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Zivilrat in Dair Hafir treibt kommunalen Aufbau voran

Nach dem Rückzug des Regimes übernahm in Dair Hafir ein neuer Zivilrat die Verwaltung. Mit der Gründung von Kommunen, Schulreform, Infrastrukturprojekten und Basisdemokratie will die Region neue Lebensperspektiven nach Jahren der Vernachlässigung schaffen

Zivilrat organisiert Stadt neu und startet Infrastrukturprojekte
 
ANF / DAIR HAFIR, 13. Okt. 2025.

Der neu gebildete Zivilrat von Dair Hafir arbeitet an der Reorganisation des öffentlichen Lebens und dem Wiederaufbau der kommunalen Infrastruktur. Zu den Maßnahmen zählen die Einrichtung von Kommunalkomitees, die Wiederaufnahme des Schulbetriebs, die Gründung von Gemeindeverwaltungen sowie erste Projekte im Bereich der Wasser- und Stromversorgung.

Die Kleinstadt Dair Hafir gehört zur Region Tabqa und war nach der Vertreibung der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) im Jahr 2017 zunächst wieder unter Kontrolle des Assad-Regimes. Nach dem Rückzug der Regierungstruppen Ende 2024 übernahmen die Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) die Kontrolle. Seit dem 1. März dieses Jahres liegt die Verwaltung in den Händen eines zivilen Rates, der unter Beteiligung der Bevölkerung gebildet wurde.

Nachbarschaftskomitees mit genderparitätischen Doppelspitze

Wie der Ko-Vorsitzende des Zivilrats, Adnan Mohammed, gegenüber ANHA erklärte, wurden seitdem 66 nachbarschaftsbasierte Komitees mit jeweils einer genderparitätischen Doppelspitze gewählt. Diese sollen die Belange der Anwohnenden aufnehmen und in den Rat einbringen. Ziel sei es, eine lokale Selbstverwaltung aufzubauen, die auf demokratischer Mitbestimmung basiert.

Adnan Mohammed | Foto: ANHA

Parallel dazu wurden zwei Kommunen gegründet – eine in Dair Hafir selbst, die andere im nahegelegenen Dorf al-Maamoura (auch al-Mahdoum). Ihre Aufgaben umfassen unter anderem die Müllentsorgung, die Regulierung des Straßenhandels, die Organisation von Märkten sowie ein Straßenbeleuchtungsprojekt mit 450 solarbetriebenen Lichtanlagen.

Infrastruktur im Fokus

Besondere Dringlichkeit hat laut Mohammed die Sanierung der maroden Abwassernetze. Die Kanalisation sei über 40 Jahre alt, obwohl sie ursprünglich nur auf 14 Jahre ausgelegt war. In mehreren Stadtvierteln seien daher Austauschprojekte geplant. Zudem wurde der Bau einer neuen Wasserleitung mit einem Durchmesser von 160 Millimetern und einer Länge von 450 Metern für den unterversorgten Norden der Stadt angekündigt.

Darüber hinaus plant der Zivilrat die Anschaffung dringend benötigter Fahrzeuge und Geräte für die Kommunalarbeit, darunter Müllpressen, Tankwagen, Feuerwehrausrüstung sowie mehrere Traktoren und Laster.

Zur Unterstützung der lokalen Wirtschaft sollen 22 Stände auf dem Suq wiedereröffnet werden. Zwei Straßenbauprojekte wurden ebenfalls angekündigt: die Asphaltierung der Zugangsstraße zum Markt (1.100 Meter) sowie die Sanierung einer Nebenstraße entlang der Hauptverbindung zwischen Aleppo und Raqqa (1.300 Meter).

Wiederaufbau in Bildung und Energieversorgung

Im Bildungsbereich wurde eine Schulbehörde eingerichtet, die den Unterricht in der Stadt und den umliegenden Dörfern koordiniert. Insgesamt wurden 75 Lehrkräfte eingestellt, der Unterricht hat mit 1.265 Schülerinnen und Schülern offiziell begonnen.

Für die Stromversorgung wurde eine eigene Elektrizitätsbehörde gegründet. Diese plant die Instandsetzung einer Mittelspannungsleitung über 20 Kilometer zwischen der Rinderstation in Maskana und der Gemeinde al-Maamoura. Ziel ist der Anschluss an das Hauptstromnetz von Dair Hafir.

Zur Organisation der Wasserversorgung wurde außerdem ein entsprechendes Amt bei der Volkskommune eingerichtet. Der Zivilrat kündigte an, dass innerhalb von zwei Wochen mit der Verteilung von Heizmaterial über spezielle Versorgungskarten begonnen werden solle – vorausgesetzt, es treten keine logistischen Hürden auf.

Die lokale Verwaltung hofft, mit diesen Maßnahmen die Lebensbedingungen der Bevölkerung nach Jahren schwerer Vernachlässigung und weitgehender Selbstorganisation spürbar zu verbessern.

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