Türkei: Teilen statt kaufen: Tauschladen in Cizîr
In Cizîr hat die Kommune einen Laden eröffnet, in dem Waren verschenkt statt verkauft werden. Ziel ist es, Solidarität zu stärken und das Prinzip gemeinschaftlichen Zusammenlebens neu zu beleben. Die Initiative stößt auf breite Beteiligung.
In der nordkurdischen Stadt Cizîr (tr. Cizre) ist Anfang Dezember ein ungewöhnlicher Laden eröffnet worden: Die „Kezî“-Solidaritätsboutique verzichtet vollständig auf Geld und basiert stattdessen auf dem Prinzip gegenseitiger Hilfe. Initiiert wurde das Projekt von der DEM-geführten Kommune, getragen wird es von einem Netzwerk aus Frauen, Händler:innen und Nachbar:innen.
Ziel sei es, den Gedanken des gemeinschaftlichen Lebens neu zu beleben, sagte Nuran Kaplan von der Abteilung für Frauenökonomie der Stadtverwaltung. Die Initiative orientiere sich an traditionellen Formen des Teilens, wie sie in ländlichen Regionen und kurdischen Gemeinschaften lange gepflegt wurden.
Der Name „Kezî“ (kurdisch für „Geflecht“ oder „Verflechtung“) symbolisiere das Zusammenkommen verschiedener Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen – vergleichbar mit einer geflochtenen Haarsträhne. Die Wortwahl spiegele auch den Anspruch wider, „ein soziales Geflecht der Solidarität zu knüpfen“, so Kaplan.

Nachbarschaftliche Hilfe als Strukturprinzip
Die im Stadtviertel Cûdî gelegene Boutique sammelt überschüssige Lebensmittel, Kleidung und Haushaltswaren bei lokalen Geschäften und Privatpersonen. Die gespendeten Artikel werden von den Mitarbeiterinnen sortiert und gezielt an Bedürftige verteilt – kostenlos und anonym. Dabei legen die Organisatorinnen Wert auf eine respektvolle, saubere und bedarfsorientierte Weitergabe.
Drei Frauen arbeiten regelmäßig im Laden selbst, weitere Frauen aus der städtischen Wirtschaftsabteilung sind in den umliegenden Vierteln unterwegs. Sie sprechen mit Anwohner:innen, informieren über das Projekt, erfassen Bedarfe und laden zur Mitarbeit ein. „Wir gehen von Tür zu Tür und bauen ein Netzwerk auf. Niemand, der zu uns kommt, geht mit leeren Händen“, sagt Kaplan.
Eröffnung von Kezî
Freiwillige Spenden, offene Türen
Gesammelt werden nicht nur unbenutzte, sondern auch gut erhaltene gebrauchte Gegenstände. Die Auswahl reicht von Kleidung über Schulmaterial bis zu Werkzeug. Entscheidend sei, dass es sich um funktionstüchtige und saubere Artikel handle, so die Organisatorinnen. „Wenn ich etwas übrig habe und weiß, dass meine Nachbarin es braucht, dann teile ich es“, sagt Kaplan. Das sei der Kern des kommunalistischen Gedankens. Jede:r könne sich durch Spenden, Mitarbeit oder einfach durch das Teilen der Idee beteiligen.
Die Türen der Solidaritätsboutique stehen allen offen. Die Initiatorinnen rufen dazu auf, das Projekt zu unterstützen oder ähnliche Initiativen zu starten. „Kommt vorbei, seht es euch an. Gemeinsam können wir ein Netzwerk der gegenseitigen Hilfe aufbauen“, sagt Nuran Kaplan.
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