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Für muttersprachliche Bildung: Demo in Istanbul, nicht in Stuttgart


Mit einer Demonstration zum Schuljahresbeginn fordern kurdische Kultur- und Bildungsinstitutionen in Istanbul das Recht auf Bildung in der Muttersprache. Die Organisatoren sehen darin ein grundlegendes Menschenrecht und eine Voraussetzung für gesellschaft

Muttersprachlicher Unterricht
 
ANF / ISTANBUL, 8. Sept. 2025.

In Istanbul haben mehrere kurdische Kultur- und Bildungsinstitutionen zum Beginn des neuen Schuljahres für das Recht auf muttersprachlichen Unterricht in Kurdisch demonstriert. Unter dem Motto „Wir marschieren für unsere Muttersprache“ forderten zahlreiche Teilnehmende am Sonntagabend eine offizielle Anerkennung des Kurdischen als Unterrichtssprache.

Zu der Veranstaltung hatten das Kulturzentrum Mesopotamien (NÇM), der Verein für kurdische Studien sowie die Musikschule Egîdê Cimo aufgerufen. Unterstützt wurde die Aktion unter anderem von den Parteien DEM und DBP, den Friedensmüttern sowie der Frauenbewegung TJA.

Die Demonstration begann im Istanbuler Stadtteil Fatih und führte bis zum Saraçhane-Park. Begleitet wurde der Protest von Sprechchören wie „Bildung in der Muttersprache ist unser Recht“ oder „Ohne Sprache kein Leben“. Viele Demonstrierende trugen traditionelle Kleidung, kurdische Lieder wurden gesungen, Musik wurde mit Rahmentrommeln begleitet.


Forderung nach rechtlicher Anerkennung

In einer gemeinsamen Erklärung der veranstaltenden Organisationen hieß es, das Recht auf Bildung in der Muttersprache sei ein universelles Recht und untrennbar mit der kulturellen Identität des kurdischen Volkes verbunden. Die Verweigerung dieses Rechts stelle eine Form der Identitätsverleugnung dar, betonten die Veranstalter.

Zugleich kritisierten sie, dass die kurdische Sprache im Parlament noch immer unterdrückt werde – zuletzt war den Friedensmüttern bei kurdischsprachigen Redebeiträgen in der Kommission zur Lösung der kurdischen Frage das Wort entzogen worden.

Öcalan: „Kampf für Sprache und Identität“

Der DEM-Abgeordnete Ömer Öcalan erklärte bei der Veranstaltung: „Wir kämpfen seit Jahren für unsere Existenz, unsere Sprache und unsere Identität.“ Eine Anerkennung des Kurdischen als offizielle Sprache sowie als Bildungssprache in der Türkei sei unabdingbar. Derzeit finde eine strukturelle Ausgrenzung kurdischer Sprache und Kultur statt. „Kurdinnen und Kurden sollen in ihrer eigenen Sprache lernen, sprechen und leben können“, sagte Öcalan.

Kritik an Parlamentssprecher Kurtulmuş

Die Veranstalter:innen wiesen die Aussage von Parlamentspräsident Numan Kurtulmuş zurück, wonach es in der Türkei keine Forderung nach muttersprachlichem Unterricht in Kurdisch gebe. Diese Aussage sei „eine Lüge“, so die Organisator:innen. Seit Jahrzehnten werde dieses Recht eingefordert, doch die staatliche Bildungspolitik setze weiter auf Assimilation und kulturelle Auslöschung.

Appell an kurdische Institutionen

Zum Abschluss richteten die Veranstalter:innen einen Appell an alle kurdischen Parteien, Organisationen und die Bevölkerung, den Einsatz für das Kurdische zu intensivieren. „Lasst uns unsere Häuser in Schulen der kurdischen Sprache verwandeln“, hieß es. Die Verweigerung von muttersprachlichem Unterricht sei eines der größten Hindernisse auf dem Weg zu einem dauerhaften gesellschaftlichen Frieden.

 

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