauf, dass dies dieselben „Kräfte sind, die gemeinsam mit HTS Damaskus eingenommen haben. Verschiedene Gruppierungen innerhalb dieser angreifenden Kräfte streben danach, in Syrien an der Macht zu bleiben und ihren faschistischen Charakter beizubehalten. Entweder wurde Ahmed al-Scharaa von diesen beiden Gruppen und anderen politischen Kräften als politische Geisel genommen, oder er präsentiert sich selbst als solche, um Unterstützung in der politischen Arena zu gewinnen.“

Verstrickungen der Türkei in aktuelle Entwicklungen

Mit Bezug zur Verstrickung der Türkei in die politischen Dynamiken und die aktuellen Entwicklungen wird in der Erklärung erläutert: „Die Banden und Söldner, die derzeit Aleppo angreifen, verfolgen dieselbe Mentalität wie der IS, welcher vom türkischen Staat ausgebildet, ausgerüstet und als sogenannte ‚Syrischen Nationalarme‘e (SNA) präsentiert wurde.

Die Tatsache, dass mit der türkischen Regierung verbundene Medien diese Angriffe verteidigen und als Sprachrohr für die angreifenden Gruppierungen fungieren, zeigt einmal mehr, dass der türkische Staat hinter diesem Angriff steht. Auch Journalist:innen, die direkt aus Aleppo berichten, sagen, dass der türkische Staat diese angreifenden Banden unterstützt.“

KCK fordert Türkei auf, eine positive Rolle einzunehmen

„Als kurdische Freiheitsbewegung haben wir den türkischen Staat aufgefordert, die Kurd:innen in Syrien während eines vom Repräsentanten des kurdischen Volkes, Abdullah Öcalan, initiierten Prozesses zu unterstützen und zu akzeptieren“, unterstreicht die KCK, denn die Kurd:innen in Aleppo seien Verwandte der Kurd:innen in der Türkei.

Weiter wird in dem Statement die Wichtigkeit betont, dass die Türkei eine positive Rolle in Syrien spielt und „ebenso wie sie den Turkmen:innen zur Seite steht, auch den Kurd:innen zur Seite stehen sollte. Wir wiederholen unseren Aufruf, dass dies das ist, was die Türkei tun muss, wenn sie ein neues Jahrhundert auf der Grundlage der kurdisch-türkischen Geschwisterlichkeit schaffen will.„"“

Die Bevölkerung muss sich wehren

Abschließend ruft die KCK in der Erklärung die Bevölkerung der kurdischen Stadtteile, „einschließlich älterer Menschen, Frauen und Kinder“, in Aleppo dazu auf, vor Ort zu verbleiben, „um sich gegen diesen Angriff zur Entkurdisierung von Aleppo und ganz Syrien zu wehren“ und macht deutlich: „Wir begrüßen ihren Widerstand und glauben, dass sie ihn mit Erfolg krönen werden.“

Die Erklärung schließt mit einem Aufruf an alle Kurd:innen in den vier Teilen Kurdistans und im Ausland, den Widerstand von Şêxmeqsûd und Eşrefiyê zu unterstützen.

 

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