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Trump empfängt Syriens Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa

Syrien tritt US-geführter Anti-IS-Koalition bei

Nur Tage nach seiner Streichung von der US-Terrorliste empfing Donald Trump Syriens Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa im Weißen Haus. Syrien tritt nun der US-geführten Anti-IS-Koalition bei.

Al-Scharaa in Washington: Von der Terror- auf die Gästeliste
 
ANF / WASHINGTON, 11. Nov. 2025.

Wenige Tage nach seiner offiziellen Streichung von der US-Terrorliste ist Syriens selbsternannter Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa als erster syrischer Staatschef überhaupt im Weißen Haus empfangen worden. Nur Stunden später gab Washington bekannt, Syrien trete als 90. Mitglied der von den USA geführten internationalen Koalition gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat (IS)“ bei.

Ehemaliger Dschihadistenführer als Partner Washingtons

Al-Scharaa war bis Ende 2024 Anführer der islamistischen Miliz „Hayat Tahrir al-Sham“ (HTS), die aus dem syrischen Al-Qaida-Ableger hervorging. Erst am Freitag hatte die US-Regierung ihn von der Terrorliste gestrichen, nachdem der UN-Sicherheitsrat auf US-Initiative die Sanktionen gegen ihn aufgehoben hatte.

Beobachter:innen werten den diplomatischen Vorstoß als kalkulierten Tabubruch. „Dass Washington innerhalb weniger Tage vom Terrorstatus zur Einladung ins Oval Office übergeht, ist ein beispielloser Vorgang“, sagte eine westliche Diplomatin am Montag. „Das ist keine außenpolitische Wende – das ist eine politische Rehabilitation.“

Trump lobt „starken Anführer“

US-Präsident Donald Trump bezeichnete al-Scharaa nach dem Treffen als „sehr starken Anführer“. „Er kommt aus einem harten Land, er ist ein harter Mann“, sagte Trump vor Journalist:innen. Er wolle, dass Syrien „sehr erfolgreich“ werde. Laut dem US-Sondergesandten für Syrien Thomas Barrack stand das Gespräch im Zeichen einer „strategischen Öffnung“ und der „gemeinsamen Bekämpfung des Terrorismus“.

Das Treffen fand hinter verschlossenen Türen statt – ohne Pressezugang, ohne offizielle Verlautbarung über konkrete Vereinbarungen. Erst nach Abschluss des Besuchs veröffentlichte die syrische Präsidentschaft Fotos, die Trump und al-Scharaa beim Händedruck im Oval Office zeigen.

Koalitionsbeitritt als diplomatisches Signal

Nach US-Angaben erlaubt Washington Syrien künftig, seine Botschaft in der US-Hauptstadt wieder zu eröffnen. Zudem wurde der Beitritt des Landes zur Anti-IS-Allianz bekannt gegeben. Die Zusammenarbeit soll sich zunächst auf politische Koordination beschränken. Bereits im Mai hatte Trump die Sanktionen gegen Syrien ausgesetzt, nun wurde die Aussetzung um weitere 180 Tage verlängert. Eine vollständige Aufhebung bedarf allerdings der Zustimmung des US-Kongresses.

Fragile Legitimation in Syrien

Al-Scharaa hatte im Dezember 2024 den Sturz von Machthaber Baschar al-Assad angeführt. Seither versucht er, das zerrüttete Land international zu rehabilitieren – mit dem Versprechen eines „neuen, moderaten Syrien“. Doch in weiten Teilen des Landes kommt es weiterhin zu Machtkämpfen und Gewaltausbrüchen rivalisierender Milizen. Berichte über Menschenrechtsverletzungen unter der Übergangsregierung – etwa die Massaker an den Alawit:innen im Westen und Drus:innen im Süden des Landes nähren Zweifel am Reformkurs.

Symbolpolitik mit hohem Risiko

Der Empfang al-Scharaas in Washington steht sinnbildlich für den Pragmatismus der US-Außenpolitik unter Trump: ehemalige Feinde als Partner, solange es strategisch nützlich erscheint. Doch hinter dem symbolischen Handschlag steht eine unbequeme Wahrheit – dass die Grenzen zwischen Realpolitik und moralischer Beliebigkeit in der internationalen Diplomatie immer weiter verschwimmen. Ob aus dem neuen Bündnis tatsächlich Stabilität erwächst, bleibt offen. Fest steht: Washington hat mit diesem Schritt einen Damm gebrochen, den es politisch und moralisch schwer wieder aufzubauen sein wird.

 

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