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Konferenz in Berlin: „Die Welt neu denken“



Am zweiten Tag der Konferenz „Die Welt neu denken: Herausforderungen, Übergänge und kurdische Perspektiven“ wurden die Themen „Deutschland, Türkei und die Kurd:innen“ und „Eine andere Weltordnung: Neue Impulse und Perspektiven“ behandelt.

Das Netzwerk kurdischer Akademiker:innen e.V. (KURD-AKAD) hat in Kooperation mit dem Kurdischen Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit e.V. (Civaka Azad) eine zweitägige Konferenz mit dem Titel „Die Welt neu denken: Herausforderungen, Übergänge und kurdische Perspektiven“ in Berlin durchgeführt.

Am Samstagvormittag wurde in zwei von der Journalistin Susana Santina moderierten Sitzungen das Thema „Deutschland, Türkei und die Kurd:innen“ behandelt. Der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Kenan Engin von der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften in Berlin gab einen Überblick zur Entstehung der kurdischen Diaspora in Deutschland und sagte, dass kurdische Organisationen eine wichtige Rolle bei der Herausbildung der kurdischen Identität spielten. Der Menschenrechtsaktivist und TV-Moderator Yilmaz Kaba sprach über „Deutschland und die kurdische Frage: Narrative und Realitäten" und ging auf die Interessenbeziehungen zwischen Deutschland und der Türkei und die Auswirkungen auf die Kurd:innen ein.


In der zweiten Sitzung referierte Prof. Dr. Mithat Sancar, ehemaliger Ko-Vorsitzender der HDP und Abgeordneter in der türkischen Nationalversammlung über „Demokratie in der Türkei: Restitutio ad integrum oder Neubeginn“. Sancar stellte fest, dass die Türkei auf einem antidemokratischen System aufgebaut sei, und sagte: „2015 war ein sehr wichtiges Jahr. Denn zu dieser Zeit führte Erdoğan einen Friedensprozess mit den Kurden durch. Erdoğan nutzte diesen Prozess als Instrument für seine eigene Macht. Die HDP hingegen war der Meinung, dass es eine sehr wichtige Verbindung zwischen der Lösung der kurdischen Frage und der Demokratie in der Türkei gibt. Während des Friedensprozesses erhielt Erdoğan nicht den gewünschten Stimmenanteil bei den Wahlen. Er war auch darüber beunruhigt, dass die Kurden in Rojava ein autonomes System aufbauten.“ Aus diesem Grund habe Erdoğan sich wieder der Kriegspolitik zugewandt. Mithat Sancar erklärte, dass die HDP von einem Verbot bedroht sei und ihre Nachfolgerin, die DEM-Partei, dieselben Forderungen vertrete: „Sie fordert eine demokratische Lösung für die kurdische Frage."

Prof. Dr. Hüseyin Çiçek sagte in seinem Vortrag „Interessen gegen Prinzipien - Parameter der deutschen Außenpolitik", dass die NATO und die EU die deutsche Außenpolitik maßgeblich bestimmen. Dilan Akdoğan vom Verein für Demokratie und Internationales Recht (MAF-DAD) sprach über „Kurd:innen im Spannungsfeld deutsch-türkischer Beziehungen“ und sagte, dass die kurdische Community in Deutschland den Interessen in den deutsch-türkischen Beziehungen geopfert wird. Sie erläuterte die bundesdeutsche Kriminalisierungspolitik, die Verbote von Verlagen und Organisationen, Strafverfahren und aufenthaltsrechtliche Sanktionen beinhalte und Kurd:innen ihrer Grundrechte beraube.

Die letzte Sitzung der Konferenz stand unter dem Titel „Eine andere Weltordnung: Neue Impulse und Perspektiven“ und wurde von Prof. Dr. Christine Löw von der Universität Gießen moderiert. Veronique Dudouet, Senior Advisor der Berghof Foundation, sprach in ihrem Referat „Die Neuordnung: Strategie Frieden - Resistenzen und Resilienzen“ über Kämpfe in Südafrika und Kolumbien und den Einfluss der kurdischen Frauenbewegung sowie über Friedensprozesse im Nahen Osten. Dr. Dersim Dağdeviren, Ärztin und Ko-Vorsitzende von KURD-AKAD erläuterte die Entstehungsgeschichte und den Inhalt der Losung „Jin Jiyan Azadî“. Die Parole sei bereits 2006 unter dem Einfluss der kurdischen Frauenbewegung bei einer Demonstration in Istanbul gerufen worden und habe sich von einer Losung zu einer Lösung entwickelt.

Die Ko-Vorsitzende der PYD, Asya Abdullah, erläuterte das System der Selbstverwaltung in Nord- und Ostsyrien als Lösungsmodell für internationale Krisen und sagte, dass eine Lösung der Probleme im Nahen Osten ohne eine Lösung der kurdischen Frage nicht möglich sei. Die letzte Referentin war Nilüfer Koç vom Nationalkongress Kurdistan, die über die Erwartungen an Deutschland hinsichtlich einer Lösung der kurdischen Frage sprach.

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