Direkt zum Hauptbereich

Bereits 19 Tote bei Protesten in Iran

 


Bei Protesten gegen die Wirtschaftspolitik in Iran wurden laut Iran Human Rights mindestens 19 Menschen getötet. Die Regimetruppen setzten auch schwere Waffen ein. Hunderte wurden verletzt oder festgenommen, darunter Minderjährige.

Hunderte Verletzte und Festgenommene
 
ANF / REDAKTION, 5. Jan.. 2026.

Bei den landesweiten Protesten in Iran sind nach Angaben von Menschenrechtler:innen mindestens 19 Menschen ums Leben gekommen. Hunderte weitere wurden verletzt oder festgenommen, wie die in Norwegen ansässige Organisation Iran Human Rights (IHR) am Sonntagabend mitteilte. Die NGO wirft den Regimekräften den Einsatz von scharfer Munition und in einigen Fällen sogar schwerem militärischem Gerät gegen Demonstrierende vor.

Besonders gravierende Vorfälle dokumentierte IHR am Samstag in der ostkurdischen Kleinstadt Melekşahî (auch Erkewazî, dt. Malekschahi) in der Provinz Îlam. Dort seien laut der Organisation mindestens fünf Todesfälle bestätigt, weitere würden noch untersucht. Es gebe Hinweise auf den Einsatz von Kalaschnikows und Maschinengewehren vom Typ DShK. Auch das Kurdistan Human Rights Network (KHRN) hatte von mehreren erschossenen Demonstranten berichtet.

IHR sieht einen Zusammenhang zu einer Rede des obersten Regimeführers Ali Chamenei, die der schweren Gewalt in Melekşahî vorausging. In seiner ersten Stellungnahme zu den Protesten hatte der oberste Kleriker Irans die Protestierenden als „Unruhestifter“ bezeichnet. Ein Dialog mit ihnen sei sinnlos, erklärte Chamenei und forderte strenge Maßnahmen gegen sie. Die Proteste bezeichnete er als Verschwörung in- und ausländischer Feinde Irans, die konsequent unterbunden werden müsse.

X Elemente zur Aktivitätenverfolgung und Inhalte blockiert

Die Einstellungen für Firefox haben verhindert, dass dieser Inhalt Sie über Websites hinweg verfolgt oder für Werbung verwendet wird.

Begonnen hatten die Proteste am vorletzten Sonntag am Großen Basar in Teheran mit Ladenschließungen von Mobilfunk- und Elektronikhändlern, nachdem die Landeswährung auf ein Rekordtief von 1,42 Millionen Rial pro US-Dollar abgestürzt war. Inzwischen sind die Demonstrationen aber auf die gesamte Bevölkerung ausgeweitet und richten sich gegen die Regierung im Allgemeinen. Laut IHR gingen in mindestens 20 Provinzen und 50 Städten Menschen in den vergangenen Tagen auf die Straße.

Hunderte Festnahmen – Minderjährige unter den Verletzten

Landesweit seien laut Bericht der Organisation mehrere Hundert Personen verletzt und festgenommen worden. Allein im Zentralgefängnis von Isfahan würden derzeit mehr als 150 Demonstrierende festgehalten. Unter ihnen befänden sich auch Verletzte sowie zahlreiche Jugendliche unter 18 Jahren. Auch aus der Stadt Qom seien rund 100 Festnahmen gemeldet worden. Dort würden alle Betroffenen in einem einzigen Saal untergebracht, darunter ebenfalls Minderjährige und Verletzte.

Namentlich nennt IHR mehrere Jugendliche, die trotz schwerer Verletzungen in Haft genommen wurden – darunter die 16- und 17-jährigen Soroush Azarmehr, Payam Aminzadeh und Saman Shahamat. Azarmehr und Shahamat seien unter anderem an Kopf und Rücken verletzt worden. Besonders besorgniserregend sei die Situation des 17-jährigen Soroush Javidi, der aufgrund starker Blutungen zeitweise das Bewusstsein verloren habe. Nach seiner medizinischen Erstversorgung im Gefängnis sei er in die Haftanstalt Adel Abad in Schiras verlegt worden. Ob er dort angemessen behandelt werde, sei unklar.

Staatsfernsehen veröffentlicht erzwungene Geständnisse

Staatliche Medien hätten unterdessen begonnen, angebliche Geständnisse festgenommener Personen auszustrahlen. Die staatlich kontrollierte Nachrichtenagentur Fars veröffentlichte entsprechende Videos, darunter Aufnahmen von drei jungen Männern aus Chorramabad sowie zwei Mädchen im Alter von 16 und 18 Jahren aus Isfahan. Menschenrechtsorganisationen kritisieren solche Geständnisse regelmäßig als unter Zwang oder Folter erpresst. Wiederholt werden solche Aussagen in Gerichtsverfahren unter Missachtung rechtsstaatlicher Standards verwendet.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Iran: Onkel von Jina Mahsa Amini zu Haftstrafe verurteilt

medico international: Gezielte Tötung

Female YPJ fighter in Syria allegedly murdered by relatives in ‘honor’ killing