Heyva Sor a Kurd fordert Öffnung humanitärer Korridore
Angesichts der schweren Angriffe auf den kurdischen Norden Aleppos fordert Heyva Sor a Kurd die sofortige Beendigung der Gewalt gegen Zivilist:innen. Ein 15 Fahrzeuge umfassender Hilfskonvoi ist auf dem Weg in die belagerten Viertel.
Die kurdische Hilfsorganisation Heyva Sor a Kurd hat angesichts der anhaltenden Angriffe auf die Stadtteile Şêxmeqsûd, Eşrefiyê und Beni Zeyd in Aleppo einen dringenden humanitären Appell veröffentlicht. Die Organisation warnt vor einer akuten Katastrophe und fordert die sofortige Einstellung der Angriffe auf die Zivilbevölkerung sowie die Einrichtung sicherer humanitärer Korridore. Zeitgleich wurde ein medizinischer Hilfskonvoi in Richtung Aleppo entsandt.
Die Erklärung wurde am Freitag am Sitz von Heyva Sor a Kurd in Hesekê von den Ko-Vorsitzenden Hadiya Abdullah und Dilgeş Îsa auf Kurdisch und Arabisch verlesen. Darin heißt es, dass sich die humanitäre Lage in den betroffenen Vierteln mit jeder Stunde weiter verschärfe. „Den vierten Tag in Folge werden die Stadtteile ohne Unterbrechung bombardiert. Dutzende Zivilist:innen, darunter Frauen, Kinder und ältere Menschen, wurden getötet und verletzt. Die Angriffe richten sich gezielt gegen Wohngebiete und lebenswichtige Infrastruktur“, hieß es in der Erklärung.
Situation in Krankenhäusern „dramatisch“
Heyva Sor a Kurd betonte, dass es sich bei den angreifenden Einheiten um pro-türkische Milizen unter dem Kommando der syrischen Übergangsregierung handele, darunter Gruppen wie Al-Amshat, Furqat al-Hamza, Sultan-Murad-Brigade und die Nureddin al-Zenki-Miliz. „Diese Fraktionen führen Angriffe mit schweren Waffen durch – in voller Absicht, die Bevölkerung zur Kapitulation zu zwingen und aus ihren Vierteln zu vertreiben.“ Weiter hieß es: „Die Situation in den Krankenhäusern ist dramatisch. Medikamente, medizinisches Material und lebensnotwendige Güter sind fast vollständig aufgebraucht“, warnte die Organisation. Das Bombardement gehe unvermindert weiter, gleichzeitig sei bislang keinerlei medizinischer oder humanitärer Zugang gewährt worden.
Humanitäre Korridore dringend notwendig
Heyva Sor a Kurd weist in der Erklärung ausdrücklich darauf hin, dass die Blockade der Hilfe, die gezielten Angriffe auf Zivilist:innen und die Verhinderung medizinischer Evakuierungen eine klare Verletzung internationalen humanitären Rechts und der Europäischen Menschenrechtskonventionen darstellen. „Wir fordern alle lokalen und internationalen Akteure auf, ihrer moralischen und humanitären Verantwortung gerecht zu werden. Die Angriffe auf Zivilist:innen müssen unverzüglich gestoppt werden. Humanitäre Korridore sind dringend notwendig.“
Die Organisation kündigte an, im Falle der Öffnung eines sicheren Korridors sofort in die betroffenen Viertel vorzurücken, um Verletzte zu evakuieren und dringend benötigte Hilfe zu leisten. Als konkreter Schritt sei am Freitag ein medizinischer Hilfskonvoi mit 15 Fahrzeugen in Richtung Aleppo aufgebrochen. Ob die Fahrzeuge ihr Ziel erreichen können, bleibt ungewiss. Bislang haben die Angreifer jede Form von Zugang verweigert.
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