Im Interview schildert Pervin Buldan zentrale Aussagen Abdullah Öcalans zum Friedensprozess, zur Rolle der Kommission, zur Integration von Kämpfer:innen – und erklärt, warum Rojava für den kurdischen Vordenker eine unantastbare Grenze darstellt.
Die DEM-Abgeordnete Pervin Buldan hat sich als Mitglied der Imrali-Delegation in einer Sondersendung auf Jin TV gegenüber der Journalistin Nezahat Doğan zu den Entwicklungen im Friedens- und Demokratisierungsprozess in der Türkei sowie zum letzten Treffen mit dem kurdischen Repräsentanten Abdullah Öcalan geäußert.
Der volle Text des langen Interviews ist nachzulesen auf unserer Homepage: ww.ak-zur-kurdischen-revolution.de homepage.
... Abdullah Öcalan über Rojava: „Eine rote Linie“
Im letzten Teil des Interviews ging Pervin Buldan auf Abdullah Öcalans Einschätzung zur Situation in der Autonomieregion Nord- und Ostsyriens beziehungsweise Rojava und Syrien allgemein ein: „Öcalan hat mehrfach betont, dass Rojava für ihn eine rote Linie darstellt. Er sagte wörtlich: ‚Für mich ist das ein besonderer Ort.‘“
Während die Gespräche zwischen Öcalan und der DEM-Partei sich primär auf innenpolitische Fragen der Türkei konzentrieren, sei Rojava vor allem Thema in den Gesprächen mit staatlichen Delegationen gewesen: „Er äußerte sich uns gegenüber nicht umfassend zur Syrien-Politik, machte aber deutlich, dass er – sofern sich die Gelegenheit bietet – auch mit den Verantwortlichen vor Ort in Rojava ins Gespräch kommen möchte.“
Buldan betonte, dass ein solcher Dialog dringend notwendig sei: „Eine Türkei, die gegenüber der kurdischen Autonomie in Nordsyrien feindlich agiert, verliert an Glaubwürdigkeit – auch im eigenen Land. Jeglicher militärischer Angriff auf Rojava würde in der kurdischen Gesellschaft große Erschütterungen auslösen.“
Sie warnte vor einem doppelten Standard: „Es ist widersprüchlich, in der Türkei von Demokratisierung zu sprechen, während man gleichzeitig in Rojava versucht, die kurdischen Errungenschaften zu zerstören. Ein solcher Kurs wäre nicht nur kontraproduktiv, sondern würde auch die Legitimität des Friedensprozesses in Frage stellen.“
Abschließend appellierte sie an den türkischen Staat: „Wer in dieser Frage mit Respekt auf die kurdische Bevölkerung zugeht, wer ihre Sprache, Identität und politischen Errungenschaften achtet – auch über die Landesgrenzen hinaus –, wird nicht verlieren, sondern gewinnen. Eine auf Gleichberechtigung und gegenseitiger Anerkennung beruhende Politik kann den Grundstein für einen echten und nachhaltigen Frieden legen.“
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