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Auch diese Katze war Teil des 1. Rückkehr-Konvois

 


Erstmals seit der türkischen Invasion von 2018 sind rund 400 kurdische Familien nach Efrîn zurückgekehrt. Die Selbstverwaltung spricht von einem wichtigen Schritt für die Rückkehr der Vertriebenen und fordert internationale Unterstützung.

Rückkehr nach Jahren der Vertreibung
 
ANF / HESEKÊ, 10. März 2026.

Die Ko-Außenbeauftragte der Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien (DAANES), Ilham Ehmed, hat die Rückkehr erster kurdischer Familien in die Region Efrîn (Afrin) begrüßt. Rund 400 Familien sind in ihre Heimat zurückgekehrt, nachdem sie im Zuge der türkischen Invasion von 2018 aus der Region vertrieben worden waren.

Die Rückkehr aus Hesekê erfolgte unter Begleitung von Einheiten der Inneren Sicherheitskräfte (Asayîş), Ehmed überwachte am Vortag die Abfahrt des Konvois aus Hesekê, der am Dienstagmorgen die Efrîn-Region erreichte. Dort erhalten die Familien nun Unterstützung von der Selbstverwaltung, darunter humanitäre Hilfe sowie Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen.

„Ein bewegender Moment“

Für die Familien bedeutet die Rückkehr die erste Heimkehr nach Jahren der Vertreibung. Ehmed bezeichnete dies als bedeutenden Schritt. „Die heutige Rückkehr von etwa 400 Familien Efrîn Afrin nach Jahren wiederholter Vertreibung ist ein bewegender Moment“, erklärte sie. „Die Verbundenheit der Menschen in Efrîn mit ihrem Land blieb trotz aller Umstände bestehen. Für sie ist das Land nicht nur ein Wohnort, sondern auch Erinnerung, Leben und tiefe Wurzeln.“

Die Kurdin Dîlara aus Cindirês gehört zu den Vertriebenen, die nach Efrîn zurückkehren konnten. Mit im Konvoi fuhr auch ihre Katze © ANHA

Die Rückkehr könne ein erster Schritt auf einem längeren Weg sein, der es allen Vertriebenen ermögliche, in ihre Heimat zurückzukehren, so Ehmed weiter. Zugleich brauche es ernsthafte Maßnahmen zur Wiedergutmachung sowie zur Wiederherstellung von Stabilität in Efrîn.

Rückkehr Teil eines Abkommens

Das Recht syrischer Binnenvertriebener auf Rückkehr in ihre Heimatregionen ist ein zentraler Bestandteil des Abkommens vom 29. Januar zwischen der syrischen Übergangsregierung in Damaskus und der Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien. Die DAANES fordert die Europäische Union und die Bundesregierung auf, die Umsetzung dieses Abkommens zu unterstützen. Internationale Unterstützung sei notwendig, um den Rückkehrprozess zu sichern und die Wiedereingliederung der Vertriebenen zu ermöglichen.

Abfahrt aus Hesekê nach Efrîn © ANHA

Einst sicherste Region Syriens

Die kurdische Region Efrîn wurde im März 2018 von der Türkei und mit Ankara verbündeten dschihadistischen Milizen besetzt. Mit Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffs zwei Monate zuvor wurde die zuvor als sicherste Region Syriens geltende Gegend zum Schauplatz systematischer Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen. Die türkische Besatzungsmacht verfolgte neben einer klassischen Kolonialpolitik auch eine Politik der ethnischen Säuberung. Mehr als 400.000 Menschen wurden in der Folge aus ihren angestammten Siedlungsgebieten vertrieben. Gleichzeitig wurde die Region gezielt demografisch umgestaltet, indem islamistische Milizen und deren Familien angesiedelt wurden.

Efrîn praktisch vollständig ausgeplündert

Entführungen, Folter, Erpressung, Mord, Plünderungen sowie Artillerieangriffe prägten den Alltag der verbliebenen kurdischen Bevölkerung Efrîns – vielfach unter faktischer Duldung der internationalen Staatengemeinschaft. Ende Januar dieses Jahres wurde im Rahmen eines Abkommens zwischen den QSD und der syrischen Übergangsregierung die Rückkehr der Vertriebenen beschlossen. Noch ist jedoch unklar, welche Bedingungen die Rückkehrer:innen in der ehemals besetzten Region vorfinden werden. Im Zuge der Invasion angesiedelte Araber:innen aus verschiedenen Ländern haben Efrîn vor ihrem Abzug geplündert und zahlreiche Häuser sowie öffentliche Einrichtungen ausgeräumt.

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