Humanitäre Hilfen für Rojava rollen an
Während Kobanê weiter unter Belagerung steht, haben erste Hilfslieferungen das Krisengebiet erreicht. Medikamente für schwer Erkrankte fehlen jedoch weiterhin. In Cizîrê helfen Organisationen aus Südkurdistan und Europa mit mobilen Kliniken und Heizöl.
Trotz der Belagerung mehrerer Städte in der Demokratischen Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien (DAANES) durch die syrische Übergangsregierung und islamistische Milizen haben mehrere humanitäre Konvois am Dienstag notleidende Regionen Rojavas erreicht. Die humanitäre Lage bleibt jedoch angespannt – insbesondere in der belagerten Stadt Kobanê, wo dringend benötigte Medikamente fehlen.
Kobanê: Fünf Hilfslieferungen des Roten Kreuzes angekommen
In Kobanê trafen fünf Hilfstransporter des Internationalen Roten Kreuzes ein, beladen mit Wasser, Hygieneartikeln und leichten Medikamenten. Die Gesundheitsbehörde der Stadt erklärte jedoch, dass lebenswichtige Präparate für chronisch Kranke – darunter Insulin, Krebs- und Dialysemedikamente – nicht geliefert wurden.
„Die Hilfe ist symbolisch, aber bei Weitem nicht ausreichend“, erklärte
Fadil Çawîş von der Gesundheitsbehörde. Angesichts der seit über einer
Woche andauernden Blockade, der fehlenden medizinischen Infrastruktur
und der anhaltenden Angriffe auf die Region drohe sich die humanitäre
Krise massiv zu verschärfen.
UN-Hilfskonvoi mit 30 Lastwagen erreicht Cizîrê
Parallel dazu erreichte ein von den Vereinten Nationen organisierter Hilfskonvoi mit 30 Lastwagen die Region Cizîrê. Die Fahrzeuge transportierten Grundnahrungsmittel und Hilfsgüter für Binnenvertriebene, die aus Gebieten wie Aleppo, Şehba, Kobanê oder dem Osten von Hesekê geflohen sind. Laut UN handelt es sich um eine „dringliche Maßnahme“ angesichts der eskalierenden Angriffe bewaffneter Gruppen, insbesondere in den ländlichen Regionen rund um Hesekê und Çil Axa.
Hilfe aus Kurdistan und Europa: Medizin, Heizöl, mobile Kliniken
Auch zahlreiche Organisationen aus Südkurdistan und Europa haben in Zusammenarbeit mit dem Kurdischen Roten Halbmond (Heyva Sor a Kurd) Hilfslieferungen in die Cizîrê-Region organisiert. Neben Lebensmitteln und Medikamenten wurden insbesondere Decken, Winterkleidung, Babynahrung und Heizöl verteilt.
In Derîk und Qamişlo wurden zudem drei mobile medizinische Kliniken eingerichtet, um die akute Versorgung sicherzustellen. Freiwillige medizinische Fachkräfte leisten dort erste Hilfe, untersuchen Kranke und geben Medikamente aus. Begleitend wurden Notfallnummern geschaltet, um medizinische Hilfe rund um die Uhr zu koordinieren.
Zu den Trägern dieser Hilfe zählen unter anderem die Barzanî-Foundation,
der Verband kurdischer Ärzt:innen in Deutschland e.V., die Organisation
Hêvî sowie lokale Strukturen der Diaspora. In Tirbespiyê werden derzeit
rund 280 geflüchtete Familien versorgt. Dort verteilte die
Barzanî-Stiftung 6.000 Liter Heizöl, Winterausstattung und
Lebensmittelpakete an Menschen, die in Schulen oder Notunterkünften
untergebracht sind.
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