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Varisheh Moradi aus der Todeszelle : Manifest zum 3. Jahrestag von „Jin, Jiyan, Azadî“

 


Zum dritten Jahrestag der „Jin, Jiyan, Azadî“-Bewegung hat die in Iran zum Tode verurteilte Kurdin Varisheh Moradi ein Manifest veröffentlicht. Darin ruft sie zum Wiederaufbau von Gesellschaft, Demokratie und Kollektivität unter weiblicher Führung auf.

Manifest für die Freiheit aus der Todeszelle in Iran
 
ANF / REDAKTION, 16. Sept. 2025.

Zum dritten Jahrestag des staatlichen Feminizids an Jina Mahsa Amini und der Bewegung „Jin, Jiyan, Azadî“ hat die in Iran zum Tode verurteilte kurdische Aktivistin Varisheh Moradi ein ausführliches Schreiben formuliert, das weit über eine Gedenkbotschaft hinausgeht. In ihrem Text, veröffentlicht von der Kampagne „Free Varisheh“, beschreibt die im Gefängnis von Ghartschak (Qarchak) inhaftierte Kurdin den 16. September nicht nur als Jahrestag eines Aufstandes, sondern als Ausgangspunkt für ein neues gesellschaftliches Paradigma – getragen von Frauen, getragen vom Widerstand gegen patriarchale Gewalt, staatliche Repression und kulturelle Auslöschung. „Dies ist nicht einfach ein Gedenken“, schreibt Moradi, „sondern eine Gelegenheit, das politische Projekt eines freien Lebens erneut zu formulieren.“

„Jin, Jiyan, Azadî“ – viel mehr als eine Parole

Die Bewegung, so Moradi, sei weder bloß ein Ausbruch von Wut auf den Straßen noch eine punktuelle Reaktion einer einzelnen Gruppe. Sie sei komplex, mehrdimensional und strukturell, mit Forderungen, die vom Individuum bis zur Gesellschaft reichen: nach persönlicher Freiheit, kollektiver Selbstbestimmung, wirtschaftlicher Sicherheit, kultureller Gleichberechtigung und einem Bruch mit geschlechterbasierter Unterdrückung. „All diese Forderungen sind Glieder einer Kette“, schreibt sie, „die darauf abzielt, Machtverhältnisse und soziale Beziehungen grundlegend neu zu gestalten – Verhältnisse, die heute auf Gewalt, Kontrolle und Ungleichheit beruhen.“

Frauen im Zentrum der Revolution

Im Mittelpunkt des Textes steht die zentrale Rolle von Frauen als Trägerinnen dieser historischen Veränderung. Ihre Körper, ihr Wille und ihr Geist seien über Jahrzehnte Zielscheibe eines Staates gewesen, der seine Herrschaft auf der Unterwerfung und Unsichtbarmachung von Frauen aufgebaut habe. „‚Jin, Jiyan, Azadî‘ hat die Frau von einem unterworfenen Objekt zur revolutionären Subjektivität erhoben – zur aktiven Akteurin einer Gesellschaft, die sich wandeln will.“ Keine Repression, kein Urteil, keine Exekution könne diese Wahrheit aufhalten, so Moradi. Die Bewegung sei nicht nur eine Reaktion, sondern eine bewusste politische Neudefinition von Freiheit und Demokratie.

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