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Iran: In zwei kurdischen Städten wurden Regimetruppen vertrieben

 


In Iran steigt die Zahl der Toten bei den seit über einer Woche anhaltenden Protesten: Laut der NGO HRANA wurden bisher mindestens 34 Demonstrierende getötet. In zwei kurdischen Städten wurden Regimetruppen vertrieben.

Über 2.000 Festnahmen
 
ANF / REDAKTION, 6. Jan. 2026.

Die landesweiten Proteste gegen die autoritäre Staatsführung in Iran haben sich massiv ausgeweitet. Nach Angaben der in den USA ansässigen Human Rights Activists News Agency (HRANA) kamen dabei bislang mindestens 34 Demonstrierende ums Leben, darunter auch vier Minderjährige. Zudem wurden zwei Angehörige der iranischen Regimekräfte getötet. Mehr als 2.000 Menschen wurden festgenommen, die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen, schätzt die Menschenrechtsorganisation.

In den vergangenen zehn Tagen gab es laut HRANA Proteste in mindestens 92 Städten. Am Dienstag fanden Demonstrationen in den Städten Şarîkurd (Shahrekord), Melekşahî (Malekshahi), Esedabad (Asadabad), Awdanan (Abdanan), Îlam und Maschhad, Qazvin, Teheran, Shiraz, Bandar Abbas, Zandschan, Babol, Marvdascht, Borujerd, Yazdanshahr und Kavar statt. Am Großen Basar in der iranischen Hauptstadt kam es laut Augenzeug:innen zu massiven Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und Einsatztruppen. Auslöser war ein neuerlicher Absturz des Rial auf dem freien Devisenmarkt – ein Euro kostete erstmals über 1,7 Millionen Rial. 

Protestierende übernehmen Kontrolle in mehreren Städten

Besonders dynamisch entwickelte sich die Lage in der kurdischen Provinz Îlam. In der Stadt Awdanan erfassten die Proteste binnen kurzer Zeit das gesamte Stadtgebiet. Tausende Menschen zogen in Demonstrationszügen durch das Zentrum. Nach Angaben von Aryen TV wurde das örtliche Polizeirevier sowie ein nahegelegenes Militärlager von der Bevölkerung übernommen – ohne bewaffnete Auseinandersetzungen. Mehrere Polizisten hätten sich demnach geweigert, gegen die Demonstrierenden vorzugehen, einige hätten sich sogar solidarisch gezeigt.

Nach der Übernahme des Reviers setzten sich die Proteste mit Feierstimmung fort. Später am Tag griffen allerdings regimetreue Einheiten ein. Dabei wurden offenbar Dutzende Menschen verletzt, mehrere von ihnen schwer. Trotzdem befand sich die Stadt laut letzter Informationen weiterhin unter der Kontrolle der Bevölkerung – die staatlichen Kräfte hätten sich zurückgezogen.

Auch in der Kleinstadt Melekşahî sollen laut übereinstimmenden Berichten sämtliche staatlichen Einsatzkräfte vertrieben worden sein. Der Ort befinde sich vollständig in der Hand der Zivilbevölkerung. Während großflächige Stromausfälle gemeldet wurden, kreisten nach Angaben lokaler Medien Helikopter der iranischen Revolutionsgarde über der Stadt, insbesondere über dem Zentrum.

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Eskalationsgefahr bleibt hoch

In beiden Städten – Awdanan und Melekşahî – halten die Menschen die Straßen weiterhin besetzt. Beobachter:innen rechnen mit einer erneuten Intervention durch Regimeeinheiten. Die Protestierenden bleiben mobilisiert und setzen die Demonstrationen trotz der angespannten Lage fort.

Die aktuellen Unruhen sind die schwersten seit Monaten und verbinden soziale, wirtschaftliche und politische Forderungen. Der dramatische Verfall der Landeswährung wirkt dabei wie ein Brandbeschleuniger. Menschenrechtsorganisationen fordern eine internationale Beobachtung der Lage und ein Ende der Gewalt gegen die Bevölkerung.

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